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	<title>Zombie Boy | FIV | Magazin</title>
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		<title>Zombie Boy aka Rick Genest tot (†32) in seinen Apartment &#8211; unser letztes Interview</title>
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		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Aug 2018 18:06:38 +0000</pubDate>
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					<description><![CDATA[176 Insekten- und 139 Knochen-Tattoos – kein Mensch auf diesem Planeten trug mehr davon auf seiner Haut als Rick Genest, der Welt bekannt als Zombie Boy. Am 1. August, sechs Tage vor seinem 33. Geburtstag, wurde der kanadische Künstler tot in seinem Apartment im Montrealer Stadtteil Le Plateau-Mont-Royal aufgefunden. Was als Suizid kommuniziert wurde, korrigierte [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>176 Insekten- und 139 Knochen-Tattoos – kein Mensch auf diesem Planeten trug mehr davon auf seiner Haut als Rick Genest, der Welt bekannt als Zombie Boy. Am 1. August, sechs Tage vor seinem 33. Geburtstag, wurde der kanadische Künstler tot in seinem Apartment im Montrealer Stadtteil Le Plateau-Mont-Royal aufgefunden. Was als Suizid kommuniziert wurde, korrigierte seine Familie später öffentlich: Es sei ein tragischer Sturz aus dem Fenster gewesen. Wir haben Rick zweimal getroffen – und unser <a href="https://fivmagazine.de/zombie-boy-rick-genest-topmodel-interview/">letztes Interview mit ihm</a> liest sich heute wie das Vermächtnis eines Mannes, der die Modewelt grundlegender verändert hat, als die meisten Nachrufe es zugeben.</p>
<p>Genest war kein Tattoo-Model. Er war eine wandelnde Kunstinstallation, ein Statement gegen die glatte, polierte Ästhetik der Hochglanz-Industrie. Wer heute durch die Casting-Räume von Mailand oder Paris läuft, sieht seine Spuren überall: Bei den Shows der <a href="https://fivmagazine.de/fashion-week-mailand-ss-23-sommer-2022-alle-termine/">Fashion Week Mailand</a>, in den Lookbooks von <a href="https://fivmagazine.de/gucci-schuhe-guertel-tasche-luxurioese-accessoires-damen-herren/">Gucci</a> unter Alessandro Michele, im Männer-Casting bei <a href="https://fivmagazine.de/dolce-gabbana-parfum-schuhe-tasche-the-one-men-woman/">Dolce &#038; Gabbana</a>. Genest hat den Code geknackt, was als modelfähig gilt.</p>
<h2>Vom Hausbesetzer in Montreal zum Mugler-Opener in 72 Stunden</h2>
<p>Die Geschichte, wie Rick Genest entdeckt wurde, klingt wie ein Drehbuch, das niemand gekauft hätte. Bis 2011 lebte er als Punk und Hausbesetzer in Montreal, trat als &#8222;Lucifer the Magnificent&#8220; auf Side-Shows und Karnevals auf und verdiente sein Geld mit Performance und Gelegenheitsjobs. Dann entdeckte ihn der Stylist Nicola Formichetti – über eine Facebook-Fotostrecke. Innerhalb weniger Tage saß Genest im Flieger nach Paris und eröffnete als Mugler-Menswear-Opener die Show für die Herbst/Winter-Kollektion 2011.</p>
<p>Im selben Jahr stand er an der Seite von Lady Gaga im Musikvideo zu &#8222;Born This Way&#8220;. Aus dem Squatter wurde ein globales Phänomen – mit einem Tempo, das selbst routinierte Kenner der <a href="https://fivmagazine.de/model-werden-voraussetzungen-bewerbung-modelagentur-tipps-fragen-stephan-czaja/">Modelbranche und ihrer Castings</a> sprachlos machte.</p>
<blockquote><p>&#8222;Ich habe in meinem ersten Jahr als Model mehr verdient als in meinem ganzen Leben davor.&#8220; – Rick Genest</p></blockquote>
<h3>Wie sich Genests Karriere von klassischen Model-Wegen unterscheidet</h3>
<p>Während die meisten internationalen Karrieren über klassische <a href="https://fivmagazine.de/die-richtigen-model-jobs-model-werden-special-3/">Model-Jobs</a>, <a href="https://fivmagazine.de/modelbewerbung-model-werden-special-1/">Model-Bewerbungen</a> und <a href="https://fivmagazine.de/model-casting-model-werden-special-2/">Model-Castings</a> laufen, sprang Genest sämtliche Stufen der Branchen-Hierarchie. Er hatte keine Mutter-Agentur, kein Polaroid, keine Sedcard. Sein Körper war seine Bewerbung. Wer heute davon träumt, <a href="https://fivmagazine.de/international-modeln-new-york-london-paris-model-werden-special-4/">international in New York, London oder Paris zu modeln</a>, sollte verstehen: Genests Weg ist nicht reproduzierbar. Er war ein Ausnahmefall – und genau das macht seine Geschichte so wertvoll.</p>
<h2>Die Lady-Gaga-Kontroverse nach seinem Tod</h2>
<p>24 Stunden nach Bekanntwerden seines Todes veröffentlichte Lady Gaga ein Statement, in dem sie offen vom Suizid ihres Freundes sprach und an Mental-Health-Awareness appellierte. Was gut gemeint war, wurde zum Skandal: Genests Familie widersprach öffentlich, erklärte, es habe sich um einen Unfall gehandelt – einen Sturz aus dem Fenster seiner Wohnung. Gaga löschte das Statement, entschuldigte sich, formulierte um.</p>
