Digitale Avatare in der Werbung: Virtual Reality in Kampagnen – Stephan Czaja (Manager) im Interview

Digitale Avatare in der Werbung – Weltweit gibt es nur 3 große Creator von digitalen Avataren (bzw. virtuelle Influencer, Models). Aber, wer macht eigentlich die ersten virtuellen Avatare, hier in Europa? Wir haben uns mit Stephan Czaja getroffen, Manager ua. von Zoe und Ella, den ersten VR Avataren und aktuell zu sehen, ua. in der Buffalo London Kampagne. Wir sprechen mit ihm über as neue Phänomen im Marketing! Wie kommt Virtual Reality in der Werbung an? Wie reagieren die Marken darauf? Das Interview.

Digitale Avatare & Kampagnen: Made in Europe

Die größte virtuelle Influencerin Lil‘ Miquela macht es vor, ihr folgen Millionen Menschen auf Instagram. Shudu war auf dem Cover der Harper’s Bazaar. Zoe war gerade das erste virtuelle Model auf der Berlin Fashion Week. Ella ist aktuell in der ersten Diversity Kampagne von Buffalo. Immer häufiger liest man „Digitale Models erobern den Laufsteg“. Wir treffen jetzt den Mann, der VR Kampagnen und Shows macht. Virtual reality, Modemarken, Instagram, wir freuen uns auf die Antworten von ihm!

Im Gespräch: Stephan M. Czaja, Inhaber Cocaine Models / CXMXO Group.

FIV: Wie kam es dazu, dass Sie nun mit virtuellen Models arbeiten?

Ganz ehrlich, wir waren schon immer Nerds, wenn es um das Thema Marketing, Medien und natürlich auch technisch Trends geht. Heute sprechen immer mehr von KI (künstlicher Intelligenz), was liegt da näher, als auch Menschen künstlich, als digitale Avatare zum Leben zu erwecken?

Das Kernteam, um die Entwicklung der Technologien, hat schon vor zwei Jahren mit der Arbeit begonnen. In Amerika bekommt man für solche Projekte natürlich schnell viel Geld, deshalb waren die Kollegen aus Los Angeles auch schneller. Letztes Jahr, im Sommer, haben wir dann die Erstgespräche mit Kunden geführt und in diesem Jahr war es endlich soweit. Die erste virtuelle Modenschau mit digitalen Avataren!

Vorteile? Risikominimierung, weniger Reisen und Nachbearbeitung

Unser Ziel war es immer eine Ergänzung zu finden, zu den Models, die vielleicht gerade nicht verfügbar sind.

Die Technologie hat aber auch den Vorteil, dass nicht für jede Produktion 20.000 Flugmeilen anfallen. Kunden müssen dabei nicht auf komplett virtuelle Avatare zurückgreifen, wir können auch Models digitalisieren, sodass der Flug erspart wird und dennoch eine Zusammenarbeit entstehen kann.

Kunden haben außerdem den extrem großen Vorteil, dass Produktionen im Nachhinein bearbeitet werden können. Nach Fotoshootings ist normalerweise alles fertig gestellt und es sind keinerlei Änderungen mehr möglich. Hier kann jederzeit das Licht, die Location oder die Kleidung verändert werden.

Ein Mix aus Zukunftstechnologie und Vorteile für Kunden. Wir glauben, die Modewelt wird es akzeptieren! Schließlich steht das Wort Mode für Trend und Neuheiten.

Diversity Kampagne: Buffalo London mit Ella Stoller

Virtuelles Hologramm: Kim Kardashians Vater

Die Technologie dahinter ist wirklich extrem spannend! Vielleicht hast du auch schon von der Geburtstagsfeier von Kim Kardashian gehört? Eines ihrer Geschenke war ihr Vater, als virtuelles Hologramm. Hier sind wir schon wieder beim Wort Mode, Trends und Trendsetter, wie Kim Kardashian. Neue Technologien brauchen ihre Zeit, brauchen First Mover aber werden sich etablieren.

Die, die von Anfang an dabei waren, werden die besten Geschichten zu erzählen haben!

Erfahrungen mit virtuellen Models / Kampagnen

FIV: Welche Erfahrungen mit virtuellen Models hat Ihre Agentur bis jetzt gesammelt? Was sind die neusten Projekte?

