Berliner Concept Store: fair produzierter Mode, Accessoires und Wohn-Design + Farbtypberatung

Fashion Shows, Vorträge und Messen, für jeden Modeinteressierten war etwas dabei. FIV Magazine durfte Johanna Groß interviewen. Sie präsentierte im Showroom unteranderem handgefertigte Mode aus Berlin und andere Kollektionen. Wir haben mit ihr über das große Thema der Nachhaltigkeit, die Rolle der Frau im Bereich Mode und die spannende Farbanalyse gesprochen.

Liebe Johanna, stell dich unseren Lesern und Leserinnen einmal vor. Wer bist du, woher kommst du… 🙂

Mich hat es vor zwölf Jahren nach dem Studium der Soziologie und einigen Jahren Projektarbeit in der Marktforschung aus München nach Berlin verschlagen. Ich bin Inhaberin von kultpur, eines Berliner Concept Stores in Kre  uzberg, welcher dieses Jahr sein 10-Jähriges feiert. Neben fair produzierter Mode, Accessoires und Wohn-Design kleinerer Labels biete ich mittlerweile in angegliederten Räumlichkeiten Farbtypberatung an.

Showroom während der Fashion Week – super cool! Wie kam es dazu?

Vor mittlerweile 10 Jahren startete während der Fashion Week die Plattform Showroom Days, welche Satelliten der BFW unterstützt und medial präsentiert hat. Wir haben die großartige Chance ergriffen, mit gelistet zu werden und haben im ersten kultpur-Fashionrrom Kollektionen ca 15 österreichischer Modelabels präsentiert. Über die Jahre haben wir im kultpur-Fashionroom zweimal jährlich zur Fashion Week unter wechselnden Schwerpunkten die neuen Kollektionen kleinerer, fair produzierender Fashion-Labels ausgestellt, häufig in Verbindung mit einem Event wie einer kleinen Show.

Die Berlin Fashion Week ist nun vorbei, du warst dabei. Mit dem Fashion Week Event fashion * sustainability * just shine durften Interessierte deine Mode betrachten.

Wie kam der Name zustande? Welche Bedeutung steckt hinter dem Titel?

Das Thema Nachhaltigkeit (sustainability) in der Mode (fashion) hat ja mittlerweile einen zunehmend großen Stellenwert erlangt- und war auch schon immer ein zentrales Anliegen von kultpur, wobei wir das nie sehr plakativ beworben, sondern eher als Grundbaustein unseres Konzepts gesehen haben. Die Zusammenarbeit mit kleinen Labels, deren Produkte Geschichten erzählen und die meist in Kleinstserien oder auch als Unikate produziert werden, bringt für uns zwangsläufig eine faire Produktion mit sich. Auch wenn die Mode teilweise nicht aus zertifizierten Stoffen gefertigt ist, so arbeiten einige Labels z.B. mit upcycelten Materialien oder mit übrig gebliebenen hochwertigen Stoffen großer Marken, welche sonst entsorgt worden wären. Mit just shine Farbtypberatung spannen wir den Bogen zum bewußten, nachhaltigen Konsum: wir möchten zeigen, wie die Kundinnen mithilfe der individuell auf sie abgestimmten Farbpalette gezielter und somit nachhaltiger shoppen können. Nicht jede Trendfarbe steht jedem – und mit dem Wissen um die individuell besten Farben können so z.B. Fehlkäufe vermieden werden.

Wer sind die Designer hinter den Kollektionen und wie hast du dich entschieden, im Showroom genau diese vorzustellen?

Unser Fokus liegt vor allem auf einer Auswahl an aktueller, handgemachter Mode in Farben, die die Kundinnen strahlen lassen- und die somit nachhaltig Freude bereitet. Großartig passen hier die Kollektionen von Velibor und l’astretti aus Berlin oder lila aus Wien. Accessoires wie der Schmuck von Jorinde Nisse, die Seidentücher von MOCOMOCO Berlin, die Caps von Jokotraki oder die Schuhe von Uluayak, gefertigt in einer kleinen traditionell arbeitenden Manufaktur in der Türkei, können das Outfit wunderbar ergänzen – oder sogar den entscheidenen Akzent ausmachen.

Du hast uns vorab erzählt, dass das Thema Nachhaltigkeit und Farbwahl nach Persönlichkeit & Stärken eine Rolle spielen wird. Warum hast du das Thema in der Nachhaltigkeit gewählt? Beschäftigst du dich Privat ebenso mit diesem Punkt?

Mich haben schon immer besondere, ausgefallene Teile glücklich gemacht- sei es im Wohnbereich oder in der Mode. Das müssen nicht unbedingt hochpreisige Produkte sein, aber zumeist sind es handgefertigte Dinge. Einige dieser Lieblingsstücke begleiten mich schon zwanzig Jahre. Als dann die Massenproduktion immer größeren Stellenwert erlangt hat, habe ich vor 10 Jahren mit der Gründung von kultpur dagegen steuern wollen:  mein Anliegen ist es, die Wertschätzung und Begeisterung für ausgesuchte, handgefertigte und unique Produkte, also Lieblingsstücke, an die Kunden weiterzugeben. Das bewusste, nachhaltige und verantwortungsvolle Konsumieren ist einer der wichtigsten Werte, die meine Eltern mir mitgegeben haben. Man kann nicht alles richtig machen – aber es fällt leichter, wenn man sieht, dass Nachhaltigkeit Entschleunigung mit sich bringt und vor allem auch Freude bereiten kann.
Wie weit ist das Thema Nachhaligkeit in der Mode verbreitet? 
Das Bewußtsein wird immer größer und es wird scheinbar zunehmend leichter, nachhaltig und fair produzierte Mode zu kaufen, es ist schon fast ein neuer Trend.
Das ist sehr gut, allerdings gibt es auch hier Abstufungen in den Zertifikaten- bio ist nicht gleich bio. Und letztendlich muss in meinen Augen das Umdenken weiter gehen, denn was bringt es, wenn viermal im Jahr die neuen Trends in bester Bio-Qualität gekauft werden und nach kurzer Zeit kaum getragen im Kleiderschrank hängen, weil schon wieder was Neues angesagt ist?
Da finde ich es ehrlicher, 3 Kleider kleiner lokal produzierender Labels aus vielleicht nicht zertifizierten, aber in Deutschland gefertigten Stoffen zu kaufen, welche ich über Jahre hinweg gerne trage, weil ich weiß, dass sie wirklich meinem Typ entsprechen.
Da sich eine gute Farbtyp-und Stilberatung an den Eigenfarben und der Gesichtsform etc. der Kundin/ des Kunden orientiert und diese sich nicht großartig verändern (bis auf das Ergrauen der Haare), hilft das Ergebnis, fokussierter und somit nachhaltiger zu shoppen.

