73. Verleihung der Golden Globe Awards – Die Gewinner des Abends

Es brauchte drei Nominierungen, einen Bären, minus 30 Grad in den Rocky Mountains und rohe Bisonleber, bis Hollywood am 10. Januar 2016 endlich tat, was längst überfällig war: Leonardo DiCaprio einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller in die Hand zu drücken. Die 73. Verleihung im Beverly Hilton war aber weit mehr als DiCaprios späte Genugtuung — sie war der Abend, an dem Lady Gaga zur ernstzunehmenden Schauspielerin wurde, an dem Sylvester Stallone nach 39 Jahren auf die Bühne zurückkehrte und an dem Ricky Gervais die Branche so frontal anging, dass NBC die Werbepausen länger werden ließ. Wer die großen Fashion- und Award-Momente der internationalen Bühne verfolgt, wusste schon vor der Show: Dieser Abend würde zur Zäsur.

Leonardo DiCaprios Triumph: 22 Jahre Anlauf für einen Award

Seine erste Golden-Globe-Nominierung kassierte Leonardo DiCaprio 1994 für „Gilbert Grape“ — da war er 19. Bis zum Sieg 2016 für Alejandro González Iñárritus „The Revenant – Der Rückkehrer“ lagen genau elf weitere Nominierungen, eine Auszeichnung als bester Komödien-Hauptdarsteller (für „The Wolf of Wall Street“) und unzählige Memes über sein vermeintliches Award-Pech dazwischen. Der Sieg in der Kategorie „Bestes Drama – Hauptdarsteller“ war damit nicht nur verdient, er war filmhistorisch eingebrannt.

Was diesen speziellen Globe von allen anderen unterschied: Iñárritu hatte für „The Revenant“ auf alles verzichtet, was modernes Kino einfach macht. Gedreht wurde ausschließlich bei Tageslicht, in entlegenen Wäldern Kanadas und Argentiniens, ohne Studioshots. DiCaprio aß tatsächlich rohes Bisonfleisch — die berühmte Szene war kein CGI. Dass er in seiner Dankesrede nicht sich selbst, sondern die indigenen Völker Nord- und Südamerikas in den Mittelpunkt stellte, war ein Statement, das man sich als kommender Oscar-Favorit leisten kann. Sechs Wochen später folgte dann auch der lang ersehnte Academy Award.

Lady Gaga, der Stoß und die Verwandlung zur Schauspielerin

Als Stefani Germanotta — bekannt als Lady Gaga — auf dem Weg zur Bühne versehentlich an DiCaprios Stuhllehne stieß und dieser für eine halbe Sekunde die Augen verdrehte, war das die meistgeklickte GIF-Sequenz des Abends. Dabei wurde dadurch fast übersehen, was eigentlich passiert war: Eine Pop-Ikone, die zwei Jahre zuvor noch in einem Fleischkleid posiert hatte, gewann den Golden Globe als beste Hauptdarstellerin in einer Miniserie für „American Horror Story: Hotel“. Gegen Sarah Hay, gegen Kirsten Dunst, gegen Felicity Huffman.

Ihre Dankesrede war eine der ehrlichsten der Nacht — Tränen, Dankbarkeit an Ryan Murphy, ein Hinweis darauf, dass sie seit ihrer Kindheit Schauspielerin werden wollte und Musik ein Umweg war. Wer Modegeschichte verfolgt, weiß, dass Gaga ohnehin eine der einflussreichsten Stilfiguren des 21. Jahrhunderts ist; ihr Versace-Auftritt an diesem Abend, eine ärmellose schwarze Robe mit Diamant-Choker, wurde später als bewusste Hommage an Old-Hollywood-Glamour gelesen. Die Verbindung zwischen Pop, Couture und Schauspiel hat sie an diesem Abend final besiegelt — eine Linie, die sich bis zu unseren Lieblings-Modezitaten der großen Designer zurückverfolgen lässt, in denen Selbstinszenierung immer auch Kunst ist.

Jennifer Lawrence und Amy Schumer: Die Komödien-Seite des Abends

Jennifer Lawrence holte ihren vierten Golden Globe — diesmal als beste Hauptdarstellerin Komödie/Musical für David O. Russells „Joy“. Dass sie in der Kategorie gewann, war keine Sensation; die Lawrence-Russell-Connection (nach „Silver Linings“ und „American Hustle“) gilt in der Branche als die verlässlichste Award-Allianz seit Scorsese/De Niro. Spannender war ihr gemeinsamer Auftritt mit Amy Schumer als Presenter-Duo: Die beiden waren 2015 zur engsten Hollywood-Freundschaft mutiert, hatten gemeinsam einen Drehbuchentwurf geschrieben und brachten eine Lockerheit auf die Bühne, die der ansonsten steifen Show guttat.