Ich denke die interessantesten und neusten Erfahrungen, die wir hier mit digitalen Avataren sammeln sind, dass wir noch deutlich mehr im Kreativprozess beteiligt sind. Es fängt bei den Storyboards an und geht immer weiter über Möglichkeiten, sodass wir sogar die Gravitation beeinflussen können.

Kreativität hat keine Grenzen mehr + Brand Avatare

Kurz gesagt, der Kreativität sind keine Grenzen mehr gesetzt. Wirklich keine! Vollkommen unabhängig von Location, Zeit und vielen anderen Faktoren. Das ermöglicht eine vollkommen neue Denkweise, die nicht beschränkt ist durch Reisepläne, Terminpläne oder sonstigen Kostenfaktoren.

Ganz besonders spannend war bereits der erste Job, für MarcCain. Eine digitale Modenschau auf der Berlin Fashion Week. Neben unserer Zoe, unseren eigenen digitalen Avatar noch drei weitere, virtuelle Menschen kreiert. Im Fashion Movie sieht man dann 8 reale und 4 virtuelle Models. So verschmelzen unsere Welten immer mehr, die reale und die digitale.

Tipp! Unser Artikel zur Show: Zukunft Modenschau? VR Modenschau in Berlin.

Video: Fashion Movie @ Berlin Fashion Week

Die Modenschau von MarcCain:

Was kommt als nächstes? Die nahe Zukunft

FIV: Noch einmal nachgehakt, können Sie uns auch etwas über neue Projekte erzählen?

Unsere Projekte laufen in der Regel alle unter Verschwiegenheit, weshalb ich nichts über neue Werbekampagnen von Kunden sagen kann! Was mir aber wichtig ist, ist das Storytelling um Zoe. Also auch die Frage, wie können wir sie noch „lebendiger“ machen?

Was ich dir schon verraten kann ist, dass eines der nächsten Projekte die erste Veröffentlichungen in einem Modemagazin sein wird. Für dieses Magazin Shooting sind wir momentan dabei das Team auf zu stellen. Ganz klassisch mit Fotograf, Make-up Artist, Stylist und natürlich unserem Entwicklungsteam.

Lil‘ Miquela, Shudu: USA vs Europa

FIV: Bis jetzt kommen die bekanntesten virtuellen Models / Influencer aus den Staaten. Wie sehen Sie den Hype aktuell in Deutschland?

Du sprichst von Brud aus Los Angeles. Er war der allererste der kurz vor uns den Markt wirklich revolutioniert hat. Sein Projekt Lil‘ Miquela war das allererste und hat das Denkbare wirklich gesprengt. Ich weiß nicht genau mit welchen konkreten Marken er zusammen gearbeitet hat, aber ich glaube die halbe High Fashion Industrie war schon dabei.

Deutschland und Europa sind nicht gerade bekannt für Innovationen, Start-ups oder ähnliches. Genauso ist es auch mit unserem virtuellen Avatar. Wir haben allein acht Monate gebraucht, bis wir das erste Projekt ins Laufen bringen konnten. Natürlich haben alle Bedenken, aber braucht man das?

Start Ups und Ideen in Los Angeles

Als Unternehmen in Los Angeles hat man die Probleme nicht, denn hier entstehen neue Ideen und werden sehr gerne gesehen. Denk nur an Social Networks, Facebook, Snapchat & Co. Das alles stammt aus Kalifornien. In Deutschland dauert alles länger, heißt also auch wesentlich mehr Investitionen für uns. Dennoch sind wir stolz darauf, dass wir neben Brut die ersten sind und somit auch die aller ersten in Europa.

Und wenn für die Ziele in diesem Jahr nicht erreichen, ziehen wir einfach nach LA!

Echte Models vs virtuelle Models

FIV: Bevorzugen Modelabels die Arbeit mit virtuellen Models oder mit ‚echten‘ Models? Was sind da Ihre Erfahrungen?

Aktuell bevorzugt glaube ich kein einziges Label die Zusammenarbeit mit virtuellen Models. Die Technologien werden gerade erst entwickelt, aber immer besser. Berichterstattung über die Thematik gibt es auch erst seit etwas über einem Jahr. Das Thema ist also so neu, da brauchen wir noch ein bisschen Zeit!

Technologie: Digitale Mode / Models für Online Shops

FIV: Was sind die Vorteile bei der Arbeit mit virtuellen Models?

