Germany´s Next Topmodel Special – Die auffälligsten Kandidaten der letzten Staffeln!
16 Staffeln, mehr als 250 Kandidatinnen, ein einziger Werbevertrag mit echtem Gewicht – das ist die nüchterne Bilanz von Germany’s Next Topmodel, wenn man sie an internationalen Maßstäben misst. Und trotzdem schauen Jahr für Jahr Millionen zu. Warum? Weil die Show längst kein Casting mehr ist, sondern ein Spiegel deutscher Popkultur. Die wirklich spannende Frage ist nicht, wer gewonnen hat – das vergisst man ohnehin nach zwei Saisons. Spannend sind die Kandidatinnen, die im Kopf bleiben: weil sie polarisierten, weil sie scheiterten, weil sie sich neu erfanden. Wir haben uns die auffälligsten Gesichter der letzten Staffeln angesehen – und auch geprüft, was Heidi Klums Show überhaupt für eine echte Modelkarriere bedeutet. Wer den großen Überblick sucht, findet ihn in unserem Special zu allen GNTM-Staffeln und Gewinnerinnen.
Die Königinnen des Polarisierens: Natalie Volk, Fiona Erdmann, Larissa Marolt
Wer GNTM versteht, versteht: Die Show belohnt nicht die schönste Frau im Raum, sondern die mit dem stärksten Wiedererkennungswert. Drei Namen stehen exemplarisch dafür – und keiner von ihnen hat die Staffel gewonnen.
Natalie Volk, 2013 Drittplatzierte, war damals 18, kam aus Bayern und hatte ein Gesicht, das Editorial-Fotografen lieben: ungleichmäßig, kantig, fast altmodisch. Heute spielt sie in deutschen TV-Produktionen mit, hat über 500.000 Instagram-Follower und ist auf Reality-Formate umgesattelt. Klassische Modelkarriere? Eher nein. Personal Brand? Absolut.
Fiona Erdmann aus Staffel 2 (2007) ist der Beweis, dass GNTM-Sichtbarkeit länger hält als jede Catwalk-Saison. Sie wurde Vierte – und ist seit 17 Jahren konstant Teil der deutschen Boulevardkultur. Heute lebt sie in Dubai, betreibt einen erfolgreichen YouTube-Kanal über Auswanderer-Themen und vermarktet sich als Lifestyle-Persönlichkeit. Das ist die Blaupause: GNTM nicht als Endpunkt nutzen, sondern als Sprungbrett aus der Show heraus.
Larissa Marolt, Staffel 4, ist der österreichische Sonderfall. Sie wurde Sechste, hat aber ironischerweise die internationalste Karriere aller hier Genannten gemacht – mit Rollen in „Sturm der Liebe“ und Gastauftritten in Hollywood-Nebenproduktionen. Wer wissen will, wie man tatsächlich Model wird, findet bei Marolt mehr Lehrstoff als bei vielen Gewinnerinnen.
Was GNTM wirklich für eine Modelkarriere bedeutet
Hier wird es ehrlich: Die internationale Modelbranche – Mailand, Paris, New York – nimmt GNTM nicht ernst. Das ist kein Vorwurf, sondern eine strukturelle Realität. Die wichtigsten Agenturen casten über Mother Agencies, Polaroids und Scouts, nicht über Reality-TV. Eine Show, die auf Drama, Tränen und Heidi-Sprüche setzt, signalisiert dem Markt: Entertainment, nicht Mode.
Trotzdem ist GNTM für deutsche Kandidatinnen wertvoller, als viele Branchenstimmen zugeben. Warum? Weil 95 Prozent der Bewerberinnen ohne die Show niemals einen ersten Comp Card bekommen hätten. Wer realistisch ist über die tatsächlichen Modeljobs, weiß: Der deutsche Markt funktioniert anders als der internationale. Hier zählt Sichtbarkeit, Werbe-Affinität, Social-Media-Reichweite. Und genau dafür ist GNTM ein perfekter Beschleuniger.
Der Klassiker an Fehleinschätzungen: Kandidatinnen glauben, nach der Show käme automatisch der Vogue-Cover. Tatsächlich entscheidet sich in den ersten sechs Monaten nach dem Finale, wer wirklich modelt – und wer Influencerin wird. Beides ist legitim. Aber es sind zwei völlig unterschiedliche Berufe.
