Sängerin Adele gründet bald ihre eigene Modelinie
Drei Grammys auf dem Kaminsims, ein Album („21“), das sich über 31 Millionen Mal verkauft hat – und trotzdem soll der nächste große Schritt von Adele nicht auf der Bühne, sondern im Kleiderschrank stattfinden. Laut einem Bericht des britischen „Now“-Magazines arbeitet die Sängerin an einer eigenen Modelinie, und das Konzept dahinter ist ungewöhnlich klar umrissen: keine Red-Carpet-Roben, keine It-Pieces für 19-jährige Influencerinnen, sondern Mode für Frauen, die morgens um sieben Frühstück machen und abends um elf noch E-Mails beantworten. Wer wissen will, wie groß das Spielfeld ist, auf dem sich Adele jetzt bewegt, findet in unserer Übersicht aller Modemarken von A bis Z einen guten Ausgangspunkt.
Warum gerade jetzt? Das Timing hinter Adeles Modelinie
Sängerinnen, die Modelinien gründen, sind nichts Neues – Rihanna hat es mit Fenty vorgemacht, Victoria Beckham hat ihr Pop-Karriere-Image längst hinter sich gelassen, Beyoncé brachte mit Ivy Park eine Athleisure-Marke heraus, die zeitweise bei Adidas residierte. Adele geht einen anderen Weg. Sie zielt nicht auf Sneaker-Drops oder Streetwear, sondern auf eine Lücke, die im Markt tatsächlich klafft: erwachsene, alltagstaugliche Mode für Frauen jenseits der 30, die weder im Boho-Klischee noch in steriler Business-Uniform landen wollen.
Der Zeitpunkt ist klug gewählt. Nach dem Erfolg von „Hello“ und der „25“-Tour ist Adeles Marktwert auf einem Höhepunkt – und gleichzeitig hat sie ihren Sohn Angelo im Alltag, der ihr eine Perspektive auf das Leben echter Mütter gibt, die viele Designer in Paris oder Mailand schlicht nicht haben. Wer einen Blick auf die etablierte Konkurrenz im Premium-Casualwear-Segment wirft, landet schnell bei Häusern wie Donna Karan und DKNY, die seit den 80ern genau dieses Versprechen einlösen: Kleidung, die zwischen Konferenzraum und Kindergarten funktioniert.
Casual, neutral, bequem – das Designkonzept entschlüsselt
Aus dem Bericht lassen sich erste Eckpunkte der Linie herauslesen: weiche Stoffe, neutrale Farbpalette (vermutlich Camel, Schwarz, Off-White, Grau), reduzierte Muster, dafür größenfreundliche Schnitte. Adele soll besonders darauf bestehen, dass die Kollektion in allen Größen erhältlich ist – ein Punkt, der für sie biografisch nachvollziehbar ist, da sie über Jahre offen über ihren Körper und das Modefinden in der Industrie gesprochen hat.
Ein zentrales Stück soll der Poncho werden, ihr persönliches Lieblingsteil im Winter. Ponchos haben im Mode-Mainstream einen schweren Stand, weil sie schnell folkloristisch wirken; die Kunst wird sein, daraus ein Piece zu machen, das nicht nach 2008-Boho-Festival aussieht. Wenn das gelingt, könnte Adele etwas schaffen, was nur wenige Promi-Linien hinbekommen: ein Signature-Stück, das man auch ohne den Namen auf dem Etikett kaufen würde. Ähnliche Statement-Pieces – etwa Kleidung mit Tiermuster als Wiedererkennungselement – haben gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Ikone und Klischee ist.
Das Mütter-Segment: ein unterschätzter Milliardenmarkt
Die Mode-Industrie hat ein Alters-Problem. Über 60 % aller Werbekampagnen großer Labels richten sich visuell an Frauen unter 30, obwohl die kaufkräftigste Zielgruppe statistisch zwischen 35 und 55 liegt. Berufstätige Mütter mit zwei Einkommen geben in Deutschland im Durchschnitt mehr für Kleidung aus als Studentinnen – und finden trotzdem selten Kollektionen, die für ihren Alltag gemacht sind. Adele bedient damit einen Markt, den große Häuser oft als „uncool“ abtun.
Wer sich anschaut, wie diese Lücke aktuell gefüllt wird, sieht zwei Pole: einerseits Massenanbieter wie Zalando und Pimkie, die Trend-Pieces zum kleinen Preis liefern, andererseits Premium-Marken wie Gucci oder Prada, die preislich für Familieneinkommen kaum infrage kommen. Genau dazwischen – das ist das Sweet Spot-Segment, in das Adele zielen dürfte.