Die Vorteile muss man natürlich erst sehen. Und deshalb sind die First Mover, die es jetzt gibt, so wichtig. Sie zeigen den anderen Marken, dass sich die Investition lohnt. Hier ein kleines Beispiel: Ein Großteil der Mode Kunden haben Onlineshops. Dementsprechend werden mit jeder neuen Kollektion, neuen Saison, neue Fotos benötigt. Die Kleidungsstücke haben dabei sehr lange Wege, bis sie letztendlich in den Stores liegt, meist über Wochen verschifft und kommen dann irgendwann im Zentrallager an. Jetzt müssen die Bilder gemacht werden, gleichzeitig erfolgt die Verteilung auf die einzelnen Stores. Viel Aufwand, indem alles sitzen muss.

Nur 3 Fotos für digitale Mode

Mit unserer Technologie genügen drei Fotos vom Kleidungsstück und wir können es absolut authentisch und realistisch an einem bewegten Körper eines virtuellen Models anbringen. Mit Wind, Gravitation und allem was dazugehört. Der große Vorteil liegt darin, dass die Fotos theoretisch schon in der Produktion fertig gestellt werden können. Während die Kleidungsstücke also erst verpackt werden, sind die Fotos für den E-Commerce bereits fertig.

Das heißt im Prinzip gibt es zwei große Vorteile. Zum einen für relativ standardisierte Massenproduktion und zum anderen ist es der PR Effekt, denn unser Leben wird immer digitaler.

Storytelling, Jobs und Social Media Zukunft?

Heute ist die erste Generation aufgewachsen, die nur noch ein Leben mit iPhone und Co. kennt. Storytelling hat schon immer funktioniert. Sagen und Geschichten, später geschriebenes, dann Bücher, später Hollywood und in der Zukunft vielleicht digitale Menschen. Wie erfolgreich das sein kann zeigt Lil‘ Miquela mit mittlerweile 3 Millionen Followern auf Instagram.

Ein weiterer Vorteil, insbesondere für Produktionen, Marketingagenturen und Werbeagenturen ist, dass es kein Ausfallrisiko gibt. Wer große Produktionen, zum Beispiel für Werbespots, organisiert weiß, dass mitunter bis zu 50 Personen am Set sein können, dazu noch 20 gebuchte Autos und vielleicht sogar ein Hubschrauber. Plötzlich taucht das Model nicht auf. Das gleiche gilt natürlich für jede andere, für das Shooting relevante Person. Ist der Stylist ist nicht da für die Kleidung, Make-up Artist, Fotograf,… Shootings haben also wesentlich weniger Risiko durch äußere Einflussfaktoren.

Zusammenarbeit und Wirkung der virtuellen Avatare

FIV: Wie sieht eine Zusammenarbeit mit einem virtuellen Model ungefähr aus? Also, wie kann man sich das vorstellen?

Sehr kurz beschrieben hast du in der Kreativität eigentlich keine Grenzen. Du kannst ein Fotoshooting auf dem Mond machen, deinen eignen digitale Avatare erstellen und das alles exklusive für deine Marke. Kleidungsstücke, Accessoires, etc. sind alle austauschbar. Dementsprechend arbeitet man nicht mehr nur auf die Zeit, sondern wirklich auf die Kreativität. Das ist insbesondere für Kampagnen und Werbeagenturen super interessant. Außerdem lassen sich verschiedenen Images sehr gut damit transportieren, z.b. Innovationen, zukunftsorientiertes Denken sowie digitale Lösungen.

Sonst ist es das typische Spiel im Marketing oder der Werbeagentur. Viele Ideen sind vorhanden, vieles muss aber auch wieder verworfen werden, weil es zu teuer oder zu aufwendig ist.

Wie viel kostet eine Kampagne?

FIV: Kannst du uns auch etwas zu den Preisen verraten? Wie viel kostet die Zusammenarbeit, wenn man virtuelle Models buchen will oder so eine Produktion?

Genaue Preise unterscheiden sich natürlich immer je nach Aufwand, Menge, Vorarbeit, aber auch der medialen Nutzung im Anschluss. Ganz grob gesagt: Die Produktion rechnet sich nicht bei einem Teil, wer aber 20 oder mehr Teile produzieren muss, kann unter Umständen schon über die Zusammenarbeit nachdenken, wenn wir über E-Commerce sprechen.

Für Kampagnen rechnet es sich allemal. Allein aus dem Aspekt, dass sich auch weitere Medien aus der bereits bestehenden Produktion im Handumdrehen erstellen lassen. Details können verändert werden. Außerdem gibt es natürlich kein Ausfallrisiko, wie zuvor schon erwähnt.