Der Casting-Realitätscheck: Wie hart die Show wirklich ist
Während TV-Zuschauer nur die Highlights sehen, dauern echte Drehtage 14 bis 16 Stunden. Kandidatinnen werden in Hotels isoliert, Handys werden eingesammelt, Briefe nach Hause werden gefilmt. Das ist Reality-TV-Standard – aber für 18-Jährige, die zum ersten Mal aus dem Elternhaus weg sind, eine extreme Belastung.
„Du denkst, du gehst in eine Modelshow. Aber eigentlich gehst du in ein psychologisches Experiment, in dem zufällig auch fotografiert wird.“ – ehemalige GNTM-Kandidatin in einem Interview
Wer sich seriös vorbereiten will, sollte unsere Tipps zur professionellen Modelbewerbung lesen, bevor er sich für ein Format wie GNTM bewirbt. Und sich vor allem über echte Model-Castings informieren – die laufen nämlich genau umgekehrt zur Show: leise, unspektakulär, in Studios mit weißen Wänden, ohne Kameras.
Die auffälligsten Looks: Was wirklich hängenbleibt
Wir haben Marie und ihre Bookerin Jessica gefragt, welche Kandidatinnen aus Booker-Sicht – also aus Sicht der Menschen, die wirklich Jobs vergeben – im Kopf geblieben sind. Die Antwort war bezeichnend: Es waren nicht die „Schönsten“, sondern die mit dem klarsten Gesicht. Im Modelbusiness gilt das Prinzip „memorable over pretty“. Ein Gesicht muss in einem Casting-Stapel von 200 Polaroids hängenbleiben – innerhalb von zwei Sekunden.
| Kandidatin | Staffel | Was sie auffällig machte | Heutiger Status |
|---|---|---|---|
| Fiona Erdmann | 2 (2007) | Mediterraner Look, starke Persönlichkeit | Lifestyle-Influencerin, Dubai |
| Larissa Marolt | 4 (2009) | Drama-Talent, kantiges Gesicht | Schauspielerin (TV) |
| Natalie Volk | 8 (2013) | Editorial-taugliches Gesicht | Reality-TV, Influencerin |
| Stefanie Giesinger | 9 (2014) | Mädchenhaft, viral-fähig | Eine der wenigen echten Modelkarrieren |
| Céline Bethmann | 12 (2017) | Klare Linien, kommerziell stark | Aktiv in der Branche |
Stefanie Giesinger ist der Sonderfall. Sie hat geschafft, was kaum jemand vor ihr aus der Show heraus geschafft hat: eine seriöse internationale Präsenz, Buchungen für globale Marken, später ein eigenes Imperium aus Buch, Kollektionen und Brand Deals. Wer GNTM als Karrieresprungbrett bewertet, muss sie als Maßstab nehmen – nicht den Durchschnitt.
Was die Modebranche wirklich sucht – jenseits der Show
Heidi Klums Show suggeriert: Body, Walk, Charakter, fertig. Die Realität internationaler Bookings ist filigraner. Agenturen achten auf Schulterbreite (für Jacken), Hüftumfang (für Hosen), Ohrenform (für Schmuck), sogar auf Zahnstellung. Marken wie Dior, Gucci oder Prada casten ihre Show-Models über drei Stationen: Mother Agency, Pariser Bookerin, finaler Casting-Director. GNTM kommt in diesem Prozess nicht vor.
Dafür funktioniert ein anderer Markt umso besser: kommerzielle Kampagnen für deutsche Marken. Wer die Show überlebt, hat eine reelle Chance auf Buchungen für Otto, About You, Zalando oder Pimkie. Das sind keine Vogue-Cover, aber solide Tagesgagen zwischen 1.500 und 5.000 Euro. Eine Karriere lässt sich daraus bauen – wenn man clever ist.
Die internationale Perspektive: Warum GNTM kein Mailand ist
Wer wirklich international modeln will, muss verstehen, dass die Industrie in vier Hauptzentren funktioniert: New York, Paris, Mailand, London. Die Fashion Week Mailand bucht jedes Jahr rund 1.500 Models über 60 Shows – davon vielleicht 5 mit deutscher GNTM-Vergangenheit. Das ist keine Abwertung, das ist Statistik.
Die strukturelle Wahrheit: Eine 16-jährige Polin, die 2024 von einem Scout im Einkaufszentrum entdeckt wird, hat eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit, in einer Prada-Show zu laufen, als eine 22-jährige GNTM-Finalistin.