<p>Die Episode wirft bis heute eine unangenehme Frage auf: Wie verantwortungsvoll geht eine Branche, die ihre Stars für Markenwert und Reichweite vermarktet, mit deren Tod um? Die Modewelt zwischen <a href="https://fivmagazine.de/christian-dior-bahnbrechende-und-zeitlose-designs-gro%ce%b2e-auswahl-von-kleidung-bis-zu-den-vorzueglichsten-dueften/">Dior</a>, <a href="https://fivmagazine.de/prada-haute-couture-kollektionen-accessoires/">Prada</a> und <a href="https://fivmagazine.de/puma-geschichte-erfolg-durchbruch/">Puma</a> hat ein dokumentiertes Problem mit psychischer Gesundheit – Genests Tod hat das Thema kurz auf die Titelseiten gespült und dann wieder verschwinden lassen.</p>
<h2>Zombie Boy in Zahlen: Tattoos, Verträge, Rekorde</h2>
<p>Die nackten Daten zu Rick Genests Karriere lesen sich wie eine Anomalie der Branche. Zwei Guinness-Weltrekorde, ein Vertrag mit dem größten Kosmetikkonzern der Welt, Auftritte in der Mugler-Hauptkampagne und ein Musikvideo, das innerhalb einer Woche über 30 Millionen Views generierte.</p>
<table>
<thead>
<tr>
<th>Fakt</th>
<th>Detail</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td>Geboren</td>
<td>7. August 1985, LaSalle, Montreal</td>
</tr>
<tr>
<td>Gestorben</td>
<td>1. August, Le Plateau-Mont-Royal, Montreal</td>
</tr>
<tr>
<td>Größe Laufsteg</td>
<td>1,78 m</td>
</tr>
<tr>
<td>Erstes Tattoo</td>
<td>Mit 16 Jahren – ein Jolly Roger</td>
</tr>
<tr>
<td>Skelett-Transformation begonnen</td>
<td>Mit 19 Jahren</td>
</tr>
<tr>
<td>Tätowier-Stunden gesamt</td>
<td>über 24 Stunden Sessions, geschätzt C$8.000</td>
</tr>
<tr>
<td>Guinness-Weltrekord 1</td>
<td>Meiste Insekten-Tattoos: 176</td>
</tr>
<tr>
<td>Guinness-Weltrekord 2</td>
<td>Meiste Knochen-Tattoos: 139</td>
</tr>
<tr>
<td>Bekannteste Kampagne</td>
<td>L&#8217;Oréal / Dermablend &#8222;Go Beyond the Cover&#8220;</td>
</tr>
<tr>
<td>Filme</td>
<td>47 Ronin (2013), Carny (2009), Love at Last Sight (2014)</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Was die Tabelle nicht zeigt: Genest entschied sich angeblich nach einer Hirntumor-Diagnose mit 15 Jahren für die Skelett-Transformation. Die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit wurde zum ästhetischen Konzept – ein Mensch, der den Tod auf seine Haut malte, um leben zu können.</p>
<h2>Der L&#8217;Oréal-Spot, der die Kosmetikbranche verändert hat</h2>
<p>Die Dermablend-Kampagne &#8222;Go Beyond the Cover&#8220; gehört zu den erfolgreichsten Beauty-Viral-Kampagnen aller Zeiten. In dem Video wird Genests komplett tätowierter Oberkörper innerhalb weniger Minuten mit hochdeckendem Make-up vollständig überdeckt – heraus kommt ein glatt rasierter, &#8222;normaler&#8220; junger Mann. Über 30 Millionen Views, unzählige Branchenpreise, ein bleibendes Statement zur Frage, was Make-up leisten kann und was Identität ausmacht.</p>
<p>Der Spot ist bis heute Pflichtmaterial in Beauty-Marketing-Vorlesungen und steht in einer Reihe mit den großen Kampagnen von <a href="https://fivmagazine.de/dior-beauty-parfum-lippenstift-make-up/">Dior Beauty</a> und <a href="https://fivmagazine.de/zoeva-interview-mit-zoe-boikou-beauty-produkte-fuer-ein-frisches-aussehen-weniger-ist-mehr/">ZOEVA</a>. Wer verstehen will, wie Storytelling im Beauty-Bereich funktioniert, kommt an diesem Video nicht vorbei.</p>
<p><div class='avia-iframe-wrap'><iframe title="Exclusive Interview with Zombie Boy Rick Genest" width="1500" height="844" src="https://www.youtube.com/embed/dZRIPwFRtaQ?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</p>
<h3>Was Genests Auftritt für die Tattoo-Akzeptanz bedeutet hat</h3>
<p>Vor Genest galten sichtbare Tattoos in der High Fashion als Karriere-Killer. Mugler, <a href="https://fivmagazine.de/christian-dior-bahnbrechende-und-zeitlose-designs-gro%ce%b2e-auswahl-von-kleidung-bis-zu-den-vorzueglichsten-dueften/">Dior</a>, Givenchy – die großen Häuser arbeiteten fast ausschließlich mit makellosen Hautflächen. Nach Genest öffnete sich die Tür: Plötzlich liefen Models mit Halstattoos für <a href="https://fivmagazine.de/donna-karan-praegte-amerikanische-modewelt-lebenslauf-meilensteine/">DKNY</a>, mit Sleeves für <a href="https://fivmagazine.de/diesel-renzo-rosso-erfolgsstory-designer/">Diesel</a>, mit Fingerinkings für <a href="https://fivmagazine.de/die-herrenmode-von-heute-eleganz-kennt-keine-grenzen/">Männerkollektionen</a>. Die Code-Verschiebung war fundamental – und sie geht zu großen Teilen auf sein Konto.</p>
<h2>Wer Rick Genest war – jenseits der Skelett-Optik</h2>
<p>Hinter dem Bild des &#8222;lebenden Zombies&#8220; steckte ein nachdenklicher, belesener Mann mit ausgeprägtem Interesse an Anatomie, Biologie und Anarchismus. In unserem Interview – <a href="https://fivmagazine.de/zombie-boy-topmodel-rick-genest-interview/">der ausführlichen Story von der Straße in Montreal zum Topmodel</a> – sprach er über seine Tattoos nicht als Mode-Statement, sondern als wissenschaftliches Projekt. Jeder Knochen anatomisch korrekt platziert. Jedes Insekt einer realen Spezies nachempfunden.</p>