Du hast die Frau im Vorgespräch explizit erwähnt. Warum möchtest du gerade Frauen mit diesen Themen erreichen? Was macht die Farbanalyse aus und was bringt sie den Frauen im Alltag?

Die Industrie weiß, dass Frauen gerne mode bewusst sein wollen, weshalb in den Medien für Frauen Mode ein sehr großes Thema ist.  Permanent werden scheinbar neue Trends gesetzt, und uns Frauen wird suggeriert, dass wir da mithalten müssen, um eine gute Außenwirkung zu erzielen. Eine Farbanalyse basierend auf den Eigenfarben der Kundin kann ihr aber zum Beispiel zeigen, dass z.B. die Nude-Töne gar nicht ihren Typ unterstreichen und sie somit gar nicht auf den entsprechenden Trend aufspringen sollte. Ich möchte also zeigen, dass eine Farbtypberatung eine Entschleunigung im Konsumieren mit sich bringt, nebenbei den Geldbeutel entlastet- und der Frau sogar erspart, müde und fad (in den Nude-Tönen) statt kraftvoll und präsent zu wirken. Eine bewußte Farb- und Stilwahl der Kleidung unterstreicht unseren individuellen Typ und stärkt uns- was zB im beruflichen Kontext dazu verhelfen kann, selbst bewusster und klarer aufzutreten. Es ist nicht die laute Stimme oder das auffällige Outfit die zählt. Auch eine zarte, ruhige Frau kann sehr präsent sein, wenn sie sich nicht mit „lauten“ Farben verkleidet, sondern sich ihrem Typ entsprechend kleidet, weil sie so viel authentischer auftreten kann. Und mir liegt es besonders am Herzen, dass wir Frauen uns nicht verstecken oder uns verunsichern lassen, sondern dass wir unser volles Potenzial leben.

Bist du der Meinung die Frauen heutzutage sind stilsicher?

Jein. Viele sind bis ins Detail durchgestylt und im neuesten Trend gekleidet, vermeintlich stilsicher. Ich sehe dahinter eher Unsicherheit. Medien und Influencer haben das Sagen und man kann zB in angesagten Gegenden von Berlin die wechselnden Trends vorbeiziehen sehen, weil viele Frauen versuchen, alles zu kopieren. Das finde ich langweilig.
Stilsicher sind für mich Frauen, die selbst bewusst ihren eigenen (am besten ihrem Typen entsprechenden) Stil tragen und die sich nicht nur an der aktuellen Mode orientieren, sondern (ihren) Charakter zeigen.

Unsere Leser/innen finden Tipps der Experten immer spannend. Was sind deine 3 besten Tipps zielsicher und nachhaltig zu shoppen?

  1. Gönne dir eine Farbtyp-/ Stilberatung – dies wird deinen Blick schulen und dein individualisierter Farbpass wird dich beim Shoppen unterstützen (nur: auf die  richtige Beratung kommt es an! Wichtig ist, dass die Analyse auf den Eigenfarben basiert)
  2. Nimm dir Zeit, gehe in kleine Läden, in welchen regional produzierte Kollektionen angeboten werden bzw. dir was zu der Herkunft der Mode erzählt werden kann.
  3. Lass dich von Trends inspirieren, bleibe aber bei deinem eigenen Stil und bei den Farben, die dich zum Strahlen bringen.
Auf den Punkt: „buy less, choose well, make it last“ (Vivienne Westwood)

Nenn uns doch deine 3 Lieblingsmarken, die das Thema Nachhaltigkeit unterstreichen?

  1.  das österreichische Label MILCH- Mode aus „pensionierten Herrenhosen und -hemden“. MILCH hat das Thema Upcycling mit ins Leben gerufen und ist für mich eins der wenigen Upcycling-Labels, dass es schafft, das Thema hochwertig, lässig und zugleich elegant umzusetzen. Mit großer Freude hatten wir die Mode über Jahre bei kultpur präsentiert. Leider wird die Produktion jetzt zu Ende Juni eingestellt – also letzte Chance im Online-Shop nutzen!
  2. Im Accessoire-Bereich Sag+SAL (in Berlin gefertigte, unique Taschen aus Drucktüchern aus dem Offset-Print) und K.W.D., Taschen und Accessoires aus Schlauch, Kassenförderband und Luftmatratze. Diese Marken waren in meinen Augen kreative Wegbereiter in Sachen Nachhaltigkeit durch Upcycling.
  3. Just shine 🙂 Die Synergie von Farbtypberatung und handgefertigter Mode in Farben, die strahlen lassen aus einer Hand wird demnächst auf eine erste kleine Eigenproduktion erweitert.
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