Cannabis Glossar: Die wichtigsten Begriffe einfach erklärt
Cannabis hat seine eigene Fachsprache — und wer Dispensary-Menüs, Beipackzettel oder medizinische Berichte verstehen will, kommt ohne Grundvokabular nicht weit. Dieses Glossar erklärt die wichtigsten Cannabisbegriffe kompakt und präzise, von den Cannabinoiden über Terpene bis zu Konsumbegriffen.
Cannabinoide: Die Wirksubstanzen
- THC (Tetrahydrocannabinol): Primäres psychoaktives Cannabinoid. Bindet an CB1-Rezeptoren im Gehirn, verursacht das „High“. Natürlich vorkommende Form ist THCA (nicht psychoaktiv) — Decarboxylierung (Hitze) erzeugt THC. Hauptindikator für Potenz.
- CBD (Cannabidiol): Nicht psychoaktives Cannabinoid. Moduliert CB1 als negativer allosterischer Modulator (schwächt THC-Wirkung ab), wirkt als 5-HT1A-Agonist (anxiolytisch). Legalstatus: unter 0,2% THC in DE frei verkäuflich.
- THCA (Tetrahydrocannabinolsäure): Vorläufer von THC in der Rohe Pflanze. Nicht psychoaktiv bis zur Decarboxylierung. In rohem Cannabis-Saft oder unerhitzten Produkten vorhanden. Einige Studien zeigen entzündungshemmende Wirkung ohne Rausch.
- CBDA (Cannabidiolsäure): Vorläufer von CBD. In roher Pflanze vorhanden, wird durch Hitze oder Zeit zu CBD. Möglicherweise antiemetisch (gegen Übelkeit).
- CBN (Cannabinol): Abbauprodukt von THC (Oxidation durch Licht/Luft). Mäßig psychoaktiv, wirkt als schwacher CB1-Agonist. Oft mit Sedierung assoziiert — wissenschaftliche Evidenz dafür ist begrenzt. Entsteht in altem oder schlecht gelagertem Cannabis.
- CBG (Cannabigerol): „Muttermolekül“ — Vorläufer für THC und CBD in der Biosynthese. Nicht psychoaktiv. Wirkt auf CB1/CB2 als partieller Agonist und auf Alpha-2-Adrenozeptoren. Potenziell antibakteriell (MRSA-Studien).
- CBC (Cannabichomen): Nicht psychoaktives Cannabinoid. Bindet kaum an CB1, aber stark an TRP-Kanäle (TRPV1, TRPA1). Forschungsfeld: Entzündungshemmung, Akne.
- HHC (Hexahydrocannabinol): Hydriertes THC-Derivat, halb-synthetisch hergestellt. Leicht milder als THC, ebenfalls psychoaktiv. In Deutschland rechtlich grenzwertig — Analoggesetz anwendbar. Kein Naturprodukt der Cannabis-Pflanze.
- Delta-8-THC: THC-Isomer mit geringerer CB1-Affinität als Delta-9-THC (~50–66% Potenz). In DE ebenso nicht legal für Freizeitkonsum. In einigen US-Staaten legal.
Das Endocannabinoid-System (ECS)
- ECS: Das körpereigene Signalsystem, das Cannabinoide reguliert. Besteht aus Endocannabinoiden (körpereigene Liganden), Cannabinoid-Rezeptoren (CB1/CB2) und Enzymen (FAAH, MAGL).
- CB1-Rezeptoren: Vor allem im zentralen Nervensystem (Hippocampus, Basalganglien, Kleinhirn, präfrontaler Kortex). Verantwortlich für psychoaktive Wirkung von THC, Gedächtniseffekte, Motorik, Appetit.
- CB2-Rezeptoren: Vor allem in Immunzellen, Milz, Leber, Gastrointestinaltrakt. Regulieren Entzündungsreaktionen — kaum psychoaktiv. CBD und CBG wirken stärker auf CB2.
- Anandamid (AEA): Körpereigener Endocannabinoid-Ligand. Namensgebung aus Sanskrit „Ananda“ = Seligkeit. Wird von FAAH-Enzym abgebaut. THC imitiert Anandamid, wirkt aber stärker und länger.
- 2-AG (2-Arachidonoylglycerol): Häufigster Endocannabinoid. Vollständiger CB1/CB2-Agonist. Wird von MAGL-Enzym abgebaut.