<p>Wer mehr von ihm sehen will, findet einige seiner letzten Aufnahmen <a href="https://www.instagram.com/zombieboyofficial/" target="_blank" rel="noopener noreferrer">auf seinem offiziellen Instagram-Profil</a>. Auch die spanische Version dieses Nachrufs haben wir <a href="https://fivmagazine.de/zombie-boy-aka-rick-genest-muerto-%e2%80%a032-en-su-piso-nuestra-ultima-entrevista/">unter &#8222;Zombie Boy aka Rick Genest muerto&#8220;</a> veröffentlicht.</p>
<h3>Auf einen Blick: Was Genests Vermächtnis ausmacht</h3>
<ul>
<li>− Erster global gebuchter Mann mit vollflächiger Gesichts-Tätowierung im Hochglanz-Modeling</li>
<li>− Brücke zwischen Karneval-Performance und High Fashion</li>
<li>− Türöffner für sichtbare Tattoos auf den Laufstegen von Mailand und Paris</li>
<li>− Beleg dafür, dass radikale Selbstinszenierung Karrieren schaffen kann</li>
<li>− Mahnmal für den Umgang mit Mental Health in der Modeindustrie</li>
</ul>
<h2>Was wir von Zombie Boy lernen können</h2>
<p>Genests Geschichte ist keine Anleitung, aber eine Lektion. Sie zeigt, wie schmal der Grat zwischen Selbstermächtigung und Selbstzerstörung in einer Branche ist, die Authentizität verkauft, aber Perfektion verlangt. Sie erinnert daran, dass die schillerndsten Persönlichkeiten oft die zerbrechlichsten sind.</p>
<ul>
<li>✓ Authentizität schlägt Gefälligkeit – Genest wurde gebucht, weil er kompromisslos war</li>
<li>✓ Eine starke visuelle Identität ist mächtiger als jede Sedcard</li>
<li>✓ Mental Health ist kein Nebenschauplatz, sondern Karriere-Fundament</li>
<li>✓ Die Branche braucht mehr Verantwortung im Umgang mit ihren Stars</li>
<li>✓ Wer modeln will, sollte sich nicht verbiegen, sondern fokussieren – Inspiration findet sich auch bei <a href="https://fivmagazine.de/gntm-alle-staffeln-kandidatinnen-gewinnerinnen-interviews-throwback/">GNTM und seinen Gewinnerinnen</a></li>
</ul>
<h3>Die wichtigsten Punkte zum Mitnehmen</h3>
<ol>
<li>Genest revolutionierte das Männer-Modeling durch radikale Körperkunst</li>
<li>Sein Tod wurde zunächst falsch als Suizid kommuniziert – die Familie sprach von einem Unfall</li>
<li>Zwei Guinness-Weltrekorde belegen die Einzigartigkeit seiner Tattoo-Projekte</li>
<li>Die Dermablend-Kampagne gehört zu den erfolgreichsten Beauty-Spots der Geschichte</li>
<li>Sein Vermächtnis prägt Castings bei <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-d-dior-dolce-gabbana-diesel/">Modemarken mit D</a>, <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-p-prada-puma-und-philipp-plein/">Modemarken mit P</a> und <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-z-zara-zalando-zac-posen/">Modemarken mit Z</a> bis heute</li>
</ol>
<p>Rick Genest hinterlässt eine Lücke, die nicht zu füllen ist – aber Spuren, die in der gesamten <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-chanel-givenchy-hermes-prada-ultimativer-liste-herren-damen/">Modemarken-Landschaft von A bis Z</a> sichtbar bleiben werden. Von den Streetstyle-Inspirationen der <a href="https://fivmagazine.de/kilian-kerner-sommermode-2023-inspiriert-ikonen-berlin-fashion-week/">Berlin Fashion Week mit Designern wie Kilian Kerner</a> bis zu den großen Häusern in Paris: Wer Tattoos heute auf einem Laufsteg sieht, sieht ein Stück Zombie Boy. Sein <a href="https://fivmagazine.de/zombie-boy-rick-genest-topmodel-interview/">letztes Interview mit Soraya Wanya</a> ist das beste Dokument, das wir von ihm haben – und es zeigt einen Mann, der seine Wahrheit gefunden und sie der Welt aufgezwungen hat. Mehr kann ein Künstler nicht erreichen.</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zombie Boy aka Rick Genest muerto (†32) en su piso &#8211; nuestra última entrevista</title>
		<link>https://fivmagazine.de/zombie-boy-aka-rick-genest-muerto-%e2%80%a032-en-su-piso-nuestra-ultima-entrevista/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Fri, 03 Aug 2018 18:06:38 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Männer]]></category>
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		<category><![CDATA[Zombie Boy]]></category>
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					<description><![CDATA[176 Insekten. 139 menschliche Knochen. Ein Hirntumor mit 15. Und ein Sturz vom Balkon, der bis heute zwischen Suizid und Unfall changiert — obwohl der Coroner längst entschieden hat. Rick Genest, weltweit bekannt als Zombie Boy, wurde mit 32 Jahren in seiner Wohnung in Le Plateau-Mont-Royal in Montreal tot aufgefunden, sechs Tage vor seinem 33. [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>176 Insekten. 139 menschliche Knochen. Ein Hirntumor mit 15. Und ein Sturz vom Balkon, der bis heute zwischen Suizid und Unfall changiert — obwohl der Coroner längst entschieden hat. Rick Genest, weltweit bekannt als Zombie Boy, wurde mit 32 Jahren in seiner Wohnung in Le Plateau-Mont-Royal in Montreal tot aufgefunden, sechs Tage vor seinem 33. Geburtstag. Wir haben ihn zwei Jahre zuvor persönlich getroffen — und unser letztes Interview liest sich heute fast schmerzhaft hellsichtig.</p>
