Modemarken mit Y – Yves Saint Laurent, Yohji Yamamoto und Y3
Wenn Yves Saint Laurent 1966 nicht den Smoking für Frauen erfunden hätte, würde die weibliche Garderobe heute anders aussehen — und Yohji Yamamoto, der zwei Jahrzehnte später mit zerrissenen, schwarzen Silhouetten die Pariser Laufstege schockierte, wäre vermutlich nie in dieselbe Kategorie wie YSL gerückt worden. Modemarken mit Y sind eine kleine, aber strategisch entscheidende Liga: drei dieser Namen haben die Mode des 20. und 21. Jahrhunderts massgeblich mitgeschrieben, der Rest sind spannende Nischenplayer, die man kennen sollte. In unserer alphabetischen Übersicht aller Modemarken ist der Buchstabe Y der mit den vielleicht spannendsten Gegensätzen — französische Couture trifft japanischen Avantgardismus trifft Streetwear-Crossover.
Yves Saint Laurent: Der Mann, der die Frauenmode erwachsen machte
Yves Henri Donat Mathieu-Saint-Laurent wurde 1936 in Oran, Algerien geboren und übernahm mit gerade einmal 21 Jahren die künstlerische Leitung von Christian Dior — nach dem plötzlichen Tod des Gründers. Was danach kam, ist Modegeschichte: 1962 gründete er sein eigenes Haus, 1966 folgte „Le Smoking“, der erste Hosenanzug für Frauen im klassischen Männerschnitt. Heute ist das selbstverständlich, damals war es ein Skandal. Restaurants wiesen Frauen ab, die in YSL-Smoking erschienen.
YSL — heute unter dem Kürzel Yves Saint Laurent mit der berühmten Cassandre-Verschlingung — ist seit 1999 Teil des Kering-Konzerns, zu dem auch Gucci gehört. Unter Hedi Slimane wurde die Marke 2012 in „Saint Laurent Paris“ umbenannt (die Beauty-Linie heißt weiter YSL), Anthony Vaccarello führt sie seit 2016 mit klarer Handschrift: schwarze Lederjacken, scharf geschnittene Blazer, sexy Minikleider. Wer heute eine Cassandre-Tasche, ein Paar Tribute-Sandalen oder ein klassisches Tuxedo-Jacket besitzt, trägt ein Stück Mode-DNA, die ohne Yves Saint Laurent schlicht nicht existieren würde.
Yohji Yamamoto: Der japanische Anti-Designer
Wenn YSL die Eleganz perfektionierte, dann hat Yohji Yamamoto sie 1981 mit seiner Pariser Debütschau bewusst dekonstruiert. Geboren 1943 in Tokio, erzogen von einer alleinerziehenden Schneidermutter (sein Vater fiel im Zweiten Weltkrieg), studierte Yamamoto Jura, bevor er sich der Mode zuwandte. Seine erste Pariser Show — gemeinsam mit Rei Kawakubo (Comme des Garçons) — wurde von der französischen Presse als „Hiroshima Chic“ verspottet: oversized, asymmetrisch, fast ausschließlich schwarz, mit Löchern und unverarbeiteten Säumen.
Heute gilt genau diese Kollektion als Wendepunkt der Modegeschichte. Yamamoto hat das westliche Schönheitsideal — körperbetont, bunt, jung — durch eine japanische Ästhetik des Wabi-Sabi ersetzt: das Schöne im Unvollkommenen. „Ich denke, Perfektion ist hässlich“, sagt er bis heute. Wer einmal einen Yohji-Mantel anprobiert hat, versteht den Unterschied: Der Stoff fällt nicht auf den Körper, er hüllt ihn ein. Yamamoto kleidet nicht den Körper, er kleidet die Person dahinter.
„In meinen Augen ist Schwarz bescheiden und arrogant zugleich. Faul und einfach — aber mysteriös. Schwarz kann alles sagen.“ — Yohji Yamamoto
Y-3: Wenn Sportswear auf Couture trifft
2002 passierte etwas, das es vorher in dieser Form nicht gab: Adidas und Yohji Yamamoto gründeten gemeinsam die Marke Y-3 — das Y für Yohji, die 3 für die drei Streifen von Adidas. Es war eine der ersten echten Designer-Sportswear-Kooperationen der Moderne und legte das Fundament für später folgende Crossovers wie Adidas x Stella McCartney oder die zahllosen Nike-Designerprojekte. Y-3 verkauft hochpreisige Sneaker (300–800 Euro), technische Jacken und oversized Hoodies — eine Mischung, die heute „Luxury Streetwear“ heißt, damals aber noch ein Wagnis war.
