Cannabis Sorten: OG Kush, White Widow, Gorilla Glue und mehr
Sorten-Namen wie OG Kush oder White Widow sind in der Cannabis-Kultur Legenden — aber was steckt tatsächlich hinter den Namen? Terpenprofil, THC-Gehalt und Wirkungscharakter unterscheiden sich erheblich. Ein Überblick über die bekanntesten Sorten und was sie charakterisiert.
Wie Sorten-Profile entstehen und was sie bedeuten
Bevor es in die konkreten Sorten geht, einige wichtige Klarstellungen:
- Sorten-Namen sind keine Qualitätszertifikate: „OG Kush“ als Name garantiert nichts — Terpenprofil und Cannabinoid-Gehalt variieren je nach Anbauer und Charge erheblich. Nur zertifizierte Labortests geben verlässliche Werte
- Indica/Sativa als Kategorien sind überholt: Die eigentliche Wirkung wird durch das Terpenprofil und das individuelle THC:CBD-Verhältnis bestimmt, nicht durch die botanische Klassifikation
- Generationen-Drift: Durch jahrzehntelanges Kreuzungszüchten haben viele Klassiker-Sorten ihre ursprünglichen Eigenschaften verändert. Ein OG Kush von 2024 ist genetisch oft anders als das Original
- Social Club und Apotheke: Seit KCanG können Social Clubs Sorten anbieten. Apotheken führen standardisierte medizinische Sorten mit Laborwerten
OG Kush: Der Klassiker aus Kalifornien
- Herkunft: Ursprünglich aus Süd-Kalifornien, 1990er Jahre. Genetisch unklar — „OG“ steht je nach Quelle für „Original Gangster“ oder „Ocean Grown“
- THC-Gehalt: 20–25%, vereinzelt bis 28%. CBD typischerweise unter 1%
- Hauptterpene: Myrcen (erdige, schwere Note), Limonen (Zitrus), Caryophyllen (Pfeffer/Würze)
- Aroma/Geschmack: Erdig, kieférnig, mit Zitrus-Untertönen und leichter Diesel-Note
- Wirkungscharakter: Starkes, cerebrales High gefolgt von körperlicher Entspannung. Myrcen-dominiert = tendenziell sedierende Tendenz bei höheren Dosen. Bekannt für Euphorie, Kreativitätsschübe und anschließende Körperschwere
- Derivate: Basis für hunderte Kreuzungen: Girl Scout Cookies, Sherbet, Gelato, Fire OG
White Widow: Europas Klassiker
- Herkunft: Entwickelt in den Niederlanden (Green House Seeds, 1990er). Kreuzung aus brasilianischen Sativa-Landrace und südindischen Indica-Landrace. Cannabis Cup Gewinner 1995
- THC-Gehalt: 18–25%
- Hauptterpene: Myrcen, Pinen (Kiefer/Frische), Caryophyllen
- Aroma/Geschmack: Holzig, erdig, mit leichter Kiefer- und Blumennote. Erkennbar am weißen Trichom-Belag der Blüten (daher „White“)
- Wirkungscharakter: Energetisch-kreatives High, dann körperliche Entspannung. Pinen fördert Aufmerksamkeit und Fokus. Für kreative Arbeit oder gesellige Abende verwendet
- Anbau: Robuste, resistente Pflanze — eine der beliebtesten Anfänger-Sorten für den Eigenanbau
Gorilla Glue #4 (GG4): Der „Kleber“
- Herkunft: USA, entwickelt von GG Strains (ursprünglich „Gorilla Glue“ — umbenannt nach Markenrechts-Streit). Zufalls-Kreuzung zwischen Chem’s Sister, Sour Dubb und Chocolate Diesel
- THC-Gehalt: 25–30% — eine der potentesten verbreiteten Sorten. Nicht für Einsteiger
- Hauptterpene: Caryophyllen (dominant, pfeffrig/würzig), Myrcen, Limonen
- Aroma/Geschmack: Stark — Diesel, Kiefer, Erde, Schokolade. Intensiver Geruch beim Anbau
- Wirkungscharakter: Starkes, schweres High — der Name („Gorilla-Kleber“) kommt vom Gefühl, am Sofa festzukleben. Vollkörper-Entspannung, Couch-Lock bei höheren Dosen. Weniger geeignet für Aktivitäten
- Trichome: Bekannt für extremen Harzgehalt — Scherenwerkzeug klebt beim Trimmen tatsächlich fest
Blue Dream: Westküsten-Liebling
- Herkunft: Nordkalifornien, ca. 2000er. Kreuzung aus Blueberry (Indica) und Haze (Sativa-dominiert)
- THC-Gehalt: 17–24%, leicht erhöhter CBD-Anteil (~1–2%) verglichen mit reinen THC-Sorten
- Hauptterpene: Myrcen, Caryophyllen, Terpinolen (blumig/frisch)
- Aroma/Geschmack: Süß-beerenartig (Heidelbeere), leicht erdig und frisch. Angenehmes, zugängliches Profil
- Wirkungscharakter: Als „ausgewogen“ beschrieben — zerebrales Haze-High gemildert durch Indica-Körper-Entspannung. Weniger überwältigend als GG4 oder OG Kush. Daher populär für Tageskonsum und als Einsteiger-Alternative unter höherpotenten Sorten
Northern Lights: Der Indoor-Klassiker
- Herkunft: Seattle/Niederlande, 1980er. Indica-dominierte Landrace-Kreuzungen (wahrscheinlich afghanische Herkunft). Multiple Cannabis Cup Gewinne
- THC-Gehalt: 16–21%
- Hauptterpene: Myrcen (dominant), Caryophyllen, Pinen
- Aroma/Geschmack: Erdig, süßlich, leicht würzig. Nicht überwältigend intensiv
- Wirkungscharakter: Stark körperbetont, entspannend, schlaffördernd. Couch-Lock bei höheren Dosen. Häufig für Schlafprobleme und Schmerzlinderung genutzt. Myrcen-dominant = klassisches Sedierungs-Profil
- Anbau: Kompakte, kurze Pflanze — ideal für Indoor-Anbau mit begrenzter Höhe. Kurze Blütezeit (7–8 Wochen), robust, schimmelresistent
Medizinische Sorten: Standardisierte Qualität
In Apotheken erhältliche Cannabis-Sorten unterscheiden sich grundlegend von Street-Namen:
- Medizinisches Cannabis hat zertifizierte THC- und CBD-Gehalte mit Labornachweis
- Häufig verordnet: Bedrocan (THC 22%, Sativa-dominiert), Bediol (THC 6,3%, CBD 8%), Bedrolite (fast THC-frei, CBD 9%)
- Sortenname ist im medizinischen Bereich weniger relevant als der genaue Cannabinoid-Gehalt für die Dosierung
Was Terpene über die Wirkung einer Sorte aussagen: Cannabis Terpene. Indica vs. Sativa vs. Hybrid — was diese Kategorien wirklich bedeuten: Indica Sativa Hybrid. Wie man gute Qualität von schlechter unterscheidet: Cannabis Qualität erkennen.
Warum Sorten sich unterschiedlich anfühlen — der Terpene-Faktor: Cannabis Terpene und Entourage-Effekt.

