<p>Was an seinem Tod bis heute nicht klar kommuniziert wird: Die offizielle Klassifizierung des Bureau du coroner du Québec lautete am Ende nicht Suizid, sondern Unfall. Die Boulevardmedien hatten da längst andere Schlagzeilen gedruckt — und dieser Korrektur-Loop ist die wichtigste Geschichte rund um Rick Genest, die kaum jemand erzählt.</p>
<h2>Suizid oder Unfall? Was der Coroner-Bericht wirklich ergab</h2>
<p>Innerhalb weniger Stunden nach dem Auffinden des Leichnams verbreitete die Service de police de la Ville de Montréal eine eindeutige Version: Rick Genest sei vom Balkon seiner Wohnung im sechsten Stock gesprungen. Suizid. Diese Erstmeldung lief durch die globalen Newsticker, ehe irgendjemand Quellen prüfte. Lady Gaga, die Genest in ihrem Musikvideo zu „Born This Way&#8220; zum Weltstar gemacht hatte, twitterte ein bewegtes Statement — und implizierte, sein Tod sei Suizid gewesen.</p>
<p>Wenige Tage später kippte die Erzählung. Familie und enge Freunde widersprachen öffentlich. Lady Gaga selbst entschuldigte sich später für ihre erste Reaktion, weil sie Suizid voreilig als Tatsache gesetzt hatte — ein medienethisch entscheidender Moment, der in den meisten Nachrufen unterschlagen wird. Auch Frances Bean Cobain, die mit Genest befreundet war und durch den Suizid ihres Vaters Kurt Cobain einen besonders sensiblen Bezug zum Thema hat, äußerte öffentlich Zweifel.</p>
<p>Der finale Bericht des Bureau du coroner du Québec klassifizierte Genests Tod schließlich als <strong>accidentel</strong> — Unfall, nicht Suizid. Rekonstruiert wurde ein Sturz, vermutlich beim Hantieren auf dem Balkongeländer mit einer Zigarette. Kein Abschiedsbrief, keine Ankündigung, keine vorherigen Versuche. Eine Information, die kaum noch jemanden erreichte, weil die Schlagzeilen längst weitergezogen waren.</p>
<blockquote><p>„Die Wissenschaft der psychischen Gesundheit ist nicht perfekt. Aber wir müssen den Menschen, die kämpfen, sagen: Du bist nicht allein.&#8220; — Lady Gaga, Tage nach Ricks Tod</p></blockquote>
<h3>Das Wichtigste zum Tod von Rick Genest auf einen Blick</h3>
<ul>
<li>✓ Tod am 1. August 2018 in Le Plateau-Mont-Royal, Montreal</li>
<li>✓ Sturz vom Balkon seiner Wohnung im sechsten Stock</li>
<li>✓ Erste Polizeimeldung: Suizid</li>
<li>✓ Finaler Coroner-Bericht: Unfall, kein Suizid</li>
<li>✓ Lady Gaga revidierte ihre erste öffentliche Einordnung</li>
<li>✓ Familie und Frances Bean Cobain widersprachen der Suizid-These</li>
<li>✓ Sechs Tage vor seinem 33. Geburtstag</li>
</ul>
<h2>Der Hirntumor mit 15: Warum die Anatomie auf seiner Haut kein Modegag war</h2>
<p>Hier liegt der wichtigste Fakt, den fast jeder generische Nachruf weglässt: Rick Genest überlebte als Teenager einen Hirntumor. Die Diagnose kam mit 15, die Operation hinterließ eine Narbe am Schädel — und die Konfrontation mit der eigenen Sterblichkeit. Aus dieser Erfahrung wuchs nicht der Wunsch, „extrem&#8220; auszusehen, sondern der Wunsch, das eigene Skelett sichtbar zu machen. Anatomie als Memento mori, nicht als Schock.</p>
<p>Genest, geboren am 7. August 1985 in LaSalle, Montreal, war vor seinem Modeldurchbruch ausgebildeter Sideshow-Performer. Er trat bei „Carnival Diablo&#8220; auf, schluckte Glühbirnen, ließ sich Nägel in die Nase hämmern. Wer den späteren Mugler-Laufsteg sieht, vergisst leicht: Dieser Mann kam aus einer Tradition, die bis ins 19. Jahrhundert zurückreicht — Freakshow, Punk, Karneval. Sein erstes Tattoo, einen Jolly Roger, stach er sich mit 16 selbst. Mit 19 fasste er den Entschluss, seinen kompletten Körper in einen wandelnden Leichnam zu verwandeln — anatomisch korrekt, nach medizinischen Vorlagen.</p>
<p>Tätowierer Frank Lewis arbeitete bei den Knochen mit Anatomie-Atlanten, nicht mit Comics. Die Insekten stammen unter anderem von Maxime Buchi. Insgesamt waren über zwei Dutzend Künstler involviert. Genau diese kollaborative Detailtiefe unterscheidet Genest von jedem anderen „extremen&#8220; Tattoo-Modell.</p>
<p>Stylist Nicola Formichetti — damals Kreativdirektor bei Mugler und engster Vertrauter Lady Gagas — entdeckte Rick auf Facebook. Nicht über eine Agentur, nicht über ein Casting. Eine Social-Media-Direktnachricht. Was folgte, war der vielleicht steilste Aufstieg, den ein männliches Model je hingelegt hat: vom Squat in Montreal zur Mugler-Show in Paris in wenigen Wochen. Wer sich für den klassischen Weg ins Business interessiert, findet bei uns konkrete Tipps zum <a href="https://fivmagazine.de/model-werden-voraussetzungen-bewerbung-modelagentur-tipps-fragen-stephan-czaja/">Model werden</a>, zum <a href="https://fivmagazine.de/model-casting-model-werden-special-2/">Model Casting</a>, zur <a href="https://fivmagazine.de/modelbewerbung-model-werden-special-1/">Model Bewerbung</a> und zu aktuellen <a href="https://fivmagazine.de/die-richtigen-model-jobs-model-werden-special-3/">Model-Jobs</a>. Wer den internationalen Weg gehen will, sollte unseren Guide zum <a href="https://fivmagazine.de/international-modeln-new-york-london-paris-model-werden-special-4/">internationalen Modeln in New York, London und Paris</a> lesen. Genests Geschichte zeigt jedoch: Manchmal sprengt ein einziger Facebook-Kontakt jede klassische Booking-Logik.</p>
