B.O.X.E.R – Die Band im Interview: Der Beat für den Catwalk

FIV: Eigentlich kommt ihr alle drei doch aus der Fashion-Szene. Wie seid ihr zur Musik gekommen?

Jakob: Nachdem ich jahrelang Klavierunterricht bekommen habe, wollte ich im Alter von zehn Jahren endlich mal ein sexyeres Instrument, ein cooleres, lernen: Ich wollte E-Gitarre spielen, wie die lässigen Junkies aus den Rockbands, wie Kurt Cobain und Slash. Mit elf hatte ich dann meine erste Punkrockband, mit 18 war ich fest in der Hardcore-Szene drin und hatte gleich drei Bands, später habe ich dann meine Gitarre öfter in den Computer als in den Verstärker gestöpselt und mit elektronischen Sachen und Noise experimentiert.

Anna-Maria: Ich habe mit 14 begonnen Gesangsunterricht zu nehmen. Von da an kam ich nicht mehr weg vom Singen. Seither habe ich mit verschiedensten Produzenten zusammen gearbeitet und mich ausprobiert. Nebenher habe ich am Popkurs an der Hamburger Musikhochschule teilgenommen, bei dem Sender Radio Hamburg „Radio Hamburg sucht das Mega Talent“ mitgemacht etc.

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Jan Ole: Ich spiele seit meinem siebten Lebensjahr Schlagzeug. Alle Jungs meiner damaligen Clique nahmen damals Schlagzeug-Unterricht, wir waren quasi eine Trommel-Gang. Mit 14 folgte die erste eigene Band und ab da war alles klar.

B.O.X.E.R. – Sweat & Stripes

 

Anna-Maria, Jan Ole und Carl Jakob sind B.O.X.E.R – Music meets fashion

FIV: Wie würdet ihr euren Musik-Stil beschreiben? Was erwartet die Zuschauer bei B.O.X.E.R

Jakob: Das ist nicht ganz astreiner Pop.

Jan Ole: Wir machen Indie-Electro-Pop, wobei wir Instrumentalsound mit elektronisch programmierten Elementen mischen.

Anna-Maria: Sphärischer Indie Electro Pop

Das Video – B.O.X.E.R. – Sweat & Stripes

FIV: Eurer Homepage konnte ich bereits entnehmen, dass ihr mit Germanys Next Topmodel zusammen gearbeitet habt. Wie kam es dazu?

Jakob: Sehr unklar, aber irgendwann lief einer unserer Songs ständig vor der Sendung – und wir waren auf einmal weltbekannt.

Jan Ole: Stylight, ein Münchner Fashion-Blog und -Shop, fragte uns, ob sie einen unserer Songs, „Sweat & Stripes“ als Musik für ihren Werbespot zur Präsentation der letzten GNTM-Staffel nutzen könnten. Da hatten wir natürlich nichts dagegen.

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FIV: Legt ihr auch auf Fashion-Shows auf? Was muss man da als Musiker beachten?

Jakob: Wir spielen eher auf den After-Show-Partys von Modenschauen. Die Leute sind meist betont uninteressiert, was wohl lässig wirken soll, also müssen wir umso lauter und breitbeiniger auftreten.

Anna-Maria: Auf garnichts. Das ist ja das Schöne. Du kannst sein wer du willst. In dem Moment ist es schön Musiker zu sein und sich als Musiker durch den Fashion Zirkus zu bewegen.

Jan Ole: Ja, wir haben z.B. auf der Marina Hoermannseder Aftershowparty der Berlin Fashion Week im Sommer gespielt.

Man muss dabei beachten rechtzeitig an der Bar zu sein, da im Fashion Business noch mehr getrunken wird, als in der Musik-Branche.

 

FIV: Anna-Maria und Jan Ole, ihr beide wart vor eurer Band-Gründung schon als Model erfolgreich. Für wen habt ihr schon gearbeitet? Und wer sind eure Mode-Götter?

Anna-Maria: Ich bin mit 18 nach Paris zur Fashion-Week gegangen und habe mit Designern wie Dolce Gabbana, Givenchy, Chloe, Chanel etc gestartet. Mode Gott würde ich es nicht nennen dafür bin ich, ebenso wie Jake, nicht emotional genug der Fashionbranche gegenüber. Vivienne Westwood ist allerdings ein Stil, den ich auch gerne auf der Bühne tragen würde.

Jan Ole: Ich bin, im Gegensatz zu Annama, erst seit kurzem als Model tätig. Als bekanntester Kunde wäre da wohl Hugo Boss zu nennen. Ganz besonders gerne habe ich allerdings mit Guido Maria Kretschmer zusammen gearbeitet. Ihn schätze ich menschlich wirklich sehr.

Götter kenne ich persönlich leider nicht.

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Carl Jakob, dich kennt man zwar nicht als Model, aber als erfolgreicher Mode-Blogger. Was fasziniert dich an der Fashion-Szene? Worüber schreibst du speziell auf Dandy Diary?