Wie sich Promi-Modelinien historisch geschlagen haben
| Künstlerin / Marke | Gründung | Kategorie | Status |
| Victoria Beckham | 2008 | Premium Ready-to-Wear | Etabliert, Vogue-Cover |
| Rihanna / Fenty | 2019 (Mode) | Luxus / LVMH | Mode-Linie 2021 pausiert |
| Beyoncé / Ivy Park | 2016 | Athleisure | Adidas-Deal 2023 beendet |
| Kanye West / Yeezy | 2015 | Streetwear / Sneaker | Adidas-Deal 2022 beendet |
| Adele (geplant) | tbd | Casual / Mütter-Segment | Frühe Konzeptphase |
Die Tabelle zeigt das eigentliche Risiko: Promi-Labels brennen schnell aus, sobald die Schlagzeilen weiterziehen. Wer es schafft, ein eigenes Designprofil aufzubauen, das vom Promi-Faktor unabhängig wird – wie Victoria Beckham es nach Jahren harter Arbeit geschafft hat – überlebt. Wer nur Logo verkauft, verschwindet.
Adeles Style-DNA: was bisher auf dem Red Carpet zu sehen war
Wer Adeles Auftritte der letzten Jahre durchgeht, erkennt eine erstaunliche Konstanz. Schwarze, bodenlange Roben mit reduzierter Silhouette – oft von Burberry, Givenchy oder Jenny Packham. Eyeliner als visuelles Markenzeichen. Keine Statement-Schuhe, keine wechselnden Designer-Affären, kein Kostüm-Roulette. Diese stilistische Disziplin ist eine ungewöhnliche Voraussetzung für eine eigene Linie, weil sie zeigt: Adele weiß, was sie will. Sie folgt nicht jedem Trend, sondern hat einen eigenen Code – das ist die wichtigste Währung im Modebusiness, mehr wert als jede Marketingkampagne.
Wie wir im Artikel zu den großen Mode-Zitaten von Lagerfeld und Chanel zeigen, war es immer die Konsequenz einer Designerin, nicht die Vielfalt, die ein Label langfristig getragen hat. Coco Chanel hat ihr ganzes Leben lang denselben Schnitt verfeinert. Karl Lagerfeld hat sich selbst zur Marke gemacht, indem er nie das schwarze Sakko ausgezogen hat. Adele hat das Potenzial dazu – die Frage ist, ob sie es geschäftlich konsequent umsetzt.
Was eine erfolgreiche Modelinie heute braucht
Ein Promi-Name allein reicht 2024 nicht mehr. Wer eine Marke aufbaut, braucht heute mindestens diese Komponenten:
- Klare Designsprache: Drei bis fünf Pieces, die sofort als „von dieser Marke“ erkennbar sind
- Nachhaltigkeitskonzept: Materialherkunft, Produktionsstandorte, Recycling – ohne das ist eine Neugründung kaum noch verkäuflich
- Größenvielfalt: Mindestens XS bis 3XL, besser noch eine echte inklusive Range
- Direct-to-Consumer-Strategie: Eigener Online-Shop, kein reines Lizenzgeschäft
- Storytelling: Eine Gründungsgeschichte, die über „Promi macht jetzt Mode“ hinausgeht
- Preis-Anker: Realistische Preispunkte, die zum Zielmarkt passen
Adele hat mit dem „Mode für Mütter“-Ansatz einen erzählbaren Kern – das ist mehr, als die meisten Promi-Linien zum Start vorzeigen können. Wenn sie nicht versucht, gegen Christian Dior oder Dolce & Gabbana anzutreten, sondern in ihrer eigenen Nische bleibt, kann das funktionieren.
Der Reality-Check: was schiefgehen könnte
So sympathisch die Idee ist – es gibt drei realistische Stolperfallen. Erstens: die Designer-Frage. Adele wird nicht selbst die Schnittmuster zeichnen, sondern mit einem Designteam arbeiten. Wer dieses Team führt, entscheidet über alles. Rihannas Fenty-Mode scheiterte unter LVMH unter anderem deshalb, weil die kreative Vision in der Konzern-Bürokratie verloren ging.
Zweitens: die Preisfrage. „Casual für berufstätige Mütter“ klingt nach Pragmatismus, aber wenn die Preise dann bei 380 Euro für ein Sweatshirt liegen, kollabiert die Erzählung. Drittens: das Tempo. Mode-Z











