VOGUE Fashion’s Night Out x QVC – Düsseldorf, Berlin, Mailand, Rio und Co
Im September 2009 schloss Anna Wintour die Türen der US-amerikanischen VOGUE und schickte stattdessen die Modewelt in 100 New Yorker Boutiquen, um gegen die Folgen der Lehman-Pleite anzushoppen. Sieben Jahre später ist aus dieser Krisenreaktion das größte Mode-Event der Welt geworden — und am 9. September 2016 verwandelt sich Düsseldorfs Königsallee zum sechsten Mal in eine Open-Air-Bühne der internationalen Modeszene. Wir waren am 31. August im InterContinental dabei, als QVC die Details zur diesjährigen Fashion’s Night Out präsentierte — und können vorab sagen: Diese Ausgabe ist die ambitionierteste, die Deutschland je gesehen hat.
Von der Krisenidee zum globalen Phänomen — die Geschichte der VFNO
Was 2009 als Notbremse für die kriselnde Luxusbranche gedacht war, ist heute ein Kalenderfixpunkt für Fashion-Insider in 14 Ländern und 20 Städten. Anna Wintours Logik damals war simpel: Wenn die Kunden nicht mehr zur Mode kommen, kommt die Mode eben zu ihnen. Die erste Ausgabe brachte allein in Manhattan einen geschätzten Mehrumsatz im zweistelligen Millionenbereich — und plötzlich wollten Mailand, Paris, Tokio und Madrid mitziehen.
2016 sind Berlin, Mailand, Lissabon, Madrid, Moskau, Rio de Janeiro, Shanghai, Tokio und Bangkok dabei — Düsseldorf ist seit 2011 fester Bestandteil. Dass ausgerechnet die Rheinmetropole und nicht München oder Hamburg gesetzt ist, hat einen handfesten Grund: Die Kö ist nach Bond Street und Avenue Montaigne eine der höchstfrequentierten Luxus-Shoppingmeilen Europas. Wer hier ein Event aufzieht, hat die zahlungskräftige Klientel direkt vor der Tür.
Düsseldorf 2016: Vier Stunden Live-TV, schwebender Laufsteg und eine App, die alles verändert
Am 9. September verwandelt sich die Lobby des InterContinental in einen roten Teppich, die Hotelbar wird zum Fernsehstudio. Ab 20 Uhr läuft vier Stunden lang die Liveshow „VOGUE Fashion’s Night Out — live von der Kö“ auf QVC. Das ist mehr als eine PR-Geste: Es ist das erste Mal, dass ein Teleshopping-Sender und ein Hochglanzmagazin in dieser Dimension kooperieren — und es funktioniert, weil QVC längst nicht mehr der Sender ist, für den ihn viele halten.
Die Designer-Riege spricht für sich. Jette Joop zeigt ihre Kollektion JETTE, Thomas Rath präsentiert THOM by Thomas Rath, Uta Raasch ist mit Strandfein vor Ort, und Fashion-Expertin Elena-Margret zu Bentheim moderiert mit. Was diese Aufstellung interessant macht: Hier treffen klassisches deutsches Designer-Handwerk und Casual-Strandmode aufeinander — eine Mischung, die dem Düsseldorfer Publikum näher ist als jede Pariser Couture-Schau. Wer sich für die Mechanik solcher Inszenierungen interessiert, bekommt einen guten Eindruck davon, wie eine Modenschau hinter den Kulissen funktioniert.
Der schwebende Laufsteg — und warum die App das eigentliche Highlight ist
Stündliche Modenschauen auf einem schwebenden Laufsteg klingen nach Inszenierung — sind aber nur Vorgeplänkel. Der wirkliche Innovationssprung steckt in einer App: Besucher können Kleidungsstücke direkt vom Laufsteg bestellen, während die Models noch laufen. Innerhalb von 48 Stunden steht das Wunschteil vor der Tür. Das ist 2016 ein technologischer Vorgriff auf das, was Burberry mit „See now, buy now“ auf der London Fashion Week aufgebracht hat — und es markiert den Punkt, an dem das Modegeschäft endgültig vom saisonalen zum sofortigen Konsum umschaltet.
Die Style Lounge: Wenn Boris Entrup, Astrid Rudolph und Frank Schäberle auf einer Etage stehen
In der Hotellobby entsteht eine Style Lounge mit drei Namen, die in der deutschen Beauty-Szene Gewicht haben. Boris Entrup, der seit Jahren als einer der gefragtesten Make-up-Artists Deutschlands gilt und für L’Oréal Paris arbeitet, gibt individuelle Beauty-Konsultationen. Astrid Rudolph, bekannt als Star-Stylistin mit Hollywood-Connections, übernimmt das Styling-Coaching. Nail-Experte Frank Schäberle komplettiert das Trio mit Maniküren auf Salon-Niveau.
