Im Interview: FASHION GUIDE Magazin- Herausgeberin Agnes Jacobi

Frankfurt am Main ist die Stadt der Banken, der Buchmesse und der Hochhäuser — aber eine Modestadt? Genau diese Lücke zwischen Selbstbild und Modepotenzial hat Agnes Jacobi 2013 erkannt und mit dem FASHION GUIDE Magazin ein Printprodukt geschaffen, das viermal im Jahr versucht, das zu beweisen, was Mailand, Paris und Berlin längst für sich beanspruchen: dass auch Frankfurt eine eigene Modesprache hat. Wir haben mit der Herausgeberin gesprochen — über spontane Gründungsideen, redaktionelle Realität in einer Stadt, die kein Modemekka sein will, und über die Frage, warum regionaler Fashion-Journalismus heute relevanter ist als globale Trendberichte. Wer sich für die deutsche Magazinlandschaft interessiert, findet auch in unserer Modemarken-Übersicht von A bis Z spannende Querverbindungen.

Frankfurt als Modestadt — ein Underdog-Projekt mit Substanz

Wer Frankfurt mit Mode in Verbindung bringt, denkt zuerst an die Goethestraße, die teuerste Einkaufsmeile Deutschlands nach der Münchner Maximilianstraße. Boutiquen von Gucci, Prada und Dior reihen sich aneinander, und doch fehlte der Stadt lange ein eigenes redaktionelles Sprachrohr für Mode. Genau hier setzt FASHION GUIDE an: nicht als Kopie der internationalen Hochglanztitel, sondern als regionales Sprachrohr mit Anspruch.

Agnes Jacobi gehört zu jenen Gründerinnen, die Mode nicht aus der Distanz betrachten, sondern als Teil eines lokalen Lebensgefühls verstehen. Ihre These — und sie wird im Interview deutlich — lautet: Frankfurt hat die Kaufkraft, die Internationalität und die Designer-Szene, um als Modestadt wahrgenommen zu werden. Was fehlte, war Sichtbarkeit. Mit einer Auflage, die sich an gehobene Endverbraucher und die Branche selbst richtet, schließt das Magazin eine Lücke, die sonst von Stadtmagazinen oder überregionalen Titeln nur halbherzig bedient wurde.

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Vom Bauchgefühl zum Verlagshaus — die Gründungsgeschichte

Wer ein eigenes Magazin gründet, braucht entweder viel Kapital oder viel Mut. Agnes Jacobi hat sich für Letzteres entschieden. Was als spontane Idee begann, ist heute ein etabliertes Quartalsmagazin mit einem festen Redaktionsteam, eigenen Fotoproduktionen und einem Netzwerk aus Designern, Stylisten und PR-Agenturen. Dieser Werdegang ist typisch für die deutsche Magazinlandschaft der 2010er Jahre: kleine, hochwertig produzierte Print-Titel mit klarer regionaler oder thematischer Nische überleben dort, wo große Generalisten Auflage verlieren.

Inspiration, sagt Jacobi im Interview, hole sie sich aus drei Quellen: aus Begegnungen mit Menschen, vom Reisen und von Events. Das klingt unspektakulär — ist aber genau die Mischung, die einen redaktionellen Unterschied macht. Wer nur Pressemitteilungen verarbeitet, produziert austauschbaren Content. Wer hingegen auf der Mailänder Fashion Week mit Einkäuferinnen spricht und das Gehörte mit der Realität in Frankfurter Boutiquen abgleicht, schreibt anders. Genau dieser doppelte Blick — international informiert, regional verankert — ist das redaktionelle Versprechen von FASHION GUIDE.

Was Print heute leisten muss — und was Online nicht kann

Die Frage, warum überhaupt noch Printmagazine gegründet werden, beantwortet Jacobi indirekt: durch Haptik, durch Verweildauer, durch Wertigkeit. Eine Studie der VDZ aus dem Jahr 2022 zeigt, dass Leserinnen ein Modemagazin durchschnittlich 47 Minuten in die Hand nehmen — eine Zeitspanne, die kein Instagram-Feed der Welt erreicht. Genau diese Aufmerksamkeit ist die Währung, mit der Marken wie Dolce & Gabbana oder Donna Karan ihre Kampagnen platzieren wollen.