Jakob: Auf Dandy Diary schreibe ich über Männermode. Daran fasziniert mich eigentlich gar nichts. Die Abgründigkeit der Branche und all die fertigen Menschen, das interessiert mich. Die Modebranche macht was mit den Leuten – und das ist oft nicht gut, aber immer interessant.

Thank Yo @hustlebush !?? #boxer #bxr #shoot

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Vor der Musik Karriere waren sie leidenschaftliche Blogger

FIV: Jetzt seid ihr erfolgreiche Musiker, arbeitet ihr dennoch weiterhin als Models/ Blogger?

Jacob: Das ist ja das Schöne daran: Man kann beides wirklich leicht kombinieren. 24 Stunden lang nur Gitarre zu spielen, fände ich extrem langweilig. 24 Stunden zu bloggen, ebenso.

Anna-Maria: Klar. Lässt sich wunderbar kombinieren. Für den ein oder anderen Model Job wurde ich sogar aufgrund dessen gebucht. Es ist ein schöner Lifestyle für ein Job beispielsweise nach London zu fliegen und anschließend auf der Bühne zu stehen.

Jan Ole: B.O.X.E.R. bietet uns da alle Möglichkeiten, da sich die Band sowieso im Fashion-Umfeld bewegt. Die Schnittpunkte sind einfach groß. Wenn wir zum Beispiel auf einer Fashion-Week-Party spielen, spricht ja nichts dagegen vorher noch auf den Shows zu laufen.

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FIV: Was bedeutet Mode für euch?

Jan Ole: Genau wie Musik: Veränderung und Entwicklung, aber auch Kommunikation und Identifikation. Nichts ist in Stein gemeißelt, alles ist erlaubt. Ein Spielplatz.

Jakob: Ich habe da keine emotionale Beziehung zu, keine Lieblingsmode, keine Lieblingsdesigner. Mode ist mir letztlich egal.

Anna-Maria: Mode hat keine tiefere Bedeutung für mich. Dadurch, dass ich mich aber hin und wieder in der Mode Welt bewege habe ich bereits einiges Tolles erlebt. Das darf auch gerne genauso weiter gehen.

 

FIV: Was sind eure absoluten Fashion-Must-Haves?

Anna-Maria: Doc Martens!! Ich habe bestimmt schon 6 Paar und es sollen noch mehr werden.

Jakob: Aktuell sollte man immer noch unbedingt sehr teure Designer-Turnschuhe haben. Sehr bald sollte man Schlaghosen tragen und den 1970s Trend voll mitnehmen.

Jan Ole: Neben den klassischen Must-Haves wie Suit & Tie, das perfekte T-Shirt und gute Boots. Alles in schwarz.

FIV: Gibt es lustige Fashion-Fauxpas aus eurer Jugend?

Jakob: Ich sah wirklich scheisse aus, in einem zu großen pinken Pullover mit langen Haaren. Heute wäre das allerdings extrem cool.

Anna-Maria: Eigentlich alles was ich damals getragen habe. Mir war es immer besonders wichtig irgendwie anders auszusehen als alle anderen. Das ist mir definitiv gelungen war allerdings mit einer gruseligen Geschmacksverirrung verbunden.

Jan Ole: Jede Menge, wo fängt man da an… Dem Dresscode meiner öko-pazifistischen Eltern geschuldet, lief ich hauptsächlich in homemade-Strick herum. Das wäre heutzutage natürlich total cool, damals waren Mickey Mouse Pullies aber angesagter. Ausserdem hatte ich als Kind eine ganz besonders hässliche Brille und eine einzelne lange Haarsträhne am Hinterkopf. Die war damals in den 80ern jedoch schrecklich en vogue.

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FIV: Wie verbindet ihr Mode mit Musik? Oder sind das zwei verschiedene Welten?

Jan Ole: Das ist auf jeden Fall ganz klar Eins. Es geht dabei einfach um Pop-Kultur, die sich auf verschiedenen Ebenen ausdrückt.

Jakob: Musiker sind schon ein bißchen anders als Modemenschen – und tatsächlich oftmals spießiger. Letztlich trinken aber alle gern Champagner und gucken sich selbst gern im Spiegel an.

Anna-Maria: Toll wäre es eine Musikidentität für eine Mode Marke zu kreieren. Musik als ein Kommunikations-Tool für eine Marke einzusetzen funktioniert bestens. Genauso anders rum. Wenn junge hippe Bands auf eine bestimmte Marke abfahren, sie auf der Bühne tragen wird dadurch wohlmöglich ein Trend losgetreten. Mode und Musik ist ein sinnvolles Zusammenspiel.

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FIV: Wie bereitet ihr euch auf eure Auftritte vor? Auch Styling-technisch?

Jakob: Eine halbe Flasche Wein vor dem Auftritt verleiht jedem Look die richtige Lässigkeit. Ansonsten sehr wichtig: T-Shirt zum Wechseln mitnehmen. Ansonsten trage ich eigentlich auf der Bühne meist genau das, was ich sonst auch trage. Annama hats da schon etwas schwerer.