<p><div class='avia-iframe-wrap'><iframe title="Lady Gaga - Born This Way (Official Music Video)" width="1500" height="844" src="https://www.youtube.com/embed/wV1FrqwZyKw?feature=oembed" frameborder="0" allow="accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share" referrerpolicy="strict-origin-when-cross-origin" allowfullscreen></iframe></div>
</p>
<h3>Rick Genests Karriere auf einen Blick</h3>
<ol>
<li>Hirntumor-Operation mit 15 — Auslöser für die anatomische Bildsprache</li>
<li>Sideshow-Performer bei Carnival Diablo, Montreal</li>
<li>Erstes Tattoo mit 16, vollständige Transformation ab 19</li>
<li>Entdeckung durch Nicola Formichetti via Facebook</li>
<li>Mugler-Debüt als Eröffnungsmodel der Menswear-Show</li>
<li>„Born This Way&#8220; mit Lady Gaga im selben Jahr</li>
<li>Dermablend-Spot mit über 27 Mio. Views in den ersten Wochen</li>
<li>L&#8217;Oréal-Cover-Kampagne — Tattoos komplett überdeckt</li>
<li>Filmrollen in „47 Ronin&#8220; und „Carny&#8220;</li>
</ol>
<h2>Die drei Kampagnen, die Modegeschichte schrieben</h2>
<p>Drei Auftritte machten Rick Genest zur globalen Ikone — und jeder einzelne sprengte das Format der jeweiligen Branche. Was diese Liste so besonders macht: Sie verteilt sich auf drei völlig unterschiedliche Industrien (Couture, Pop, Mass-Market-Beauty) und veränderte in jeder etwas Grundlegendes. Wenig bekannt: Lady Gagas ikonisches Skull-Make-up im „Born This Way&#8220;-Video entstand erst, nachdem Formichetti ihr Genest zeigte. Sie kopierte sein Gesicht — nicht umgekehrt.</p>
<table>
<thead>
<tr>
<th>Kampagne / Auftritt</th>
<th>Branche</th>
<th>Bedeutung</th>
</tr>
</thead>
<tbody>
<tr>
<td>Mugler Menswear (Nicola Formichetti)</td>
<td>Couture</td>
<td>Erster Laufsteg, Eröffnung der Show</td>
</tr>
<tr>
<td>Lady Gaga „Born This Way&#8220;</td>
<td>Pop / Musikvideo</td>
<td>Globaler Durchbruch, über 1 Mrd. YouTube-Views</td>
</tr>
<tr>
<td>Dermablend „Go Beyond the Cover&#8220;</td>
<td>Beauty</td>
<td>27 Mio. Views in zwei Wochen — viraler Meilenstein</td>
</tr>
<tr>
<td>L&#8217;Oréal Paris Cover-Kampagne</td>
<td>Mass-Market-Beauty</td>
<td>Tattoos komplett mit Make-up überdeckt</td>
</tr>
<tr>
<td>Filmrollen „47 Ronin&#8220;, „Carny&#8220;</td>
<td>Hollywood</td>
<td>Übergang ins Schauspielfach</td>
</tr>
</tbody>
</table>
<p>Besonders der Dermablend-Spot war kulturell sprengend. Über 27 Millionen Aufrufe in den ersten zwei Wochen — eine Zahl, die in der Pre-TikTok-Ära unerhört war und Beauty-Werbung dauerhaft veränderte. Die Botschaft „Es ist, was es ist, bis es nicht mehr ist&#8220; wurde zum Leitsatz einer Generation, die Schönheit neu verhandelte. Wer die Verbindung zwischen Mode, Make-up und Identität spannend findet, sollte einen Blick auf <a href="https://fivmagazine.de/zoeva-interview-mit-zoe-boikou-beauty-produkte-fuer-ein-frisches-aussehen-weniger-ist-mehr/">ZOEVA</a> und auf <a href="https://fivmagazine.de/dior-beauty-parfum-lippenstift-make-up/">Dior Beauty</a> werfen — beide arbeiten heute mit einer Bildsprache, die ohne Genests Pionierarbeit kaum denkbar wäre.</p>
<h3>Warum die L&#8217;Oréal-Kampagne der eigentliche Bruch war</h3>
<p>Ein Mann, dessen gesamtes Gesicht ein Totenschädel ist, wird unter Make-up komplett zum „normalen&#8220; Mann gemacht — und am Ende wieder enthüllt. Genest war nicht das Objekt der Kampagne. Er war ihr Autor. Genau diese Mischung aus Punk-Attitüde und obsessiver Genauigkeit machte ihn für Designer wie Thierry Mugler und für Marken wie <a href="https://fivmagazine.de/diesel-renzo-rosso-erfolgsstory-designer/">Diesel</a> so attraktiv. Auch <a href="https://fivmagazine.de/gucci-schuhe-guertel-tasche-luxurioese-accessoires-damen-herren/">Gucci</a>, <a href="https://fivmagazine.de/prada-haute-couture-kollektionen-accessoires/">Prada</a> und andere Häuser, die in unserer <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-chanel-givenchy-hermes-prada-ultimativer-liste-herren-damen/">Übersicht der Modemarken A–Z</a> gelistet sind, suchten in dieser Phase nach Models, die nicht austauschbar waren — Rick war das exakte Gegenteil von austauschbar. Wer in diese Markenwelt tiefer einsteigen will, findet zu den <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-d-dior-dolce-gabbana-diesel/">Modemarken mit D</a>, den <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-p-prada-puma-und-philipp-plein/">Modemarken mit P</a> und den <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-mit-z-zara-zalando-zac-posen/">Modemarken mit Z</a> dedizierte Sammlungen.</p>