Wie wir im Artikel zu den wichtigsten Jeansmarken zeigen, ist diese Verschmelzung von Casual und Couture längst zum dominanten Modecode geworden — Y-3 hat sie miterfunden. Auch Puma arbeitet inzwischen regelmäßig mit Designern wie Rihanna oder June Ambrose; was 2002 noch eine kleine Revolution war, ist heute Branchenstandard.
Die kleineren Y-Marken: Von Y.A.S. bis Yuzefi
Neben den drei großen Y-Namen gibt es eine ganze Reihe spannender kleinerer Labels — manche Mainstream-tauglich, manche absolute Insider-Tipps:
| Marke | Herkunft | Spezialität |
|---|---|---|
| Y.A.S. | Dänemark | Skandinavische Mode, Bestseller-Group (auch Vero Moda, Only) |
| Yellow Cab | Italien | Vintage-inspirierte Boots & Sneaker im Used-Look |
| Yigal Azrouël | USA | New Yorker Designer, drapierte Jersey-Kleider |
| Yumi | UK | Verspielte Print-Kleider, Retro-Optik |
| Yuzefi | UK/Iran | Skulpturale It-Bags, Liebling der Streetstyle-Fotografen |
| Yosi Samra | USA | Faltbare Ballerinas, ein Gigi-Hadid-Favorit |
| YOGISTAR | Deutschland | Yoga-Bekleidung & Equipment, sehr nachhaltig orientiert |
Komplette Liste: Modemarken mit Y
Hier alle Marken, die mit Y beginnen — vom Couture-Haus bis zum Streetwear-Newcomer:
- Y.A.S.
- Y-3
- Yakkay
- Yellow Cab
- Yenikolka
- Yeojin Bae
- Yigal Azrouël
- yippie hippie
- YOGISTAR
- Yohji Yamamoto
- Yosi Samra
- Young Couture by Barbara Schwarzer
- Young Poets Society
- Young Spirit
- Youthshots by Dr. Fach
- Yù Beauty
- Yulyaffairs
- Yumi
- Yuzefi
- Yves Saint Laurent
Welche Y-Marke passt zu welchem Stil?
Wer den klassischen Pariser Chic sucht — schwarzer Smoking, schmale Lederhose, scharf geschnittener Blazer — kommt an Saint Laurent nicht vorbei. Es ist die Marke für Menschen, die Mode als Kraftakt begreifen, nicht als Versteck. Yohji Yamamoto dagegen ist die Wahl für alle, die das Gegenteil von Statement-Dressing wollen: weite Schnitte, dunkle Farben, das Gefühl, in einem Stück Architektur statt in Kleidung zu stecken. Y-3 schließlich ist der Kompromiss für die, die abends nicht in den Club gehen, sondern direkt vom Flughafen ins Meeting — performance-orientiert, aber mit Designeranspruch.
Im Vergleich dazu sind Y-Marken aus dem mittleren Preissegment wie Y.A.S. oder Yumi eher für den Alltag gemacht. Sie spielen in derselben Liga wie Pimkie oder die Marken bei Zalando — gut für saisonale Trends, ohne dass man gleich vierstellig investieren muss. Wer auf der Suche nach Luxustaschen ist, sollte Yuzefi auf dem Schirm haben: Die geometrischen Bag-Designs werden seit 2018 regelmäßig von Streetstyle-Fotografen vor den Schauen der Mailänder Fashion Week abgelichtet und gelten als die nächsten It-Bags.
Warum gerade Y-Marken die Branche prägen
Es ist kein Zufall, dass drei der einflussreichsten Designer der Modegeschichte mit Y beginnen. Yves Saint Laurent öffnete die Frauenmode für die Hose, das Safari-Jacket und die Designs der Mondrian-Ära. Yohji Yamamoto öffnete die westliche Mode für japanischen Minimalismus und etablierte Schwarz als die intelligenteste aller Farben. Y-3 öffnete den Luxusmarkt für Sneaker — eine Idee, die heute Milliardenumsätze generiert und ohne die Nike-Designerkollaborationen oder die Sportlinien von Dolce & Gabbana nicht denkbar wären.
Wer tiefer in die Welt der Modemarken einsteigen will, findet in unseren weiteren alphabetischen Listen zusätzliche Inspiration: Modemarken mit D wie Dior, Diesel und Dolce & Gabbana,