Hype um digitale Avatare: Lil‘ Miquela & Co.

FIV: Woher kommt die große Faszination rund um virtuelle Influencer, wie Lil‘ Miquela & Co?

Der Fantasie ist eben einfach, dennoch mag ich sie. Jeder kennt Superman oder Captain Jack Sparrow aus Fluch der Karibik. Natürlich ist keiner der Charaktere real, trotzdem interessiert man sich für jede neue Geschichte die Personen dahinter.

Serien und Schauspieler sind wie Avatare: Wir wollen mehr Stories

Jeder außerhalb der USA kennt Hollywood nur aus Filmen, Fernsehen und Serien. Wer weiß schon ob Brad Pitt wirklich existiert? Du weißt was ich meine! Die Welt ist heute schon ein wenig digital und sie wird es immer mehr! Auch dieser Aspekt spielt mit ein, wenn Menschen über Avataren nachdenken.

Du hast es ja eben selbst erwähnt, wie das Phänomen Lil‘ Miquela eschlagen hat. Auf Instagram sieht man private Momente, aus ihrem Leben, sie produziert neue Foto Kampagnen, sogar Musikvideos.

Wenn du dich jetzt an die Geschichte vom Beginn erinnerst, also das Hologramm von Kim Kardashians Vater, siehst du auch schon hier den nächsten Sprung der Technologie. Digitale Avatare in die reale Welt bringen.

Langweilig wird es uns garantiert nicht!

FIV: Werden VR Menschen die echten Models & Influencer eines Tages ablösen?

Nein, auf gar keinen Fall. Virtuelle Menschen, bzw. Avatare und Models oder auch Influencer werden immer nur eine sinnvolle Ergänzung sein, zu den real existierenden. Allerdings können sie andere Geschichten erleben, eben durch die vollkommene Freiheit in der Kreativität. Letztendlich wie eine Netflix Serie, nur anders verpackt.

Danke für die Antworten!

Im Gespräch: Stephan M. Czaja, Gründer CXMXO Group und Cocaine Models.

Ella & Zoe: Digitale Avatare von Cocaine Models

Lese-Tipp: Digitale Avatare

Lies hier noch mehr über digitale Avatare inklusive einer Liste, mit allen virtuellen Influencern!

Lil‘ Miquela: Das Phänomen aus LA

Gigi Hadid, Cara Delevingne und Hailey Bieber outdated? Virtuelle Influencer wie Lil Miquela oder Bermuda erobern Instagram und das Modelbusiness. Dass sie schon deutlich mehr Follower auf den sozialen Netzwerken haben als andere Influencer, beweist den Erfolg dieser zukunftsorientierten Erfindung. Wer dachte, dass diese virtuellen Influencer langweilig und ohne Charakter wären, der hat sich aber gewaltig getäuscht. Die Models besitzen neben einer individuellen Persönlichkeit ein eigenes Leben, in denen sie mithilfe von Story Telling über ihre Freizeitaktivitäten berichten. Der Trend dieser virtuellen Stars bezieht sich jedoch schon lange nicht mehr nur auf Instagram, eine Musikkarriere ist ihnen ebenfalls schon vorhergesagt. Innerhalb von vier Jahren baute sich virtuelle Influencerin Miquela Sousa eine beachtenswerte Karriere auf.

Virtuelle Influencer: Liste

Man kennt die Models der 90er Jahre wie Naomi Campbell oder Claudia Schiffer. Wir tauchen ein in die Welt der digitalen Models, Influencer und Instagram Sternchen. Virtuelle Influencer erobern den Markt, sind längst kein Hype mehr. Es dreht sich um Mode und welche Begeisterung diese virtuellen Persönlichkeiten in der Modewelt hervorrufen. Wer sind Sie? Wer hat sie Erschaffen? Ersetzen sie die Supermodel der Jahrtausender? Werden Kendall Jenner und Gigi Hadid einfach ersetzt? Welche Rolle spielen Sie in der heutigen Mode- und Social-Media Welt. Wir stellen euch Models vor, unter anderem Lil Miquela und Shudu Gram, die zwei ersten virtuell erschaffenen Models und was genau jedes einzelne von Ihnen so besonders macht. Und wie sie es geschafft haben auf den Magazine Covern von der Vogue und Harper´s Bazaar zu gelangen.