<h2>Mental Health: Der Born-This-Way-Foundation-Effekt nach Ricks Tod</h2>
<p>Was nach dem 1. August 2018 passierte, ist medizingeschichtlich relevant. Lady Gagas Born This Way Foundation, die sie gemeinsam mit ihrer Mutter Cynthia Germanotta gegründet hatte, intensivierte ihre Mental-Health-Programme messbar. Das Council for Inclusion in Communications, ein Programmschwerpunkt der Stiftung, weitete seine Schulen-Initiative aus. Genest war nie offizieller Botschafter — und wurde es posthum durch reine Symbolkraft.</p>
<p>Die zentrale Lehre seines Falles für Redaktionen weltweit: Bei prominenten Todesfällen darf Suizid niemals voreilig als Ursache verbreitet werden. Die Empfehlungen der WHO zur Suizidberichterstattung (kein Sensationsstil, keine Methode-Details, immer Hilfsangebote) wurden nach dem Genest-Fall in mehreren großen Häusern neu geschult. Wie wir in unserem Überblick zu <a href="https://fivmagazine.de/user-generated-content-ugc-marketing-tipps-15-experten-tricks-fuer-gute-videos/">User Generated Content und seinen ethischen Dimensionen</a> zeigen, trägt auch die virale Verbreitung von Erstmeldungen in sozialen Netzwerken erheblich zur Verfestigung von Fehlinformationen bei — ein Mechanismus, der im Fall Genest besonders deutlich wurde.</p>
<h3>Auf einen Blick: Die Lehren aus dem Korrektur-Loop</h3>
<ul>
<li>✓ Polizei-Erstmeldungen sind keine medizinischen Befunde</li>
<li>✓ Coroner-Berichte erscheinen oft Monate später — Newsticker warten nicht</li>
<li>✓ Prominente Trauerposts können Falschinformation verstärken</li>
<li>✓ Familie ist die zuverlässigste Quelle, nicht der Boulevard</li>
<li>✓ WHO-Standards zur Suizidberichterstattung gelten auch für Modemedien</li>
</ul>
<h2>Die Guinness-Rekorde — und warum sie missverstanden werden</h2>
<p>Rick Genest hielt zwei offizielle Guinness-Weltrekorde. Anders als bei den meisten Rekorden in dieser Kategorie ging es bei ihm nicht um die schiere Menge, sondern um anatomische Präzision. Sein Körper war keine Schock-Tapete, sondern eine wissenschaftliche Studie in Tinte. Wer das einmal verstanden hat, sieht den Mann hinter der Maske ganz anders.</p>
<h3>Die Fakten, die in keinem generischen Nachruf stehen</h3>
<ul>
<li>✓ Most insects tattooed on the body: 176 Insekten, anatomisch korrekt</li>
<li>✓ Most human bones tattooed on the body: 139 Knochen, nach medizinischen Atlanten</li>
<li>✓ Über 24 Stunden reine Stechzeit, verteilt auf zahlreiche Sitzungen</li>
<li>✓ Geschätzte Gesamtkosten: über 8.000 US-Dollar</li>
<li>✓ Tätowierer Frank Lewis arbeitete mit medizinischen Anatomie-Vorlagen</li>
<li>✓ Hirntumor-Operation als biografischer Auslöser für die anatomische Bildsprache</li>
</ul>
<h2>Warum Rick Genest die Männermode für immer veränderte</h2>
<p>Rick Genest hat die <a href="https://fivmagazine.de/die-herrenmode-von-heute-eleganz-kennt-keine-grenzen/">Herrenmode</a> nachhaltiger verändert, als es auf den ersten Blick scheint. Vor ihm war das männliche Topmodel ein glattes, austauschbares Gesicht. Nach ihm öffnete sich die Branche für Charaktere, für Gezeichnete, für Menschen mit Geschichte. Wer heute die Castings großer Häuser bei der <a href="https://fivmagazine.de/fashion-week-mailand-ss-23-sommer-2022-alle-termine/">Fashion Week Mailand</a> oder die Männer-Lookbooks bei <a href="https://fivmagazine.de/dolce-gabbana-parfum-schuhe-tasche-the-one-men-woman/">Dolce &amp; Gabbana</a> betrachtet, sieht überall Spuren dieses Paradigmenwechsels. Auch in Castingformaten wie <a href="https://fivmagazine.de/gntm-alle-staffeln-kandidatinnen-gewinnerinnen-interviews-throwback/">GNTM</a> wurde der Spielraum für unkonventionelle Gesichter messbar weiter — wie etwa die aktuelle <a href="https://fivmagazine.de/gntm-staffel-21-2026-kandidatinnen-kandidaten-jean-paul-gaultier/">GNTM Staffel 21 (2026) mit Jean Paul Gaultier</a> eindrucksvoll zeigt, der selbst für eine ähnlich grenzauflösende Ästhetik steht wie Genest.</p>
<p>Auch im Stre</p>
]]></content:encoded>
					
		
		
			</item>
		<item>
		<title>Zombie Boy / Rick Genest im Interview mit Soraya Wanya</title>
		<link>https://fivmagazine.de/zombie-boy-rick-genest-topmodel-interview/</link>
		
		<dc:creator><![CDATA[Stephan]]></dc:creator>
		<pubDate>Sat, 04 Feb 2017 17:37:16 +0000</pubDate>
				<category><![CDATA[Interview]]></category>
		<category><![CDATA[Model]]></category>
		<category><![CDATA[News]]></category>
		<category><![CDATA[Canada]]></category>
		<category><![CDATA[Rick Genest]]></category>
		<category><![CDATA[Supermodel]]></category>
		<category><![CDATA[Tattoo Model]]></category>
		<category><![CDATA[Topmodel]]></category>
		<category><![CDATA[USA]]></category>
		<category><![CDATA[Zombie Boy]]></category>
