Fashion Week Termine – Datum für London, New York, Berlin, Mailand und Paris

300.000 Fachbesucher in Paris, 50.000 in Berlin – allein diese Zahl erklärt, warum die Modewochen längst keine Gleichberechtigung kennen. 1943 erfand die amerikanische Modeagentin Eleanor Lambert die New York Fashion Week, nicht aus Vision, sondern weil der Zweite Weltkrieg US-Journalistinnen die Reise nach Paris unmöglich machte. Was als Notlösung begann, wurde zur Institution. Heute bewegen die Modewochen der „Big Four“ Milliarden, formen Karrieren und setzen Trends, bevor sie die Läden erreichen. Wer die Reihenfolge der Städte versteht – und die knallharte Handelslogik dahinter –, liest den Modemarkt anders.

Fashion Week Kalender: Termine, Reihenfolge und die Logik dahinter

Die Modewochen folgen keiner Tradition, die irgendwann per Handschlag besiegelt wurde. Sie folgen ökonomischer Notwendigkeit. New York eröffnet, weil der amerikanische Einzelhandel früh im Zyklus Order-Entscheidungen treffen muss und weil die Zeitzonen Einkäufern aus Nordamerika den optimalen Zugang geben. Paris schließt ab, weil die Fédération de la Haute Couture et de la Mode (FHCM) den stärksten Verhandlungsanker der Modewelt hält – kein anderer Standort könnte diesen Platz beanspruchen, ohne kollektiven Widerstand zu ernten.

Die offizielle Reihenfolge lautet: Berlin – New York – London – Mailand – Paris. Diese Abfolge koordinieren der amerikanische CFDA (Council of Fashion Designers of America), der British Fashion Council (BFC), die Camera Nazionale della Moda Italiana (CNMI) und die FHCM gemeinsam. Berlin hat eine Sonderrolle: Die Berliner Fashion Week findet im Januar und Juli statt – einen Monat früher als der internationale Hauptkalender und parallel zur Pariser Haute Couture.

Stadt Saison AW Saison SS Organisation Schauen pro Saison
Berlin Januar Juli BFW / Reference Festivals ~25
Kopenhagen Januar/Februar August CIFF / DAFI ~30
New York Februar September CFDA ~80
London Februar September British Fashion Council ~60
Mailand Februar/März September Camera Nazionale della Moda ~70
Paris Prêt-à-Porter März September/Oktober FHCM ~110
Paris Haute Couture Januar Juli FHCM ~30
Shanghai März/April Oktober CFA ~80

Die exakten Daten der jeweils laufenden Saison veröffentlichen die offiziellen Verbände sechs bis acht Wochen vor Beginn. Die Suchbegriffe „CFDA official schedule“, „BFC schedule“ und „FHCM calendrier“ führen direkt zu den Originalquellen.

Ein Detail, das viele Artikel verwechseln: Mailand trennt Damen- und Herrenmode in vollständig eigenständige Kalender. Die Milano Moda Donna findet im Februar und September statt, die Milano Moda Uomo im Januar und Juni – außerhalb des regulären Big-Four-Zyklus. Wer eine Reise plant und sich speziell für die Mailänder Fashion Week interessiert, sollte genau prüfen, welcher Kalender gemeint ist.

Die versteckten Saisons: Resort und Pre-Fall

Was kaum erwähnt wird: Neben den zwei Hauptsaisons gibt es zwei weitere Kollektionszyklen, die teilweise mehr Pressereichweite generieren als die regulären Schauen. Resort- oder Cruise-Kollektionen werden zwischen Mai und Juni an spektakulären Locations gezeigt – Chanel in Monte Carlo, Dior in Sevilla, Gucci in Apulien. Die Pre-Fall-Kollektionen folgen im Dezember und Januar. Wer die Modewelt versteht, denkt nicht in zwei, sondern in vier Saisons. Tiefere Einblicke in die großen Häuser bieten unsere Artikel zu Dior, Gucci und Prada.

Wer wirklich reinkommt – und wer draußen bleibt

Der größte Irrtum über Fashion Weeks: Es handelt sich nicht um öffentliche Veranstaltungen. Der Großteil der Schauen in New York, London, Mailand und Paris ist ausschließlich für akkreditierte Fachbesucher zugänglich – Einkäufer, Journalistinnen, Fotografen, Stylistinnen. Wer als Model arbeiten oder als Gast dabei sein möchte, braucht entweder eine persönliche Einladung des Hauses oder eine Akkreditierung über ein anerkanntes Medium.

