„Du hast die Haare schön“: Nora und Julia von Ingwer trifft Olivia
Köln war 2015 die Stadt, in der die deutsche Modeszene endlich aufhörte, nur nach Berlin zu schielen — und mittendrin standen zwei Bloggerinnen, die sich nach einem Lebkuchengewürz benannt hatten. Nora und Julia, gemeinsam mit ihrer Freundin Christina das Trio hinter Ingwer trifft Olivia, haben sich auf den Cologne Fashion Days nicht einfach durchs Goodie-Bag-Buffet gearbeitet, sondern dort Position bezogen, wo viele Blogger der ersten Stunde ihre Karriere starteten: zwischen Front Row, Showroom und einem Selfie mit dem Lieblingsdesigner. Wer wissen will, wie sich Modeblogging in Deutschland von einem Hobby zu einem Berufsbild entwickelt hat — und warum Köln dabei eine Hauptrolle spielt — ist hier richtig. Eine Übersicht, welche Modemarken dabei in den Schaufenstern standen, gibt es als Bonus dazu.
Wer sind Nora und Julia von Ingwer trifft Olivia?
Drei Freundinnen, ein Blog, ein ungewöhnlicher Name: Ingwer trifft Olivia entstand in Köln aus der simplen Idee, dass Mode, Reisen und Plätzchen-Rezepte in einem digitalen Tagebuch denselben Stellenwert haben dürfen. Nora und Julia sind die Gesichter vor der Kamera, Christina komplettiert das Team. Während andere Blogs der Generation 2013–2016 sich auf einen einzigen vertikalen Nischen-Fokus stürzten — Streetstyle, Highend-Luxus, Curvy Fashion — setzten die drei bewusst auf einen Lifestyle-Mix. Genau das, was heute jeder Instagram-Algorithmus belohnt, war damals noch eine kleine Provokation: Eine Outfit-Story neben einem Beitrag über die schönsten Cafés in Lissabon, gefolgt von einem Rezept für Vanillekipferl.
Diese Mischung funktionierte, weil sie ehrlich war. Wer das Trio in den Cologne-Fashion-Days-Tagen 2015 erlebte, sah keine durchgestylten PR-Bots, sondern drei junge Frauen, die ihre Begeisterung für Mode ungefiltert weitergaben. Auf dem Blog teilten sie Outfits mit Stücken von Diesel, Pimkie und kleineren Kölner Boutiquen — eine Range, die zeigt, dass es ihnen nie um die teuerste Tasche, sondern um die beste Geschichte ging.
Warum Köln 2015 eine echte Modestadt war (und ist)
Wer „deutsche Modestadt“ sagt, denkt zuerst an Berlin. Aber Köln hat eine andere Tradition: Hier sitzen seit Jahrzehnten Designer-Showrooms, Modeagenturen und einige der wichtigsten Einkäufer der Republik. Die Cologne Fashion Days, ins Leben gerufen 2014, waren der Versuch, dieses oft im Hintergrund agierende Mode-Ökosystem sichtbar zu machen. 2015 lief die Veranstaltung im Rheinauhafen — direkt an den Kranhäusern, mit Catwalk-Shows, Designer-Talks und einem Bloggerprogramm, das damals als progressiv galt.
Für Nora und Julia war das ein Heimspiel. Köln ist nicht nur die Stadt, in der sie leben und ihren Blog gegründet haben, sondern auch ein Ort, der Mode anders interpretiert als die Hauptstadt: weniger Avantgarde, mehr Tragbarkeit, dafür mit einer Eleganz, die man eher in Mailand als in Mitte vermutet. Wer einmal die Fashion Week Mailand besucht hat, erkennt, woher die Kölner Designer ihre Inspiration ziehen. Die rheinische Mentalität — herzlich, kommunikativ, nicht zu cool für Smalltalk — hat dabei einen Vorteil, den die Bloggerinnen im Interview betonen: Man kommt mit jedem ins Gespräch. Designer, Models, Einkäufer — auf den Cologne Fashion Days sitzt man eben nicht hinter Glas, sondern teilt sich am Tresen einen Espresso.
Das Interview: Nora und Julia bei FIV
Michelle von FIV traf die beiden während der Cologne Fashion Days und sprach mit ihnen über Highlights, Lieblingsmarken und die Frage, was eine Modemesse heute leisten muss, um relevant zu bleiben.
Jetzt hier das Interview mit Nora und Julia ansehen!
