Designerin Julia Starp – Über Ihren Mode Stil und Nachhaltigkeit

FIV: Julia, du hast dein Label 2009 gegründet und bist als Designerin auf der Fashion Week Berlin zu Hause. Wie hast du es geschafft so schnell so erfolgreich zu werden?

Ich war zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle. Damals war nachhaltige Mode im Luxussegment kaum zu finden und ich hatte sozusagen ein Alleinstellungsmerkmal. Sponsoren und Kunden aber vor allem meine Freunde glaubten an mich. Dies hat mich bestärkt auf dem richtigen Weg zu sein.

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FIV: Wie würdest du deinen Mode-Stil und deine Kollektionen beschreiben?

Mein Stil ist elegant und detailverliebt. Ich liebe es mit der Silhouette zu spielen und dadurch ganz neue Formen zu kreieren. Dabei entstehen außergewöhnliche Kragenkonstruktionen, Ärmelformen und Funktionen die ein Kleidungsstück durch wenige Handgriffe komplett verändern können.

FIV: Du legst großen Wert auf Nachhaltigkeit. Was bedeutet das für deine Kreationen und wieso ist dir das besonders wichtig?

Frei nach dem Motto: Was Du nicht möchtest, das man es Dir tut, das tue auch keinem anderen. Gerade in der Mode- und Textil Branche ist fairnis leider eher selten. Massenproduktion und schlechte Arbeitsbedingungen machen die Kleidung zwar günstig, aber auch ihr Wert wird nicht mehr geschätzt. Ich habe kleinere Produktionsauflagen, ich kenne die Prosuktionsstätten und ihre Mitarbeiter persönlich, da ich auch vor Ort bin (in Hamburg, bei der Behindertenwerkstatt Stiftung Mensch oder in Polen) Die Stoffe wähle ich nach ähnlichen Kriterien aus. Überwiegend zertifiziert nach dem GOTS (Global Organic Textile Standarf) oder BLUESIGN

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Screenshot, Website Lookbook / 2016

FIV: Was hat dich inspiriert Mode-Designerin zu werden?

Das muss daran gelegen haben, dass ich in den 80ern aufgewachsen bin. Als Kind fand ich die Mode gruselig. Habe mir damals schon selber Kostüme genäht (die jetzt im Nachhinein betrachtet wahrscheinlich nicht viel weniger gruselig sind) Ich dachte als Modedesignerin könnte ich da etwas tun und Sachen entwerfen die mir besser gefallen. Inzwischen finde ich die 80er Mode nicht mehr ganz so schlimm, teilweise wird mir sogar nachgesagt, meine Mode würde in die Richtung gehen.

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FIV: Woher ziehst du deine Ideen und Motivationen?

Ich bin ein Puppengestalter. Das heißt ich suche mir einen Stoff der mir gefällt, werfe ihn über die Schneiderpuppe und fange an zu drapieren. Dabei kommen mir die meisten Ideen, welche ich dann wiederum direkt in meinem Schnittprogramm im Computer weiterentwickle. Ich denke dass aber auch vieles unterbewusst einfließt, was mich umgibt, wo ich bin.

FIV: Was macht dir an deinem Job besonderen Spaß?

Dass ich frei bin. Ich teile mich selber ein. Ich mache nicht nur Mode, ich komme mit vielen interessanten und tollen Menschen in Berührung. Gerade habe ich ein Jahr lang an einem Märchenbuch für einen guten Zweck gearbeitet um meiner Kollektion einen weiteren Sinn als „nur gut anzuschauen“ zu geben. Es ist so vielfältig und kreativ.

FIV: Wie läuft eine Modenschau hinter den Kulissen, aus Sicht einer Designerin, ab?

Die 20 Minuten bevor es los geht ist alles noch einmal furchtbar hektisch. Liegt alles bereit? Wurde nichts vergessen? Und wenn doch, wie kann man das jetzt noch retten? Wenn es dann endlich losgeht ist alles im Fluss. Ich stehe immer direkt kurz vor dem Laufstegzugang, habe den letzten Blick auf die Models und versuche noch die letzten Fussel zu entfernen und Falten zu richten. Nach 20 Minuten ist alles vorbei und ich frage mich, wie konnten 4 Monate Arbeit so schnell über den Laufsteg huschen.

FIV: Wie ist deine Gefühlslage vor und nach einer großen Show?