Anna-Maria: Jake leert ne halbe Flasche Wein, ich nehme vielleicht zwei Gläschen von dem Rest. Versuche aber mit klarer Birne auf die Bühne zu gehen. Outfit technisch werden wir von dem einen oder anderen Designer supportet. Das ist toll und erleichtert vor allem mir die Frage „ Was ziehe ich nur an?!“ ungemein.

Jan Ole: Ich setze mir vor dem Konzert meine Kopfhörer auf, höre laut Musik und trommle mit den Sticks auf meinen Knien. Adrenalin tut dann sein übriges.

Bei Auftritten trage ich generell am liebsten eher wenig, das stört sonst nur beim Schlagzeug-Spielen. Teilweise machen wir Kooperationen mit Designern, die wir gut finden.

FIV: Gut: Ihr kommt alle drei aus der Fashion-Szene. Aber wie habt ihr drei euch kennen gelernt?

Jan Ole: Jakob kenne ich tatsächlich schon ziemlich lange aus der Hamburger Musikszene. Annama habe ich auf einer der DandyDiary-Partys auf der Berlin-Fashion-Week kennengelernt.

Jakob: Auf einer Fashion Week Party von mir.

Anna-Maria: Jake veranstaltet jedes Jahr DIE Opening Party zur Berlin Fashion-Week, wo ich Jole über den Weg gelaufen bin. Unerwarteter Weise und relativ schnell fanden wir uns zu Dritt im Studio wieder. Es hat direkt gefunkt sozusagen.

 

FIV: Wie entstand der Name Boxer?

Jakob: Das war eine rein ästhetische Entscheidung. Der Name klingt gut, sieht gut aus, lässt sich ohne größere Unwägbarkeiten aussprechen.

Anna-Maria: Warum ein Name mit ein lange Entstehungs Story dahinert? Ein cooler kraftvoller Name, der in allen Sprachen sowie in seiner Optik hervorragend funktioniert und vor allem easy zu merken ist – ganz wichtig. Die eigentliche Bedeutung eines Wortes gerät früher oder später in den Hintergrund.

Jan Ole: B.O.X.E.R. sieht geschrieben einfach schonmal ziemlich stark aus und hat dann auch noch in so ziemlich jeder Sprache eine genauso schlagkräftige Bedeutung. Es gibt wenige Worte, die in den meisten Sprachen existieren.

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FIV: Was wollt ihr mit eurer Musik vermitteln, gibt es eine Message?

Jakob: Ich hoffe nicht! Meine Lieblingsband ist ja Sigur Ros, die irgendwann beschlossen haben, keine Texte mehr zu verwenden und auf einer Fantasie-Sprache zu singen. Sowas finde ich gut. Maximale Verschlossenheit des Textes, dadurch maximale Offenheit in der Interpretation.

Anna-Maria: Richtig gute Musik machen und noch ein bisschen mehr drüber hinaus bieten.

Jan Ole: Es geht um Musik, den Moment, Sehnsucht, Schmerz und Vorfreude. Alles.

FIV: Ihr kommt aus Hamburg: Was verbindet ihr mit der nordischen Hansestadt?

Jakob: Ich habe Hamburg sehr geliebt. Mein Studienzeit dort war eine der allerbesten Zeiten meines Lebens, ich habe da einen meiner engsten Freunde und auch mich selbst kennengelernt. Hamburg war super. Und irgendwann war es auch genug. Jetzt ist Berlin super.

Anna-Maria: Meine Heimat.

Jan Ole: Die Basis. Hamburg ist meine Heimat. Ich bin der Musik wegen hierher gekommen und habe gefunden wonach ich gesucht habe.

FIV: Was ist ein typisches Mode-Klischee aus Hamburg, welches ihr absolut bestätigen könnt?

Jakob: Die Jungs wollen allesamt aussehen, wie ihre eigenen Väter.

Anna-Maria: Den Hamburgern fehlt es absolut an Mut den eigenen Stil zu finden. Mir scheint es als würden sie 1 zu 1 die Looks der Schaufenster Puppen übernehmen inspiriert bei Closed. Der Hamburger Chic ist definitiv clean und elegant.

Jan Ole: Mehr ist mehr. Allerdings etwas weniger als in München.

 

FIV: Was sind eure Träume und Ziele, sowohl als Musiker, als auch als Privatpersonen, Models und Blogger?

Anna-Maria: Unbedingt in der Royal Albert Hall in London auftreten! Und zunächst möchte ich weiterhin ein so vielfältiges Leben wir bisher leben.

Jan Ole: Das alles so aufregend bleibt, wie es gerade ist.

Jakob: Ich plane aktuell ein größeres Projekt mit meinem Dandy-Buddy David. Das soll im April fertig sein. Es wird groundbreaking sein und das allerbeste, was wir je gemacht haben.

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FIV: Was erwartet uns in naher Zukunft: Bringt Boxer eine neue Platte/ Single raus?

Jakob: Ja, na klar, alles. Bald!

Anna-Maria: Platte erscheint Anfang des nächsten Jahres!! Bis dahin wird noch viel Spannendes passieren.

Jan Ole: Ja! Das Album ist fertig und kommt in 2016!

FIV: Liebes B.O.X.E.R-Team, vielen Dank für das Interview!

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