Die richtigen Model Jobs – Model werden Special #3

Ein Showroom-Tag in Düsseldorf bringt einem Newface zwischen 150 und 400 Euro — eine Editorial-Strecke für ein renommiertes Modemagazin in Paris oft nur 50 Euro plus Verpflegung. Wer Model werden will, lernt schnell: Die Jobs mit dem höchsten Prestige sind selten die, die die Miete zahlen. Stephan M. Czaja, Inhaber einer der aktiveren Modelagenturen im deutschsprachigen Raum, hat in Folge 3 unseres Model werden-Specials offen darüber gesprochen, welche Jobs wirklich Geld bringen, welche fürs Portfolio wichtig sind — und warum kein Newface direkt mit einer Gucci-Kampagne startet.

Showroom, Lookbook, Editorial, Kampagne — die vier Welten der Model-Jobs

Wer in der Branche neu ist, denkt bei „Model-Job“ sofort an Catwalk in Mailand oder Hochglanz-Cover. Die Realität sieht anders aus. Etwa 70 Prozent aller bezahlten Aufträge eines durchschnittlichen Agenturmodels in Deutschland fallen in die Kategorie Showroom, Lookbook oder E-Commerce — also genau die Jobs, über die niemand auf Instagram postet. Dort wird das Geld verdient. Ein typischer Tag im Showroom während der Order-Saison eines Münchner Vertriebs: Acht Stunden Anproben, 60 bis 80 Outfits, Einkäufer aus ganz Europa. Tagessatz für ein Newface: ab 200 Euro netto plus Spesen. Für ein etabliertes Hauptmodel: 800 bis 1.500 Euro.

Das Lookbook ist der nächste logische Schritt. Hier wird die komplette Kollektion einer Marke fotografiert — sachlich, sauber, schnell. Marken wie Pimkie, NA-KD oder Onlineshops im Stil von Zalando produzieren pro Saison hunderte Bilder. Ein erfahrenes E-Commerce-Model schafft 80 bis 120 Outfits am Tag, der Tagessatz liegt zwischen 600 und 1.800 Euro — je nach Buyout, also der Frage, wie lange und auf welchen Kanälen die Bilder genutzt werden dürfen. Genau dieser Buyout ist der Punkt, an dem Newcomer regelmäßig Geld liegen lassen, weil sie ihn nicht verstehen oder nicht verhandeln.

Warum die Werbekampagne der Heilige Gral ist — und wer sie wirklich bekommt

Die TV-Werbung für eine Versicherung, das Plakat im Bahnhof, die Print-Anzeige im Hochglanzmagazin: Hier liegen die Tagessätze in einer anderen Liga. 3.000 bis 25.000 Euro pro Drehtag sind realistisch, bei internationalen Beauty-Kampagnen für Häuser wie Dior oder Gucci ein Vielfaches davon. Der Haken: Hier laufen keine Castings für Newfaces. Wer für eine globale Beauty-Kampagne gebucht wird, hat in der Regel mindestens drei Jahre Erfahrung, ein internationales Portfolio und meist eine Mutteragentur in Paris, New York oder Mailand.

Czaja sagt es im Interview ehrlich: „Eine Kampagne kann ein Jahr lang ein gutes Einkommen ersetzen. Aber sie ist die Belohnung für 200 Showroom-Tage davor, nicht der Einstieg.“ Genau das übersehen viele Bewerber. Wer mit dem falschen Erwartungs-Mindset zur Model Bewerbung kommt, ist nach drei Monaten frustriert. Wer den Weg über E-Commerce, Lookbook und Showroom als Investition begreift, baut sich in zwei bis drei Jahren ein nachhaltiges Einkommen auf.

Editorial, Catwalk, Social Media — die Jobs fürs Portfolio

Es gibt eine zweite Kategorie von Jobs, die kaum bezahlen, aber den Marktwert eines Models drastisch heben können. Editorials für Vogue, Numéro, i-D oder L’Officiel zahlen oft nur 100 bis 250 Euro Tagesgage — manchmal gar nichts außer Travel und Credit. Der Grund, warum trotzdem alle hin wollen: Ein Editorial in der italienischen Vogue ist die Eintrittskarte zu Buchungen, die das Hundertfache zahlen. Ähnlich verhält es sich mit der Pariser oder Mailänder Modenschau. Die Show selbst bringt 150 bis 800 Euro, der Showcontract eines Designers während der Fashion Week Mailand kann aber den Sprung in eine andere Kategorie bedeuten — wie wir im Artikel zur Modenschau mit Designer Marcel Ostertag im Detail zeigen, ist der Catwalk weniger ein Job als ein Bewerbungsformat für die nächsten zwölf Monate.