- Entourage-Effekt: Begriff von Raphael Mechoulam (1998). Beschreibt die synergistische Wirkung aller Pflanzenstoffe (THC+CBD+CBG+Terpene+Flavonoide) im Vergleich zu isolierten Einzelsubstanzen. Vollspektrum-Produkte nutzen diesen Effekt.
- Decarboxylierung: Hitzeprozess, der THCA → THC und CBDA → CBD umwandelt. Findet beim Rauchen, Vaporisieren oder Backen (Edibles) statt. Ohne Decarboxylierung wirkt rohes Cannabis kaum psychoaktiv.
Pflanzenkunde und Qualität
- Trichome: Harzdrüsen auf Blüten und Blättern. Enthalten THC, CBD, Terpene und andere Cannabinoide. Reifegrad bestimmbar mit Lupe/Mikroskop: klar = unreif / milchig = auf dem Höhepunkt / bernsteinfarben = überreif. Hauptindikator für Erntezeitpunkt.
- Terpene: Aromatische Verbindungen in der Pflanze. Über 150 bekannte Terpene in Cannabis. Definieren Aroma und Geschmack, haben eigene pharmakologische Wirkungen. Wichtigste: Myrcen (erdig/sedierende Tendenz), Limonen (zitrusfrisch/stimmungsaufhellend), Linalool (blumig/anxiolytisch), Caryophyllen (pfeffrig/CB2-Agonist), Pinen (harzig/aufmerksamkeitsfördernder).
- Flavonoide: Polyphenolische Verbindungen in Cannabis — Cannaflavine A und B. Antioxidativ, möglicherweise antientzündlich. Teil des Entourage-Effekts. Weniger erforscht als Cannabinoide und Terpene.
- Curing (Aushärten): Kontrollierter Trocknungs- und Reifungsprozess nach der Ernte (4–8 Wochen). Verbessert Aroma, Geschmack und Verbrennungsverhalten. Schlecht gecurtes Cannabis riecht nach Heu.
- Kief: Trichom-Konzentrat, das durch Sieben von getrocknetem Cannabis gewonnen wird. Höherer THC-Gehalt als Blüten. Pulvrige, goldene bis grünliche Konsistenz.
- Extrakte / Konzentrate: Oberbegriff für konzentrierte Cannabis-Produkte: Haschisch (gepresster Trichom-Block), BHO (Butane Hash Oil), Rosin (druckextrahiert, lösungsmittelfrei), Live Resin (aus frischem, ungetrocknetem Material).
Konsum und Dosierung
- Vaporizer (Verdampfer): Erhitzt Cannabis auf 170–230°C ohne Verbrennung. Inhalation von Dampf statt Rauch. Weniger Schadstoffe, bessere Dosierbarkeit, diskreteres Aroma.
- Edibles: Essenswaren mit Cannabis (Öl, Butter, Extrakt). First-Pass-Effekt: THC wird in der Leber zu 11-Hydroxy-THC metabolisiert — stärkere, längere Wirkung. Verzögerter Wirkungseintritt 30–120 Minuten.
- Sublingual: Einnahme unter die Zunge (CBD/Cannabis-Öle). Schleimhautresorption umgeht First-Pass-Effekt. Schnellerer Wirkungseintritt als oral geschluckte Produkte.
- Bioavailabilität: Anteil einer Substanz, der tatsächlich systemisch wirksam wird. Inhalation: 25–56% / Sublingual: 20–30% / Oral: 4–20% (stark variabel durch Mahlzeit, Genetik).
- Microdosing: Sehr niedrige Dosen (1–3 mg THC), die unter der psychoaktiven Schwelle bleiben, aber möglicherweise therapeutische Effekte haben. Populär für Kreativität, Angstreduktion, Produktivität.
- T-Break (Toleranzpause): Bewusste Abstinenzphase zur Regeneration der CB1-Rezeptor-Dichte. Nach 4 Wochen vollständige Normalisierung laut Forschung.
- Greening Out: Umgangssprachlich für akute Cannabis-Überdosierung. Symptome: Tachykardie, Schwindel, Übelkeit, Angst, Blässe. Nicht lebensbedrohlich, aber unangenehm.
Ausführliche Erklärung des ECS: Cannabis Wirkung und ECS. Terpene im Detail: Cannabis Terpene. CBD und THC im Vergleich: CBD vs. THC.

