Es ist immernoch aufregend. Die erste der bislang acht Shows war mit Sicherheit noch die Knieerweichendste. Eine gewisse Routine lässt sich nicht abstreiten, dennoch ist es immer wieder neu und anders. Darum bin ich auch sehr daran interessiert die Shows mit einem gewissen Spannungsbogen aufzuziehen. Ich selber habe mir auch schon viele Modenschauen angesehen, ich sehe dabei oft ein „auf und ab staksen“ der Models, mit eingefrorenen Emotionen. Durch Musik und bestimmte Choreographien kann die Mode eine Geschichte erzählen. Nach der Show, wenn dann (bislang zum Glück immer) alles gut geklappt hat, fallen die Steine ab und ich bin nur noch glücklich und froh.

FIV: Gibt es für dich auf der Fashion Week oder anderen Catwalks „kleiner Helfer“, die dafür sorgen, dass deine Mode im „besten Licht“ präsentiert wird?

Ein wahres kleines Helferlein ist meine liebe Aleksa, die mich seit Jahren zu den Shows begleitet und als Stylistin tolle Impulse einbringt. Sowie meinen Freundeskreis, der gerne mit anpackt, wenn es auf die Reise mit Anhänger nach Berlin geht. Ohne diese ginge es nicht!

FIV: Was ist dir bei der Model-Auswahl besonders wichtig?

Je nach Kollektion und Thema die passende Ausstrahlung und noch mehr, ein richtiger Gang. Das Model kann noch so hübsch und anmutig sein, wenn Sie ihre Füße nicht richtig setzen kann ist das ein krasser Bruch. Wichtig ist es mir aber auch, dass das Model sich mit dem Outfit wohl und sicher fühlt, das Outfit wird von dem Model getragen, aber oft sehe ich, dass das Model durch das Outfit noch weiter getragen wird. Das macht den Auftritt perfekt.

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FIV: Was möchtest du mit deiner Mode vermitteln?

Individualität, Feminität und Exklusivität. Mode ist Zeitgeist, die so vieles Ausdrücken kann. Sie kann aus der Mode kommen, sie kann wieder modern werden oder sie ist zeitlos. Ich bin mehr für zeitlose Mode, was natürlich auch am besten zum nachhaltigen Thema passt.

FIV: Welche Rolle spielt Mode bei dir privat?

Ich durchlebe da immer unterschiedliche Phasen. Mal möchte ich mehr elegant sein und dann wieder legere. Wenn ich an neuen Kollektionen arbeite, Projekte vorbereite und nur bei mir im Atelier zugange bin, bin ich froh überhaupt was aus meinem Kleiderschrank zusammenraufen zu können. Unterwegs, auf Terminen und in Meetings achte ich jedoch gerne darauf, dass es zu einem guten Auftritt passt.

FIV: Bald ist es wieder soweit: Es wird ins neue Jahr gefeier. Am besten in einem modischen Highlight. Was ist für dich das perfekte Silvester Outfit?

Da ich ganz ordinär mit meinen besten Freunden feiere, gehe ich ganz entspannt und well-dressed. Die Modehighlights meiner Cocktailkleider kommen dann zu den Neujahrsempfängen und Bällen zum Einsatz 😉

FIV: Welche Designer und Labels bewunderst du privat?

Ich war schon immer ein Fan von Issey Miyake und Yamamoto. Skulpturelle Mode, meist eher weniger tragbar aber so großartig als Kunst verstanden.

FIV: Was sind deine Fashion-Must-Haves im Winter/ Frühjahr 2015/2016?

Ein Strickkleid , gemütlich aber schick kombiniert mit Strumpfhose und Stulpenstiefeln oder Stiefeletten. Dazu eine kurze Jacke im Bikerstyle und einen kuscheligen Schal.

FIV: Wie können wir uns deine neue Kollektion, die du auf der nächsten Fashion Week Berlin präsentierst, vorstellen?

Da ich durch mein aktuelles Märchenbuchprojekt dieses komplette Jahr eingenommen bin, werde ich erst zur Sommer Fashion Week wieder eine Kollektion zeigen. Mir geistern bereits viele Eindrücke und Ideen durch den Kopf, diese werde ich ab Januar festigen. Fest steht aber, dass ich mehr im Bereich der Herrenbekleidung machen werde und im Casual Bereich die Jacken und Hoodie Kollektion ausbauen werde.

FIV: Dankeschön für das Interview Julia!

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