Warum scheitern Startups? 90% scheitern in den ersten 5 Jahren – Top 11 Gründe

Eines der absoluten Lieblingsthemen der Zuhörern sind die Gründe des Scheiterns. Woran liegt das genau, dass neun von zehn Start Ups es nicht schaffen bestehen zu bleiben? Bei einem Blick auf die Analyse von CB Insight zeigen sich die 20 größten Fehler von Start Ups. Du möchtest mehr zum Thema erfahren? Lies hier: Scheitern – Persönliche Erfahrungen und Beispiele (ua. mit der Story von Jeff Bezos [Gründer: Amazon]).

Scheitern – Top 11 Gründe

Los geht´s! Hier sind die Top 11 Gründe warum so viele Start Ups in den ersten 5 Jahren scheitern:

Platz 1 – Der Markt braucht sie nicht

Das dritte Burger Restaurant in der Straße, eine weitere Marke, die Cola im Getränkehandel anbietet, eine neue Automarke mit Verbrennungsmotor, die ganz vorne mitmischen will. Wer braucht das? Niemand! Deshalb ist der fehlende Markt auch Nummer eins wenn es um das Scheitern von Start Ups geht. Dein Produkt scheitert, weil kein Bedarf dar ist.

Platz 2 – Das Geld geht leer

Der absolute Klassiker und auch hier häufig erwähnt: Finanzen müssen immer solide geplant und natürlich auch im operativen Geschäft gehandhabt werden. Wer Projekte falsch berechnet, der kommt schnell in Zahlungsnot. Wenn dieser Punkt einmal erreicht ist, gibt es anders als bei Privatpersonen, kaum Fristen und erst recht keinen Aufschub. Du hast die Miete nicht bezahlt? Der Gewerbevermieter kann dich quasi sofort verklagen, wenn Zahlungserinnerung und Mahnung durch sind. Mitarbeiter werden nicht bezahlt? Sie sind verständlicherweise schneller weg, als du gucken kannst. Der Lieferant bekommt sein Geld nicht? Dann bekommst du keine Ware mehr. Keine Ware, keine Lieferung, kein Umsatz. Finanzielle Probleme, die Nummer zwei in der Liste der Gründe warum Start Ups scheitern.

Platz 3 – Das falsche Team

In punkto Personal gibt es natürlich viel zu beachten, am Ende kommt es aber auf den Unternehmer an und auf die richtige Entscheidung, wer im Team sein sollte und wer nicht. Wenn diese Entscheidungen schon grundsätzlich falsch getroffen werden und die falschen Personen, ohne die richtigen Kenntnisse, mit fehlender Motivation eingestellt werden, kann ein Projekt auf Dauer scheitern. Schließlich kostet die Person Geld und letztendlich wird nichts erwirtschaftet, deshalb entstehen Folgekosten, durch entgangene Gewinne. Dein Team muss deshalb  gut ausgesucht, eingelernt sein und praktisch Performance liefern können.

Platz 4 – Die Konkurrenz macht dich fertig

Klingt hart, ist aber so! Besonders im Bereich Software sind die Möglichkeiten der Übernahme von Konzepten schnell. Natürlich gilt dies auch für einfache Produkte, durch Produzenten in Fernost lassen sich jegliche Art von Produkten, wenn man das nötige Kleingeld hat, kopieren.

Ein Freund von mir hatte einen erfolgreichen Müsliriegel. Ca. 15 Monate nach Gründung kam dasselbe Produkt von einem großen Hersteller auf dem Markt. Die direkte Konkurrenz stand über Nacht in allen Supermarktregalen. Der Name, fast identisch. Die Zusammensetzung, gleich. Die Aufmachung, gleich. Als Start Up gegen den internationalen Lebensmittelkonzern zu konkurrieren, ist eine große Herausforderung. Konkurrenz kann das Geschäft schnell zerstören, gerade wenn die Geschäftsidee besonders leicht zu übernehmen ist. Deshalb braucht es einen guten Unternehmer, der komplett hinter dem Ganzen steht, Erfahrungen hat und weiß, wie man die eigenen Defizite ausgleicht und die eigene Marke geschickt neben dem Konkurrenzprodukt positioniert. Am Ende auch eine absolute Erfolgsgeschichte, verkauft!