„Eine Pressekarte für Paris zu bekommen ist schwieriger als ein Visum für manche Länder. Reichweite allein reicht nicht – die Häuser wollen redaktionelle Relevanz, nicht Klickzahlen.“

Die Antragsfristen für Pressekarten liegen sechs bis acht Wochen vor Beginn der jeweiligen Fashion Week. Wer ein eigenes Modeblog betreibt, hat grundsätzlich Chancen – aber die Hürden steigen Saison für Saison. Häuser verlangen nachweisbare Reichweiten, ein klares redaktionelles Profil und eine Medienmappe. Für alle, die den Weg ins Modelbusiness ernsthaft anstreben, geben unsere Artikel zu Model-Castings und zur Modelbewerbung konkrete Orientierung – ebenso wie der Ratgeber zum Thema international modeln.

Zugangswege im Überblick

  • ✓ Pressakkreditierung: Antrag direkt bei CFDA, BFC, CNMI oder FHCM – sechs bis acht Wochen Vorlauf
  • ✓ Showroom-Termine: Separat buchbar, auch für kleinere Buyer und Händler – flexibler als Show-Akkreditierungen
  • ✓ Street Style vor den Locations: Der legendärste kostenlose Fashion-Spot jeder Saison – vor dem Palais Royal in Paris oder dem Spring Studios in New York
  • ✓ Digitale Shows: Viele Häuser übertragen live ins Netz – oft in besserer Bildqualität als der Sitzplatz in Reihe zwölf
  • ✓ Berlin Fashion Week: Vergleichsweise zugänglich, mit öffentlichen Formaten und aktiver Blogger-Kultur
  • ✓ Kopenhagen Fashion Week: Teilweise öffentlich, mit dem strengsten Nachhaltigkeitsregime aller Modewochen

Wer nach New York reist und die Stadt auch abseits der Laufstege erleben will, findet bei uns einen ausführlichen Shopping- und Mode-Guide sowie eine Übersicht zum Luxus-Shopping in New York. Wer sich für Modeljobs rund um die Fashion Weeks interessiert, sollte die Bedeutung von Agenturen und Portfolios nicht unterschätzen – GNTM hat das Thema in den Mainstream gebracht, aber der echte Weg führt über professionelle Strukturen.

London: Talentschmiede der Big Four

London ist die kleinste der vier Hauptstädte – gemessen an der Zahl der Schauen deutlich hinter Paris und New York. Und trotzdem generiert London pro Show überproportionale Pressereichweite. Der Grund liegt nicht in der Größe, sondern im Charakter: Britische Nachwuchstalente wie Alexander McQueen, John Galliano oder Stella McCartney wurden hier entdeckt, bevor Paris sie übernahm. Das NEWGEN-Programm des British Fashion Council, das junge Designer mit Förderung und Showslots ausstattet, hat Namen wie Christopher Kane, Erdem und Simone Rocha hervorgebracht. London ist die Brutstätte, Paris die Bühne.

Ein wenig bekanntes Kapitel: Die London Men’s Collections – die eigenständige Herrenmode-Woche – wurde nach wenigen Jahren wieder eingestellt, weil die kritische Masse an teilnehmenden Designern nie erreicht wurde. London konzentriert sich heute fast vollständig auf Damenmode. Für alle, die sich auch für Herrenmode interessieren, lohnt sich ein Blick auf die Florentiner Alternative: Pitti Uomo, die wichtigste Herrenmode-Messe Europas mit über 30.000 Fachbesuchern pro Ausgabe – in fast keinem Fashion-Week-Artikel erwähnt, aber in der Branche unverzichtbar.

Berlin Fashion Week: Labor, nicht Kopie

Berlin ist kein kleiner Bruder von Paris. Berlin ist ein anderes Kapitel der Modewelt – und hat aufgehört, sich dafür zu entschuldigen. Während die internationalen Modewochen primär auf Luxus und Order ausgerichtet sind, ist die Berliner Fashion Week ein Treffpunkt für nachhaltiges Design, zeitgenössische Labels und den Berliner Understatement-Stil, den keine andere Modewoche replizieren kann. Der Wegfall des langjährigen Hauptsponsors hat die Veranstaltung neu sortiert – an die Stelle von Massivsponsoring trat eine Förderlogik aus öffentlicher Hand und kuratierten Festivalformaten.