„Newfaces unterschätzen, wie viel über das Buyout läuft. Ein Tagessatz von 800 Euro mit weltweitem Online-Buyout über zwei Jahre ist schlechter bezahlt als 1.200 Euro mit reiner DACH-Nutzung über sechs Monate. Das verstehen die wenigsten am Anfang.“ — Stephan M. Czaja, CM Models

Was zahlt was? Realistische Tagessätze in Deutschland 2024

Job-Typ Newface Etabliert Buyout-Faktor
Showroom (Order) 150–400 € 600–1.500 € keiner
Lookbook (Brand) 300–600 € 800–2.000 € ×1,2–1,5
E-Commerce 400–800 € 1.000–2.500 € ×1,5–2
Editorial (Print) 0–150 € 150–400 € kaum
Catwalk (Show) 150–500 € 500–3.000 €
Print-Kampagne 1.500–4.000 € 5.000–25.000 € ×2–5
TV-Spot (Lead) 2.000–5.000 € 8.000–50.000 € ×3–10
Beauty Global 30.000 €+ verhandelt

Diese Zahlen sind Erfahrungswerte aus der Branche und schwanken je nach Marke, Saison und Verhandlung. Der Buyout-Faktor ist der wichtigste Hebel: Er multipliziert die Basisgage je nach Reichweite, Nutzungsdauer und Mediakanal. Ein Newface, das beim ersten Job einen weltweiten Online-Buyout für drei Jahre ohne Aufschlag unterschreibt, verschenkt schnell 5.000 bis 10.000 Euro.

Instagram, TikTok und der neue Job-Typ: Influencer-Modeling

2018 war ein Instagram-Account mit 50.000 Followern noch ein netter Bonus auf dem Composite. 2024 ist Reichweite ein eigener Buchungsgrund. Marken wie Nike, Puma oder Prada buchen Models heute regelmäßig im Doppelpaket: ein klassischer Shooting-Tag plus zwei Stories und ein Reel auf dem privaten Account. Der Aufschlag dafür liegt zwischen 500 und 5.000 Euro extra — abhängig von Engagement-Rate und Followerstruktur. Wer hier strategisch vorgeht, verdoppelt sein Einkommen ohne zusätzliche Drehtage.

Gleichzeitig öffnet Social Media die Tür zu einer dritten Job-Kategorie, die es vor zehn Jahren so nicht gab: Brand-Ambassador-Verträge. Statt Tagesgage gibt es einen Jahresvertrag mit fester Anzahl an Posts, Events und Shootings. Etablierte Modelagenturen verhandeln solche Deals heute über sechsstellige Jahreshonorare, oft mit Performance-Boni. Voraussetzung: ein authentisches Profil, das zur Marke passt — Lifestyle, Sport, Beauty, Streetwear.

Welche Jobs solltest du am Anfang annehmen — und welche ablehnen?

Die ehrlichste Antwort: am Anfang fast alles, was die Agentur durchgewunken hat. Eine seriöse Agentur prüft Auftraggeber, Vertragsbedingungen und Buyout vor der Buchung. Was du selbst prüfen solltest: Wer ist der Fotograf, gibt es Bildrechte fürs eigene Portfolio, wie ist die Nutzung geregelt? Czaja warnt im Video besonders vor zwei Fallen — TFP-Shootings („Time for Print“), die nichts ins Portfolio bringen, weil der Fotograf selbst keinen Marktwert hat, und vermeintlichen „Tests“ gegen Bezahlung, die in 90 Prozent der Fälle unseriös sind. Ein echter Test wird vom Fotografen oder Studio bezahlt, nicht vom Model.

Konkret: Sage ja zu jedem E-Commerce-Job einer etablierten Marke, auch wenn der Tagessatz „nur“ 400 Euro beträgt — das sind zehn solcher Tage pro Monat plus Routine, die sich auszahlt. Sage ja zu Editorials in Magazinen mit echtem Markennamen, auch unbezahlt, wenn das Team (Fotograf, St