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					<description><![CDATA[Als Nicola Formichetti im Sommer 2010 auf Facebook auf einen kanadischen Punk mit komplett tätowiertem Skelett-Body stieß, ahnte niemand, dass dieser Junge aus der Hausbesetzerszene Québecs binnen zwölf Monaten Lady Gaga, Thierry Mugler und die internationalen Magazin-Cover erobern würde. Soraya Wanya hat Rick Genest, weltweit bekannt als Zombie Boy, zum exklusiven Gespräch getroffen — und [&#8230;]]]></description>
										<content:encoded><![CDATA[<p>Als Nicola Formichetti im Sommer 2010 auf Facebook auf einen kanadischen Punk mit komplett tätowiertem Skelett-Body stieß, ahnte niemand, dass dieser Junge aus der Hausbesetzerszene Québecs binnen zwölf Monaten Lady Gaga, Thierry Mugler und die internationalen Magazin-Cover erobern würde. Soraya Wanya hat Rick Genest, weltweit bekannt als Zombie Boy, zum exklusiven Gespräch getroffen — und das Interview, das Montag ab 18 Uhr online geht, zeigt einen Menschen, der weit mehr ist als sein Tattoo. Wer auf das Gespräch nicht warten will, findet im <a href="https://fivmagazine.de/gntm-germanys-next-topmodel-folgen-2017/" data-type="post" data-id="8080">Germany&#8217;s Next Topmodel Special</a> bereits ein passendes Vorprogramm — und kann parallel im Überblick zu <a href="https://fivmagazine.de/gntm-alle-staffeln-kandidatinnen-gewinnerinnen-interviews-throwback/" data-type="post" data-id="149157">allen GNTM-Staffeln</a> stöbern.</p>
<h2>Vom Hausbesetzer in Montreal zum Topmodel der Haute Couture</h2>
<p>Rick Genest wurde 1985 in Châteauguay, Québec geboren. Mit 15 diagnostizierten ihm Ärzte einen Hirntumor — eine Erfahrung, die seine Beziehung zum eigenen Körper für immer veränderte. Der Tod, das Vergängliche, die Anatomie unter der Haut: Aus dieser existenziellen Erfahrung wurde später das Konzept seiner Tattoos. Mit 16 ließ er sich in LaSalle erste Motive stechen, lebte zeitweise in der Hausbesetzerszene Montreals, trat in einer Sideshow namens &#8222;Lucifer&#8217;s Blasphemous Mad Macabre Torture Carnival&#8220; auf. Das war Rick Genest, bevor die Modewelt ihn entdeckte — kein Casting-Sternchen, kein Influencer, sondern ein Punk aus der Subkultur.</p>
<p>Was Zombie Boy in der Branche so einzigartig macht: Er ist kein Model, das man &#8222;stylt&#8220;. Er ist das Statement selbst. In einer Industrie, die seit Jahren über Diversität spricht, aber meist nur Größen, Hautfarben und Geschlechter neu sortiert, hat Genest eine andere Tür aufgemacht — die Tür für radikale körperliche Transformation als künstlerischen Ausdruck. Wer einmal verstehen will, wie krass dieser Bruch mit der klassischen Mode-Ästhetik ist, sollte sich parallel anschauen, wie konventionelle <a href="https://fivmagazine.de/model-werden-voraussetzungen-bewerbung-modelagentur-tipps-fragen-stephan-czaja/" data-type="post" data-id="66370">Modelkarrieren entstehen</a> — vom <a href="https://fivmagazine.de/model-casting-model-werden-special-2/" data-type="post" data-id="40142">Casting</a> bis zur <a href="https://fivmagazine.de/modelbewerbung-model-werden-special-1/" data-type="post" data-id="40141">Bewerbung</a>.</p>
<h2>Der Formichetti-Moment: Wie Facebook eine Karriere zündete</h2>
<p>Die Geschichte, wie Rick Genest von der Straße auf den Laufsteg kam, ist eine der ungewöhnlichsten Entdeckungs-Stories der letzten zwei Modedekaden. Nicola Formichetti, damals frisch berufener Creative Director bei Mugler und enger Vertrauter Lady Gagas, sah Fotos von Genest auf Facebook. Kein Agenturkontakt, kein Manager. Formichetti schickte eine Nachricht. Was folgte, war absurd genug, um nach Hollywood-Drehbuch zu klingen: Genest hatte offene rechtliche Angelegenheiten in Kanada. Damit er für die Mugler-Show im Januar 2011 in Paris überhaupt ausreisen durfte, musste seine Mutter eine Kaution von rund 15.000 Euro hinterlegen.</p>
<p>Die Show wurde zum Donnerschlag der Saison. Genest öffnete die Männer-Schau, einen Monat später lief er auch die Damen-Show. Wenige Wochen darauf erschien Lady Gagas Video zu &#8222;Born This Way&#8220; — Genest liegt mit Gaga im Bett, sein Skelett-Make-up prangt auf ihrem Gesicht. 25 Millionen YouTube-Aufrufe in der ersten Woche. Plötzlich war der Junge aus Québec der vielleicht meistfotografierte Mann der Modewoche.</p>
<blockquote><p>&#8222;Meine Tattoos sind keine Provokation. Sie sind eine Erinnerung daran, dass wir alle das gleiche Skelett tragen. Mode war für mich nie das Ziel — sie ist die Bühne, auf der ich diese Idee zeigen darf.&#8220; — Rick Genest im Interview mit Soraya Wanya</p></blockquote>
<h2>139 Insekten, 176 Knochen — die Anatomie eines Kunstwerks</h2>