Platz 5 – Scheitern durch Preis und Kosten

Die Preise von Produkten festzulegen ist mit unter nicht einfach! Je schwieriger quantifizierbar ein Produkt ist, desto komplexer wird die Preisberechnung. Eine Schraube beispielsweise lässt sich ziemlich genau quantifizieren. Ein bestimmter Materialpreis, eine bestimmte Produktionszeit, bestimmte Strom- und Personalkosten. Letztendlich steht eine genaue Zahl von 0,37 Euro netto pro Schraube im Verkauf. Wer ein Start Up im Bereich Influencer Marketing eröffnet, der hat es wesentlich schwieriger. Wie genau lassen sich zwei Postings plus eine Story, von einer bestimmten Person, mit einer bestimmten Anzahl an Followern, einer individuellen Anzahl an Interaktionen, berechnen? Jedes Angebot verschlingt dementsprechend sehr viele Kosten und Zeit. Den richtigen Preis zu finden, sodass Kunden zugreifen, dein Job. Letztendlich kann es genau daran scheitern. Im gleichen Teil spielen die Kosten für Beschaffung, z.B. für Material, hinzu. Wer es nicht schafft über die Zeit, die Kosten zu senken, dessen Gewinne werden nicht, oder sehr schleppend steigen. Der Gewinn liegt im Einkauf!

Platz 6 – Dein Produkt ist schlecht

Ehrlich aber wahr, dein Produkt kann auch einfach nur schlecht sein! Die Verarbeitung stimmt nicht, die Qualität, die Dauer der Haltbarkeit ist schlecht, vielleicht erntest du aber auch einfach nur einen Shitstorm, weil dein Produkt aufgrund einer Eigenschaft, die zuvor nicht bedacht wurde, in Verruf gerät. Alles hat gestimmt und am Ende war nur ein Detail ausschlaggebend dafür, dass das gesamte Geschäftsmodell in sich zusammenfällt. Gleiches kann natürlich auch passieren, wenn du in einer bestimmten Zeit nicht mit deinen Konkurrenten mithalten kannst. Wenn z.B. eine neue Branche eröffnet wird, wie damals der Busverkehr in Deutschland oder seit einiger Zeit die E-Roller, dann ist die Entwicklung im Markt extrem schnell. Geschäftsmodelle passen sich innerhalb von wenigen Wochen an, nach ein oder zwei Jahren verschmelzen die ersten Konkurrenten und nach drei oder vier Jahren bereinigt sich der Markt schon von selbst. Wenn dein Produkt nicht schnell genug im Markt mithalten kann, kaufen die Leute bei der Konkurrenz.

Platz 7 – Lücken und Fehler in einem Geschäftsmodell

Hier gibt es ein gutes Best-Practice-Modell aus den Vereinigten Staaten. Ein großes Musikfestival, mit großen Investoren. Location des mega Festivals sollte die Insel des ehemaligen Drogenbarons Pablo Escobar sein. Mit der Familie war alles besprochen, die Insel durfte, unter der Bedingung dass keine Werbung mit dem Namen der Familie gemacht wird genutzt werden. Natürlich wurde genau das gemacht und direkt im ersten Werbespot damit geworben, dass das Festival auf der ehemaligen Privatinsel von Pablo Escobar stattfindet. Spontan war der Vertrag für die Location hinfällig und damit ist das gesamte Festival ins Wasser gefallen. Die Neuorganisation innerhalb von wenigen Wochen somit unmöglich. Schließlich war es (zumindest angekündigt) als das größte Festival der Welt. Mit Millionen finanziert, wurde es jetzt zum absoluten Debakel. Eine Klausel, die alles zum Scheitern brachte.