Was diese Lounge so wertvoll macht: Solche persönlichen Beratungen kosten in den jeweiligen Studios dreistellige Beträge — hier sind sie für VFNO-Besucher kostenfrei. Wer sich vorab informieren will, welche Beauty-Marken aktuell den Ton angeben, hat in der Lounge die Chance, von den Insidern direkt zu lernen, statt sich durch YouTube-Tutorials zu klicken.
Berlin macht es anders — und das ist gut so
Während Düsseldorf auf TV-Inszenierung und Designer-Showbühne setzt, geht Berlin am 8. September einen eigenen Weg. Die Concept Mall Bikini Berlin verwandelt sich in eine riesige Bühne mit Artisten, Aktionen und DJ-Sets zwischen Club-Beats und Elektro-Swing. Erstmals ist QVC auch hier Partner — ein bemerkenswerter Schritt, weil Berlin sich bislang stets als Gegenpol zum kommerziellen Mode-Establishment inszeniert hat.
Starfotograf Joachim Baldauf — der seit den 90ern für VOGUE, Harper’s Bazaar und Stern arbeitet — setzt vor Ort Blogger und VIPs in Szene. In einer Foto-Box können Besucher selbst zum Motiv werden. Die Geschäfte der Mall haben bis Mitternacht geöffnet, was angesichts der üblichen Berliner Ladenschlusszeiten eine kleine Sensation ist. Wer die Berliner Mode-Szene besser verstehen will, findet bei uns eine ausführliche Übersicht zur Modemarken-Landschaft von A bis Z.
„Die Fashion’s Night Out ist nicht mehr nur ein Shopping-Event. Sie ist der eine Abend im Jahr, an dem Mode wieder zum öffentlichen Erlebnis wird — nicht zum Insider-Zirkel hinter verschlossenen Schauen-Türen.“ — sinngemäß formuliert von einem der QVC-Verantwortlichen während der Pressepräsentation im InterContinental.
Die globale Dimension: Was in Mailand, Rio und Shanghai anders läuft
Wer die Mailänder VFNO einmal erlebt hat, weiß: Das ist eine andere Liga. Die Via Montenapoleone wird komplett gesperrt, Prada, Gucci und Dolce & Gabbana öffnen ihre Flagship-Stores bis tief in die Nacht. Wie wir im Artikel zur Fashion Week Mailand zeigen, hat Italien eine andere Beziehung zur Mode als Deutschland — sie ist weniger Konsumgut, mehr Lebensstil. In Rio de Janeiro wiederum verschmilzt die VFNO mit der brasilianischen Karneval-Energie zu einem Straßenfest, wie es Europa nicht kennt. Shanghai wiederum nutzt das Event, um den Aufstieg chinesischer Designer wie Uma Wang oder Masha Ma international sichtbar zu machen.
Diese Vielfalt ist der eigentliche Trumpf des Konzepts: Die VFNO ist kein Franchise-Modell mit fixem Drehbuch, sondern ein loser Rahmen, den jede Stadt mit eigener Identität füllt. Düsseldorf wirkt im internationalen Vergleich seriöser, weniger laut — was zur Kö passt, aber auch eine bewusste Positionierung gegen das partywütige Berlin ist.
Fashion-Taxen, Rikschas und die Frage nach der Logistik
Zwischen den Stationen pendeln Besucher in Fashion-Taxen und Rikschas — ein Detail, das auf den ersten Blick nach Marketing-Gag klingt, in der Praxis aber das Erlebnis entscheidend prägt. Wer schon einmal versucht hat, an einem Veranstaltungsabend in High Heels die komplette Kö abzulaufen, weiß, warum dieser Service mehr ist als ein Gimmick. Apropos Schuhe: Wer sich für den richtigen Auftritt vorbereitet, findet in unserer Übersicht zu High Heels mit roter Sohle die ikonischsten Modelle der letzten Jahrzehnte.
Was Sie als Besucher konkret mitnehmen sollten
Aus den Erfahrungen der Vorjahre und den Informationen vom Pressetermin haben sich ein paar praktische Empfehlungen herauskristallisiert:
- Frühzeitig anreisen: Die Lobby des InterContinental füllt sich ab 19 Uhr rapide — wer den roten Teppich erleben will, sollte spätestens um 18:30 Uhr vor Ort sein.
- App vorab installieren: Die Bestellfunktion vom schwebenden Laufsteg funktioniert nur mit registriertem Account. Wer das erst vor Ort macht, verpasst die ersten Looks.
- Style Lounge nicht erst um 22 Uhr besuchen: Die Slots bei Entrup, Rudolph und Schäberle sind begehrt und funktionieren nach dem First-come-first-served-Prinzip.
- Berlin oder Düsseldorf — nicht beides: Mit einem Tag Abstand wäre theoretisch beides möglich, in der Praxis verliert man den emotionalen Bezug. Lie