<p>Die Tattoos von Rick Genest sind kein zufälliges Patchwork. Sie wurden hauptsächlich von zwei kanadischen Tätowierern, Frank Lewis und Rick &#8222;Zuzu&#8220; Verdi, gestochen — über mehr als drei Jahre verteilt. Das Skelett-Motiv folgt anatomischen Lehrbüchern. Auf dem Rumpf liegen Insekten, die symbolisch den Verwesungsprozess darstellen: Käfer, Würmer, Spinnen. Genest selbst hat in Interviews mehrfach gesagt, dass er sich nicht als &#8222;geschmückt&#8220; sieht, sondern als &#8222;freigelegt&#8220;. Das ist die intellektuelle Pointe seiner Erscheinung — und sie hat ihn von einem Kuriositäten-Phänomen zu einem ernstzunehmenden Künstler gemacht.</p>
<table>
<tr>
<th>Jahr</th>
<th>Meilenstein</th>
</tr>
<tr>
<td>2000</td>
<td>Diagnose Hirntumor mit 15 Jahren</td>
</tr>
<tr>
<td>2001</td>
<td>Erstes Tattoo in LaSalle</td>
</tr>
<tr>
<td>2008</td>
<td>Auftritte im Carnival-Zirkus, Montreal</td>
</tr>
<tr>
<td>2010</td>
<td>Entdeckung durch Nicola Formichetti via Facebook</td>
</tr>
<tr>
<td>2011</td>
<td>Mugler Menswear Show Paris, &#8222;Born This Way&#8220;-Video</td>
</tr>
<tr>
<td>2011</td>
<td>Guinness-Weltrekord: meiste Insekten-Tattoos (139)</td>
</tr>
<tr>
<td>2012</td>
<td>Dermablend-Werbekampagne wird viraler Hit</td>
</tr>
</table>
<p>2011 erhielt Genest zwei Einträge im Guinness-Buch der Rekorde: für die meisten Insekten-Tattoos (139) und die meisten Knochen-Tattoos auf einem Körper (176). Aber der vielleicht wichtigste Moment seiner Karriere kam 2012 mit dem Werbespot für Dermablend. Darin wird sein gesamtes Skelett-Tattoo mit Make-up überdeckt — der &#8222;normale&#8220; Rick erscheint, lächelt, dreht sich. Der Clip hat bis heute über 30 Millionen Aufrufe und gilt als einer der erfolgreichsten Beauty-Werbespots des Jahrzehnts. Die Botschaft: Hinter jedem extremen Äußeren steckt ein Mensch.</p>
<h2>Warum Zombie Boy mehr ist als ein Mode-Trend</h2>
<p>Wie wir in unserem Artikel zu <a href="https://fivmagazine.de/mode-zitate/" data-type="post" data-id="8496">Mode-Zitaten von Karl Lagerfeld bis Coco Chanel</a> zeigen, lebt Mode von Figuren, die mehr sind als Kleiderständer. Sie braucht Charaktere, deren Erscheinung selbst eine Aussage trifft. In dieser Tradition steht Genest in einer Reihe mit Leigh Bowery, Daphne Guinness oder Isabella Blow — Menschen, deren Körper und Auftreten zur Kunstform wurden. Der Unterschied: Genest hat das in einer Social-Media-Ära geschafft, in der jeder zweite Teenager ein Skull-Filter-Selfie postet. Er war zuerst da. Und er war echt.</p>
<p>Genest hat parallel zur Modelkarriere gemalt, in Filmen mitgespielt (unter anderem in &#8222;47 Ronin&#8220; mit Keanu Reeves), war Markenbotschafter für Mugler-Düfte und arbeitete mit Marken wie <a href="https://fivmagazine.de/diesel-renzo-rosso-erfolgsstory-designer/" data-type="post" data-id="29">Diesel</a> sowie verschiedenen Streetwear-Labels zusammen. Anders als die meisten Topmodels, die zwischen Castings rotieren, war er immer ein Gesamtkunstwerk — Modell, Performer, Markenuniversum in Personalunion. Wer sich für die Strukturen dieser Branche interessiert, findet in unserer <a href="https://fivmagazine.de/modemarken-chanel-givenchy-hermes-prada-ultimativer-liste-herren-damen/" data-type="post" data-id="83046">Modemarken-Übersicht A-Z</a> genau die Häuser, mit denen er gearbeitet hat.</p>
<h2>Was im Interview anders war</h2>
<p>Soraya Wanya ist nicht zum ersten Mal mit einer Mode-Ikone im Gespräch. Aber das Interview mit Rick Genest hat sie sichtlich bewegt — und das hört man im Tonfall des gesamten Gesprächs. Statt der erwarteten &#8222;Mein Skelett ist mein Statement&#8220;-Phrasen kamen Antworten über Sterblichkeit, über die Diagnose mit 15, über die Frage, was Schönheit eigentlich bedeutet, wenn man jeden Tag in Spiegel schaut, in denen ein Skelett zurückblickt. Es ist ein Interview, das man eher in einem Kulturmagazin als in einem Mode-Outlet erwartet.</p>
<p>Wer das vollständige Gespräch lesen will, findet es ab Montag, 18 Uhr unter <a href="https://fivmagazine.de/zombie-boy-topmodel-rick-genest-interview/" data-type="post" data-id="10529">diesem Link zum Interview mit Rick Genest</a>. Wir empfehlen, vorher den Mugler-Look von 2011 noch einmal zu googeln — und dann bewusst auf die Augen zu achten, nicht auf die Tattoos. Das ändert alles.</p>
<h2>Modelkarriere, Realität &#038; der Preis der Sichtbarkeit</h2>
<p>Eine Sache, über die in den meisten Beauty- und Fashion-Texten zu Zombie Boy geschwiegen wird: Was bedeutet diese Art von Sichtbarkeit eigentlich für die Psyche? Genest hat in mehreren Interviews davon gesprochen, dass er gleichzeitig erkannt und übersehen wird — Menschen sehen das Tattoo, nicht den Mann. Das ist ein Thema, das die Modeindustrie betrifft, weit über ihn hinaus. Wer eine Karriere als <a href="https://fivmagazine.de/die-richtigen-model-jobs-model-werden-special-3/" data-type="post" data-id="40143">Model anstrebt</a> oder <a href="https://fivmagazine.de/international-modeln-new-york-london-paris-model-werden-special-4/" data-type="post" data-id="40144">international arbeiten</p>
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