Genauso kann es aber auch ein Finanzanlage-Produkt sein. Statt Gewinne auf dem Bankkonto bei Nullzinsen zu belassen, willst du sie gewinnbringend anlegen. Marktschwankungen wurden nicht in die Planung miteinberechnet. Plötzlich gibt es eine Delle, weltweit und aufgrund von Handelskonflikten. Der Preis geht kurzzeitig in den Keller. Option A:  Du verkaufst deine Papiere trotzdem, um die Mitarbeiter für diesen Monat bezahlen zu können. Verkaufen willst du aber auch nicht, denn dein Kapital ist an das Finanzprodukt gebunden. Option B: Du hältst die Papiere im Portfolio, denn nächste Woche könnten die Kurse schon wieder steigen. Was jetzt zu tun ist, ist beim besten Willen keine leichte Frage.

Platz 8 – schlechtes Marketing

Schon der legendäre Henry Ford – er revolutionierte damals die Fließbandarbeit und damit die Automobilindustrie – sagte, „für jeden Dollar, den du in dein Produkt steckst, musst du einen weiteren bereithalten, um dein Produkt bekannt zu machen“. Viele investieren Unsummen in das Geschäftsmodell, Logistik, Lagerung und Personal. Dabei vergessen sie, dass sich das Produkt am Ende verkaufen muss – Wie viel Platz und wie viele finanzielle Mittel räumst du deinem Marketing ein? Verkauf findet nur statt, wenn die Menschen mit deinem Produkt, oder deiner Dienstleistung unmittelbar in Berührung kommen und zufrieden sind. Du kannst eine geniale Idee haben aber wenn die richtigen Personen nicht davon hören, wird das ganze Geschäftsmodell scheitern.

Tipp! Insbesondere Multiplikatoren sind wichtig, Experten und Menschen mit einer großen Community. Doch auch diese müssen erreicht werden, überzeugt oder gebucht. Es lohnt sich aber Zeit in solch einzelne, reichweitenstarke Personen zu investieren, denn sie erreichen potenziell wesentlich mehr Menschen, als herkömmliche Marken-Fürsprecher. Im Restaurant ist es das gratis Dessert für den Blogger, im Onlineshop das persönliche Anschreiben für die Bestellung eines Magazins. Denn natürlich gehst du davon aus, dass es sich bei der Bestellung um einen Test handelt. Bei dir bestellt eine prominente Person, oder ein Management? Auch hier sollte ein persönliches Anschreiben dabei liegen oder ein paar gratis Produkte, sonst fühlt sich keiner wirklich angesprochen. Mit etwas Glück erwähnt dich die Person dann z.B. bei Instagram oder wird zum Stammkunden und bestellt regelmäßig bei dir.

Platz 9 – Kunden und Meinungen ignorieren

Kritik, insbesondere konstruktive Kritik, ist für dich als Unternehmer Gold wert. Wenn du Kritik positiv verstehen willst, dann sehe sie doch einfach mal als kostenlose Marktforschung. Personen nehmen sich Zeit um dein Produkt anzuschauen, es zu testen. Am Ende geben sie sogar eine Bewertung ab. Learnings, die man in den gesamten Produktentwicklungsprozess aber auch den Entwicklungsprozess der eigenen Marke und der eigenen Services mit einbeziehen sollte. Die wenigsten Leute bewerten Produkte oder Dienstleistungen nach einer einmaligen Verwendung. In der Regel greift der Konsument beim nächsten Kauf einfach auf ein Konkurrenzprodukt zurück, eine Situation, die es unbedingt zu verhindern gilt. Deshalb ist es so wichtig auf die Meinung der Kunden zu reagieren und diese gegebenenfalls auch in den eigenen Entwicklungsprozess mit einzubeziehen und direkten Kontakt.

Tipp! Reagiere auf jede Bewertung und jeden Kommentar. Egal, ob es der Algorithmus in einer Suchmaschine ist, oder der in einem sozialen Netzwerk, die eigene Interaktion wird gemessen. Je schneller du also auf Anfragen bzw. Bewertungen und Kommentare von Nutzern reagierst, desto höher steigst du im Ranking.

