Exklusiv Interview mit Suede Brooks aus Los Angeles über Beauty und Fashion

Mit zwölf wurde Suede Brooks in der Schule so massiv gemobbt, dass sie aufhörte, zur Schule zu gehen — und stattdessen einen YouTube-Kanal startete. Heute, ein knappes Jahrzehnt später, sitzt sie auf den Front Rows von Marc Jacobs, läuft für Sephora-Kampagnen, fährt Lexus-Modelle vor und gilt in Los Angeles als eines der prägendsten Gesichter einer Influencer-Generation, die Mode nicht mehr aus Vogue-Redaktionen, sondern aus Schlafzimmern in Calabasas heraus definiert. Fabian Arnold hat sie für FIV vor die Kamera bekommen — und das Gespräch zeigt, warum Suede Brooks mehr ist als ein weiteres LA-It-Girl. Wer sich für die Mechanik hinter solchen Karrieren interessiert, findet in unserem Guide zum Model-werden einen guten Einstieg in die Spielregeln dieser Branche.

Vom Mobbing-Opfer zur Markenbotschafterin: Die Geschichte hinter MSFTxGYPSY

Der ursprüngliche YouTube-Kanal-Name lautete „MSFTxGYPSY“ — eine Anspielung auf das Wort „misfit“, auf Deutsch: Außenseiter. Es ist kein Zufall, dass Suede genau diesen Namen gewählt hat. In einem Alter, in dem andere Mädchen Hausaufgaben machen, drehte sie Beauty-Tutorials in ihrem Kinderzimmer in Los Angeles und sprach über Anti-Mobbing — ein Thema, das sie bis heute nicht aus der Hand gibt. Bei jedem zweiten Interview, jedem Panel, jeder Q&A bringt sie es zur Sprache. Das ist kein Marketing-Move, das ist Biografie.

Was ihre Geschichte für die Modebranche relevant macht: Suede gehört zu der ersten echten „Influencer-Generation“, die nicht über klassische Castings, sondern über Reichweite, Authentizität und Community-Building in die großen Häuser gespült wurde. Die Adidas-Kooperation, der Marc-Jacobs-Deal, die Sephora-Kampagnen — all das wäre vor 2015 über klassische Model-Jobs und Agenturen gelaufen. Heute läuft es über DM, Vertragsverhandlung per E-Mail und einen Manager in Beverly Hills.

Der Style: Warum LA-Streetstyle gerade die Pariser Couture frisst

Suedes Stil ist ein Lehrstück in dem, was Branchenkenner „West Coast Layering“ nennen: Vintage-Levi’s, oversized Bandshirts, dazu ein Paar Hightops oder schmale Louboutin-Pumps mit roter Sohle für den Abend. Sie mixt Streetwear mit Couture, Thrift mit Designer, und genau das ist es, was Marc Jacobs, Sephora und Nike an ihr lieben. Die Mode-Houses haben verstanden: Die Generation Z kauft keine kompletten Looks mehr, sie kauft Einzelteile, die sie remixen kann.

Vergleicht man Suedes Instagram mit dem klassischen Editorial-Look europäischer Magazine, fällt etwas auf: Es gibt keine erkennbaren Saison-Drops mehr. Während bei Christian Dior oder Gucci noch in Spring/Summer und Fall/Winter gedacht wird, postet Suede saisonal entkoppelt. Ein Vintage-Stück aus 2003 neben einem aktuellen Prada-Look. Diese Zeitlosigkeit ist die eigentliche Revolution — und die LVMH-Konzerne ziehen mittlerweile nach.

Das Interview: FIV trifft Suede Brooks

„I started YouTube because I needed somewhere to be myself. School wasn’t that place. The internet became my safe space — and then, somehow, my career.“

Im Gespräch mit Fabian Arnold spricht Suede über den Moment, in dem sie merkte, dass aus dem Hobby ein Beruf geworden war: die erste bezahlte Kooperation, die erste Front-Row-Einladung, das erste Mal in einer offiziellen Kampagne. Sie erzählt offen über die Schattenseiten — den Druck, den ständigen Vergleich, die Hate-Comments, die nie aufhören, egal wie groß man wird. Und sie erklärt, warum sie sich bewusst gegen den Move nach New York entschieden hat: Los Angeles sei „kreativer, langsamer, ehrlicher“. Wer den NYC-Vergleich selbst ziehen will, dem sei unser New York Mode & Shopping Guide empfohlen — der Kontrast zur Westküste ist tatsächlich greifbar.