„Köln ist für uns einfach DIE Stadt — hier haben wir den Blog gegründet, hier kennen wir jede Boutique, jeden Designer um die Ecke. Die Cologne Fashion Days fühlen sich an wie ein großes Familientreffen der deutschen Modeszene.“
Die Cologne Fashion Days 2015 in Zahlen
Damit die Größenordnung greifbar wird, hier ein Überblick über die Dimensionen, mit denen Köln 2015 in den Modekalender drängte:
| Aspekt | Cologne Fashion Days 2015 |
|---|---|
| Veranstaltungsort | Rheinauhafen, Kranhäuser |
| Anzahl Shows | Über 20 Designer-Präsentationen |
| Bloggerprogramm | Erstmals offiziell akkreditiert |
| Besucher | Geschätzt 8.000+ Fashion-Interessierte |
| Schwerpunkt | Junge Designer, Pre-Spring Kollektionen |
Auffällig war 2015, dass viele Blogger zum ersten Mal als gleichberechtigte Gäste neben klassischen Print-Redakteurinnen saßen. Was heute Standard ist, war damals ein kleiner Bruch mit der alten Hierarchie — und genau in diese Welle stiegen Nora und Julia ein.
Was deutsche Modeblogs von internationalen Vorbildern unterscheidet
Die große Welle der Modeblogger startete um 2009 in den USA, mit Pionierinnen wie Bryanboy oder Tavi Gevinson. In Deutschland kam die Bewegung ein paar Jahre später an — und entwickelte einen eigenen, leiseren Stil. Während US-Bloggerinnen früh auf Influencer-Verträge mit Gucci oder Prada setzten, blieben deutsche Blogs lange persönlicher, fast tagebuchartig. Ingwer trifft Olivia ist ein gutes Beispiel: Die Mädels haben nie versucht, Chiara Ferragni zu kopieren. Stattdessen gibt es bei ihnen die ehrliche Kombi aus High-Street-Outfits, Reisetipps für Stadttrips und Backrezepten zur Vorweihnachtszeit.
Wie wir im Artikel zu Mode-Zitaten zeigen, sagte Karl Lagerfeld einmal sinngemäß, Mode sei nichts ohne den Menschen, der sie trägt. Dieser Satz beschreibt deutsche Blogs der Gründerzeit ziemlich gut: Hier ging es nie nur um die Kleidung, sondern immer um die Person dahinter. Wer ein Jeans-Outfit aus dem Sale stylte und im Beitrag erzählte, wo es die besten Frittenbude Kölns gibt, war glaubwürdiger als jede Hochglanzkampagne.
Modeblogs als Karriere: Vom Hobby zum Beruf
Was 2012 als Spaßprojekt begann, ist heute eine eigene Branche. Influencer-Marketing macht in Deutschland mittlerweile einen Markt im hohen dreistelligen Millionenbereich aus. Aber: Nicht jeder Blog hat den Sprung geschafft. Viele der einst gefeierten Plattformen sind heute verschwunden oder laufen nur noch sporadisch. Wer überlebt hat, hat entweder konsequent professionalisiert (eigene Mitarbeiter, GmbH, Mediakit) oder eine treue Community gehalten, die auch durch Algorithmus-Updates standhält.
Für junge Frauen, die heute über eine ähnliche Karriere nachdenken, lohnt sich ein Blick auf verwandte Wege: Wer eher vor der Kamera überzeugen will, findet Inspiration im Bereich Model werden oder bei den Geschichten der GNTM-Staffeln. Für alle, die Mode lieber kuratieren als tragen, sind Plattformen wie Zalando oder die kleinere, junge Marke NA-KD spannende Karriere-Anknüpfpunkte. Und wer den Schritt in die internationale Modeszene plant, sollte sich frühzeitig mit Hubs wie New York oder Mailand vertraut machen.
Was bleibt von Ingwer trifft Olivia?
Die Geschichte von Nora, Julia und Christina steht stellvertretend für eine ganze Generation deutscher Modeblogs — diejenige, die ohne TikTok, ohne Reels, ohne Affiliate-Profi-Tools angefangen hat. Drei Freundinnen, eine Domain, ein klarer Wille, die eigene Begeisterung mit anderen zu teilen. Genau diese Authentizität ist es, die heute, in Zeiten KI-generierter Mode-Content-Mühlen, wieder mehr zählt denn je. Die Cologne Fashion Days 2015 waren für sie nicht nur ein Event, sondern ein Heimspiel — und zugleich der Beweis, dass deutsche Mode auch ohne Berliner Hauptstadt-Glanz funktionieren kann.
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