Platz 10 – Der falsche Zeitpunkt

Manche Investitionen können auch zu früh getätigt werden, genauso wie Firmen zu früh gegründet werden können. Trends entstehen und vergehen aber auch innerhalb kürzester Zeit. Wer zum Beispiel auf Amazon mitspielen will und hier Trendprodukte ständig neu platziert, der muss auf der Hut sein, was das Timing angeht. In diesem Jahr wird der „Flamingo für den Swimmingpool“ vielleicht kein Trend mehr sein und du bleibst auf 5.000 Stück sitzen. Unter Umständen war dein Produkt sogar zu Sommerbeginn im Trend, aber durch den ständigen Regen im Hochsommer flaute der Trend und damit der Verkauf wieder ab. Nächstes Jahr wird es vielleicht durch den Post eines Influencers zum ultimativen Trend. Nicht alles liegt in deiner Hand, manches musst du einfach so nehmen, wie es kommt.

Der falsche Zeitpunkt kann zu früh, aber definitiv auch zu spät gewählt sein! Deshalb sind die Marktanalysen und auch deine Einschätzung der Marktentwicklung extrem wichtig. Wenn du über den perfekten Zeitpunkt nachdenkst. Bis die Entwicklung und die Organisation komplett durch sind, sodass du tragfähig im Markt agieren kannst, können von Ideenfindung, über Finanzierung, bis hin zu den ersten Kunden, Monate vergehen. Während ein Produkt heute noch total angesagt ist, kann es in ein paar Monaten schon wieder „out“ sein. Bedenke also auch die zyklische Bewegung von saisonalen Geschäften, Trends und auch Produkt-Halbwertszeiten.

Platz 11 – Du verlierst den Fokus

Bei Punkt Nummer 11 fühle ich mich immer wie zu Hause! Nachdem ich ultimativ die Entscheidung getroffen habe Unternehmer mit Personal, Büros und internationalen Beziehung zu werden, habe ich mich zwei Jahre fokussiert. Vorher habe ich für viele andere Firmen gearbeitet, sozusagen als Ein-Mann-Werbeagentur. Über 100 Projekte habe ich gemacht, dabei spreche ich nur von den größeren, nicht von ca. 100 Pizza Flyern am Anfang und insgesamt wahrscheinlich 400 Logos, von iBeacon Technologie, bis hin zur Pharma Branche, Automobil Tuning und Szene Clubs. Aus dieser vielfältigen Arbeit war es wirklich schwer sich zwei Jahre auf ein Projekt zu fokussieren. Natürlich habe ich nicht nur das, in der Zeit gemacht, nebenbei habe ich direkt noch ein Modemagazin als Satelliten Projekt für die Modelagentur aufgezogen und kurze Zeit später, aufgrund der aufkommenden Anfragen für Influencer Marketing, eine Social Media Agentur. Allein Anfang diesen Jahres, drei Buchveröffentlichungen, Immobilienportal und Investment in die Musikbranche. Am liebsten würde ich direkt noch 20 weitere Projekte machen und Start Ups gründen! Aber Stopp! Hier fällt mir immer Grund Nummer 11 des Scheiterns ein, du verlierst den Fokus.

Das heißt für mich: Weniger neue Baustellen, lieber ein großes Hochhaus, Stein für Stein aufbauen. Mein eigener, täglicher kleiner Kampf! Als kleine Inspiration habe ich mir irgendwann am Abend ein leeres DIN A4 Blatt geschnappt. Darauf stehen nur zwei Buchstaben. Die Kürzel von dem Unternehmen, auf dass ich mich (im Verhältnis, am meisten) fokussieren will. Es klebt seit einem Jahr über meinem Bett, so dass ich es jeden Morgen und jeden Abend sehe und mich jedes Mal aufs Neue dran erinnern kann, worauf mein Fokus liegt.

Die meisten scheitern allerdings an wesentlich grundlegenden Dingen! In der Regel setzten sie die falschen Prioritäten, zu viel Party, zu viel Freizeit, zu wenig aktive Arbeiten. Wer sich zu sehr auf die eigene Freizeit fokussiert und zu wenig auf das Unternehmen, der geht KO.

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