Ein relevantes Detail: Berlin hat nach einem kurzen Intermezzo in Frankfurt seinen angestammten Platz als Standort der deutschen Fashion Week zurückerobert. Die Premium Group mit ihren Messen PREMIUM und SEEK ist ein zentraler Treiber des Terminkalenders – diese Messen laufen parallel zu den Schauen, was Berlin für Fachbesucher besonders effizient macht. Inspiration für den Berliner Look bieten auch unsere Artikel zu Jeansmarken, zum Rockabilly-Look und zu Tiermustern wie Leopard und Zebra.

Modebloggerinnen gehören in Berlin fest zur Fashion-Week-Kultur, weit selbstverständlicher als in Paris oder Mailand. Wer tiefer in die Berliner Szene einsteigen möchte, findet bei uns Einblicke in die Modenschau von Marcel Ostertag sowie eine vollständige Modemarken-Übersicht von A bis Z, ergänzt durch Detailseiten zu Modemarken mit D, Modemarken mit N, Modemarken mit P und Modemarken mit Z.

Das Wichtigste zu Berlin auf einen Blick:

  1. Berlin Fashion Week findet im Januar und Juli statt – einen Monat vor den Big Four
  2. Stärker auf Nachhaltigkeit und zeitgenössisches Design ausgerichtet als Paris oder Mailand
  3. Deutlich zugänglicher für Blogger, Kreative und Modebegeisterte ohne Akkreditierung
  4. Messen wie PREMIUM und SEEK laufen parallel und machen Berlin für Fachbesucher effizient
  5. Einziger europäischer Standort, der explizit eine Blogger-Kultur in die Fashion Week integriert hat

Paris Haute Couture und der „See Now, Buy Now“-Irrtum

Neben den regulären Prêt-à-Porter-Schauen gibt es einen Kalender, der oft vergessen wird: die Pariser Haute-Couture-Woche im Januar und Juli – zeitgleich mit Berlin und das exklusivste Modeereignis der Welt. Der Begriff „Haute Couture“ ist in Frankreich gesetzlich geschützt. Nur Maisons, die von der FHCM offiziell als „Membre“ anerkannt sind, dürfen ihn verwenden. Hinzu kommen „Membres Correspondants“ und eingeladene Gastdesigner – insgesamt sind in den offiziellen Schauplan rund dreißig Häuser involviert, davon nur etwa fünfzehn als feste Mitglieder. Dazu zählen Christian Dior, Chanel, Schiaparelli und Giambattista Valli. Ein Haute-Couture-Kleid kostet zwischen 30.000 und mehreren Hunderttausend Euro. Die weltweite Kundschaft umfasst nach Schätzungen von Branchenanalysten weniger als 4.000 zahlende Klientinnen.

Ebenfalls relevant: der gescheiterte Versuch, den gesamten Fashion-Week-Zyklus zu revolutionieren. Die „See Now, Buy Now“-Bewegung, bei der Kollektionen direkt nach der Show käuflich waren, brach sich Bahn, als Burberry, Tom Ford und Tommy Hilfiger das Modell einführten. Burberry kehrte bereits ein Jahr später zum klassischen System zurück. Die Sechs-Monats-Vorschau, die Einkäufern Planungszeit lässt, hat sich als zu tief im System verwurzelt erwiesen. Stattdessen setzt sich heute eine andere Logik durch: Drop-Strategien einzelner Kapselkollektionen außerhalb der Schauen, wie sie Gucci, Bottega Veneta und Jacquemus perfektioniert haben.

Die fünfte und sechste Modewoche: Kopenhagen, Shanghai, Seoul

Die Big Four sind nicht mehr unangefochten. Kopenhagen Fashion Week hat sich als ernstzunehmender fünfter Standort etabliert – mit dem strengsten Nachhaltigkeitsstandard weltweit. Designer müssen achtzehn verbindliche Kriterien erfüllen, um überhaupt zugelassen zu werden. Wer die Anforderungen nicht erfüllt, fliegt raus, unabhängig von Bekanntheit oder Umsatz. Marken wie Ganni, Cecilie Bahnsen und Saks Potts haben