Cannabis & Herz: Kardiovaskuläre Risiken erklärt
- THC erhöht die Herzfrequenz um 20–50 bpm durch direkte Sympathikus-Aktivierung
- Herzinfarktrisiko in der ersten Stunde nach Konsum: 4,8-fach erhöht (Mittleman 2001)
- CBD wirkt gegenteilig: senkt den Ruhepuls und den systolischen Blutdruck
Cannabis und das Herz-Kreislauf-System
Cannabis hat messbare Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System – hauptsächlich durch THC, nicht durch CBD. Für die meisten gesunden Erwachsenen sind diese Effekte vorübergehend und harmlos. Bei Personen mit bestehenden Herzerkrankungen, hohem Blutdruck oder Herzrhythmusstörungen können sie aber klinisch relevant sein.
Kardiovaskuläre Effekte von THC
| Effekt | Mechanismus | Zeitverlauf | Klinische Relevanz |
|---|---|---|---|
| Tachykardie (+20–50 bpm) | Sympathikusaktivierung über CB1; Hemmung des Parasympathikus | Sofort, 20–60 min | Bei KHK, Herzinsuffizienz: erhöhter O₂-Bedarf |
| Blutdruckanstieg (initial) | Sympathische Vasokonstriktion bei ersten Dosen | Erste 5–10 min | Relevant bei Hypertonie, Schlaganfall-Risiko |
| Blutdruckabfall (dann) | Vasodilatation über CB1 in Gefäßwänden; Orthostase | Nach initial Anstieg | Orthostatische Hypotension möglich |
| Erhöhter Sauerstoffbedarf | Tachykardie + erhöhte Herzarbeit | Parallel zur Tachykardie | Angina-Trigger bei KHK |
| Gerinnungseffekte | CB1 auf Thrombozyten; THC kann Aggregation hemmen | Chronisch | Potenzielle Interaktion mit Blutverdünnern |
Studiendaten: Herzinfarkt und Cannabis
Mittleman et al. 2001 (Circulation): Case-Crossover-Studie, n=3882 Herzinfarkt-Patienten. Risiko eines Herzinfarkts in der ersten Stunde nach Cannabis-Konsum: 4,8-fach erhöht vs. Nicht-Konsum. Absolutes Risiko aber sehr gering bei jungen Gesunden; relevant hauptsächlich bei vorbestehender KHK.
Jouanjus et al. 2014 (J Am Heart Assoc): Analyse von 1979 Fällen aus dem französischen Pharmakovigilanz-System. Bei Cannabis-assoziierten Herzproblemen: 85 % männlich, Durchschnittsalter 34 Jahre. Vorhofflimmern und koronare Ereignisse überrepräsentiert.
Singh et al. 2018 (J Am Coll Cardiol, Review): Chronischer Konsum: erhöhte Arteriosklerose-Rate durch proinflammatorische Effekte hochdosierter THC-Einnahme. Akute Effekte (Tachykardie) im Alter oder bei vorbestehender KHK = Hauptrisikofaktor.
CBD und das Herz: Eher positiv
Im Gegensatz zu THC zeigt CBD kardioprotektive Eigenschaften:
– Antiarrhythmisch: CBD reduziert ischämieinduzierte Arrhythmien in Tiermodellen
– Vasodilatatierend: CBD relaxiert Gefäße über TRPV1 und NO-Freisetzung → Blutdrucksenkung
– Entzündungshemmend: Atherosklerose wird durch Entzündung getrieben; CBD wirkt hemmend
– Manseau et al. 2019: CBD (600 mg einmalig) senkte den Blutdruckanstieg bei Stressreaktionen in RCT signifikant
Risikogruppen: Wer sollte vorsichtig sein
– Personen mit koronarer Herzerkrankung (KHK)
– Herzrhythmusstörungen (Vorhofflimmern)
– Unkontrollierter Hypertonie
– Herzinsuffizienz
– Ältere Patienten (>65 Jahre)
– Personen unter Herzmedikation (Digoxin, Blutverdünner, Beta-Blocker)
FAQ: Cannabis und das Herz
Zusammenfassung
THC erhöht Herzfrequenz um 20–50 bpm und den Sauerstoffbedarf – bei gesunden Jungen harmlos, bei KHK oder Arrhythmien klinisch relevant (4,8-fach erhöhtes Herzinfarktrisiko in der ersten Stunde, Mittleman 2001). CBD zeigt dagegen kardioprotektive Eigenschaften (antiarrhythmisch, blutdrucksenkend). Risikogruppen: KHK, Vorhofflimmern, Herzinsuffizienz, Hypertonie, Herzmedikation. Cannabis und Alkohol für weitere Kombinations-Risiken; Cannabis-Medikamenten-Wechselwirkungen für kardiovaskuläre Medikamente.















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