Der Vollständigkeit halber: Matt Damon gewann für „Der Marsianer“ den Komödien-Hauptdarsteller-Globe — eine bis heute kontrovers diskutierte Kategorie-Einordnung, da Ridley Scotts Film über einen auf dem Mars gestrandeten Astronauten alles andere als eine klassische Komödie ist. Die Hollywood Foreign Press Association hat die Genre-Grenzen noch nie streng genommen, und „The Martian“ profitierte von der schwächeren Konkurrenz im Komödien-Topf statt mit Dramen wie „Spotlight“ oder „Carol“ zu konkurrieren.

Die wichtigsten Gewinner im Überblick

Kategorie Gewinner
Bester Film – Drama The Revenant – Der Rückkehrer
Bester Film – Komödie/Musical The Martian
Beste Regie Alejandro G. Iñárritu (The Revenant)
Bester Hauptdarsteller – Drama Leonardo DiCaprio (The Revenant)
Beste Hauptdarstellerin – Drama Brie Larson (Room)
Bester Hauptdarsteller – Komödie Matt Damon (The Martian)
Beste Hauptdarstellerin – Komödie Jennifer Lawrence (Joy)
Bester Nebendarsteller Sylvester Stallone (Creed)
Beste Nebendarstellerin Kate Winslet (Steve Jobs)
Bester Animationsfilm Inside Out – Alles steht Kopf
Bester fremdsprachiger Film Saul fia (Son of Saul)
Bestes Drehbuch Aaron Sorkin (Steve Jobs)
Beste Filmmusik Ennio Morricone (The Hateful Eight)
Bester Filmsong „Writing’s on the Wall“ – Sam Smith (Spectre)

Sylvester Stallones Rückkehr nach Rocky

Der emotionalste Moment des Abends gehörte nicht DiCaprio. Sylvester Stallone gewann den Golden Globe als bester Nebendarsteller für „Creed“ — sein Comeback als alternder Rocky Balboa unter der Regie von Ryan Coogler. Die Standing Ovation, die das Publikum dem 69-Jährigen entgegenbrachte, war minutenlang. Stallone hatte zuletzt 1977 für den ersten „Rocky“ einen Globe gewonnen — 39 Jahre dazwischen. Er sagte auf der Bühne, sein wichtigster Action-Held sei sein Sohn Sage gewesen, der 2012 gestorben war. Es war einer der wenigen Momente, in denen Hollywood seine eigene Inszenierung kurz vergaß.

Mode auf dem Red Carpet: Die stillen Sieger

Während die Awards an die Filmemacher gingen, lief auf dem roten Teppich ein paralleles Wettrennen — und das war 2016 bemerkenswert konservativ. Jennifer Lawrence in burgunderrotem Dior, Brie Larson in einem schimmernden Calvin Klein, Cate Blanchett in pinkem Givenchy mit Federbesatz: Die Robe war zurück, der Body-Con-Look raus. Wer die Geschichte des Hauses Dior und seiner roten-Teppich-Momente kennt, weiß, dass Lawrence‘ Auftritt die zehnte große Globe-Robe einer Dior-Botschafterin innerhalb von drei Jahren war — kein Zufall, sondern strategisch geplante Markenführung.

Lady Gagas schwarze Versace-Robe wiederum war ein direkter Verweis auf Donatella Versaces Mid-90s-Codes, während Kate Winslet in einer maßgeschneiderten Ralph Lauren glänzte. Auffällig: Italienische Häuser dominierten den Abend, wie es die Domäne von Dolce & Gabbana seit Jahren prägt — und auch Prada kleidete mehrere Nominierte ein. Der Mailänder Einfluss war stärker spürbar als der Pariser, was bei einer Award-Show in Beverly Hills durchaus eine Aussage ist.

Ricky Gervais und die unbequemen Wahrheiten

Zum vierten Mal moderierte Ricky Gervais die Show — und er nutzte seine fünfminütige Eröffnungsrede, um Caitlyn Jenner, Mel Gibson, Charlie Sheen, Roman Polanski und Bill Cosby in einer einzigen Suada zu zerlegen. Die HFPA hatte vorher signalisiert, er solle „diesmal etwas sanfter“ sein. Er ignorierte das. Sein berühmtester Satz des Abends: „I’m going to be nice tonight. I’ve changed. Not as much as Bruce Jenner, obviously.“ Das Publikum lachte unbehaglich, soziale Medien explodierten, und NBC entschied innerhal