Beauty: Was Suede Brooks wirklich benutzt

Sephora ist nicht nur Werbepartner — Suede ist regelmäßig in den Sephora-Stores in West Hollywood unterwegs und kuratiert dort sogenannte „Top Picks“. Im Interview verrät sie ihre tatsächliche Routine, und die ist überraschend reduziert: Cleanser, Vitamin-C-Serum, Sonnencreme. Punkt. Keine 12-Step-Korean-Routine, kein Hype um neue Säuren. „Skin first, makeup second“ — ein Mantra, das in der amerikanischen Beauty-Szene gerade Konjunktur hat und das wir auch in unseren Stories über Dior Beauty immer wieder beobachten.

Bereich Suedes Ansatz Klassischer Influencer-Ansatz
Skincare 3 Produkte, konsequent 10+ Produkte, wechselnd
Make-up Natürlich, „no-makeup-makeup“ Voller Glam, Contouring
Fashion Vintage + Designer-Mix Komplette Saison-Looks
Content Wenig, aber erzählerisch Täglich, performance-orientiert
Kooperationen Selektiv (Adidas, Marc Jacobs, Lexus, Sephora) Breit gestreut

Adidas, Lexus, Marc Jacobs: Wie Suede Kooperationen auswählt

Wer sich Suedes Partnerliste anschaut, erkennt ein Muster: Sie macht keine Massen-Deals. Im Schnitt zwei bis drei große Kooperationen pro Jahr, dafür mit langfristiger Bindung. Das ist branchenuntypisch — und genau deshalb funktioniert es. Diesel, Puma und Dolce & Gabbana arbeiten mittlerweile nach demselben Prinzip mit ihren Top-Influencern: weniger Posts, mehr Tiefe, mehr Storytelling.

Bei der Auswahl achtet Suede laut Interview auf drei Kriterien: erstens Markenfit (würde sie das Produkt auch ohne Geld tragen?), zweitens kreative Freiheit (darf sie selbst entscheiden, wie der Content aussieht?), drittens Werte (steht die Marke für etwas, das mit ihrem Anti-Mobbing-Aktivismus vereinbar ist?). Wer Lexus zwischen Adidas und Marc Jacobs sieht und sich wundert: Der Autobauer hat in den letzten fünf Jahren massiv in Lifestyle-Influencer investiert, weil er das junge Publikum klassisch über TV-Werbung nicht mehr erreicht.

Was Suede Brooks von der nächsten Generation unterscheidet

2024 ist Influencer-Sein kein Goldrausch mehr — es ist ein gesättigter Markt mit hohen Einstiegshürden, sinkenden CPMs und einer Algorithmus-Lotterie. Wer heute neu startet, hat es ungleich schwerer als jemand, der wie Suede 2013/2014 begonnen hat. Trotzdem zeigt ihre Geschichte etwas Universelles: Authentizität schlägt Strategie. Sie hat nie versucht, jemand zu sein, der sie nicht ist. Genau deshalb ist sie heute relevant, während viele ihrer damaligen Peers längst verschwunden sind.

Wie wir im Artikel zu Model-Castings zeigen, hat sich auch das klassische Modeln in den letzten zehn Jahren grundlegend gewandelt — Agenturen scouten heute aktiv auf Instagram und TikTok, statt nur auf Streetcastings zu setzen. Suede Brooks ist sozusagen der Prototyp dieser neuen Hybrid-Karriere: halb Model, halb Creator, halb Markenbotschafterin, halb Aktivistin.

Ihre Zukunft: Eigene Marke statt nächste Kollaboration?

Im Interview deutet Suede an, dass sie an einer eigenen Marke arbeitet — Details bleiben vage, aber zwischen den Zeilen klingt es nach einer Kombination aus Beauty und Lifestyle. Das ist der logische nächste Schritt für Influencer ihrer Größenordnung: Statt fremde Marken zu bewerben, eigenes Produkt aufbauen. Rihanna hat es mit Fenty vorgemacht, Hailey Bieber mit Rhode, Selena Gomez mit Rare Beauty. Der Markt ist heiß umkämpft, aber die Margen sind ungleich höher als bei Kooperationen.

Was Suede dabei hilft: Sie hat eine Community, die ihr seit über einer Dekade folgt. Diese Loyalität lässt sich nicht kaufen, nicht performen, nicht advertisen. Sie ist organisch entstanden — aus dem ursprünglichen Versprechen eines zwölfjährigen Mädchens, einen Safe Space im Internet zu schaffen.

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