„Mode ist für mich keine Saison, sondern eine Haltung. Frankfurt hat seine eigene Haltung — und die wollten wir sichtbar machen.“ — Agnes Jacobi, Herausgeberin FASHION GUIDE

Diese Haltung zeigt sich auch in der redaktionellen Auswahl. Während internationale Glossies austauschbar zwischen Paris, New York und Mailand pendeln, setzt FASHION GUIDE bewusst auf Frankfurter Designer, lokale Showrooms und Geschichten, die nur jemand erzählen kann, der die Stadt kennt. Wer mehr über die internationale Dimension lesen möchte, findet bei uns übrigens auch einen ausführlichen Guide zu New Yorker Mode und Shopping.

Das Magazin im Vergleich — wo FASHION GUIDE steht

Magazin Erscheinung Fokus Reichweite
FASHION GUIDE 4× jährlich Frankfurt + International Regional / Branche
Vogue Deutschland 10× jährlich International / Luxus National
ELLE Deutschland 12× jährlich International / Lifestyle National
Stadtmagazine FFM Monatlich Lifestyle generell Regional

Diese Positionierung ist klüger, als sie zunächst klingt. FASHION GUIDE konkurriert nicht mit Vogue oder ELLE — sondern besetzt eine Nische, in der nationale Titel zu unkonkret und regionale Stadtmagazine zu modefremd sind. Das ist exakt der Spalt, in dem ein Quartalsmagazin überleben kann.

Stilberatung à la Jacobi — was wir aus dem Interview lernen

Im Gespräch verrät Agnes Jacobi auch persönliche Modetipps, und die unterscheiden sich angenehm vom üblichen Magazin-Smalltalk. Statt der ewigen „Investiere in eine gute weiße Bluse“-Phrase betont sie die Bedeutung individueller Passform und die Regel, dass ein gutes Stück lieber teurer und langlebiger sein darf als drei billige Alternativen. Eine Haltung, die in Zeiten von Fast Fashion fast revolutionär wirkt — und die wir, wie wir im Artikel zu Jeansmarken im Vergleich zeigen, in der Praxis vielfach bestätigen können.

Auffällig ist auch ihr Hinweis auf Accessoires als entscheidenden Stilmacher. Eine gute Tasche, ein Paar High Heels mit roter Sohle oder ein markantes Schmuckstück können ein einfaches Outfit transformieren. Diese Lehre ist kein Marketing-Trick, sondern empirisch belegt: Stylisten arbeiten seit Jahrzehnten nach dem Prinzip „70 Prozent Basics, 30 Prozent Statement“.

Frankfurt, Mode und die Zukunft des Print-Journalismus

Die Frage, wie sich ein regionales Modemagazin in den kommenden Jahren behauptet, lässt sich nicht abschließend beantworten — aber sie lässt sich gut beobachten. FASHION GUIDE setzt auf die Kombination aus Print, Online-Präsenz und Eventformaten. Modeschauen, Kooperationen mit Boutiquen und exklusive Leserabende sind feste Bestandteile des Konzepts. Damit folgt das Magazin einem internationalen Trend: Print wird zur Marke, die sich über mehrere Kanäle erlebbar macht.

Im Gespräch wird auch deutlich, wie wichtig die Talentförderung ist. Junge Designer, die in Frankfurt studieren oder produzieren, finden im Magazin eine Plattform, die ihnen weder eine reine Werbefläche noch eine austauschbare Erwähnung in einem Stadtmagazin bietet. Diese kuratorische Arbeit ist redaktionell aufwändig — und sie ist der Grund, warum Leserinnen bleiben. Wer sich für den Einstieg in die Modebranche interessiert, findet bei uns Tipps zum Model werden und konkrete Hinweise zur Modelbewerbung.

Was Leser von FASHION GUIDE erwarten dürfen

  • Vier Ausgaben pro Jahr mit saisonalen Schwerpunkten (Frühjahr/Sommer, Herbst/Winter, Sonderausgaben)
  • Reportagen über Frankfurter Boutiquen, Designer und Showrooms
  • Internationale Trendberichte mit regionaler Einordnung
  • Beauty- und Lifestyle-Themen mit redaktionellem Anspruch
  • Interviews mit Branchengrößen und lokalen Persönlichkeiten
  • Hochwertige Fotoproduktionen mit eigenen Models und Stylisten

Was das Magazin von vielen anderen unterscheidet: Es behandelt Mode