Vogue Fashion Nights Out Hghlights 2016 : Berlin
Die Vogue Fashion Night Out in Berlin war kein gewöhnliches Shopping-Event — sie war Anna Wintours direkte Antwort auf die globale Finanzkrise. Erfunden wurde das Format 2009 in New York mit einem klaren Ziel: Konsumenten zurück in stationäre Boutiquen holen, während der Online-Handel den Luxus-Retail unter Druck setzte. Berlin debütierte 2011 — und die Berliner Ausgabe rund um Kurfürstendamm, KaDeWe und Bikini Berlin wurde zum letzten großen Auftritt dieses Formats in Deutschland, bevor Condé Nast die internationale VFNO-Reihe einstellte.
Wer das Event miterlebt hat, weiß: Es war mehr als ein Promi-Shopping. Es war eine Momentaufnahme der Hauptstadt-Modeszene zwischen Hochglanz, Streetstyle und Kaufhaus-Inszenierung. Die Stationen, Kollektionen und Kooperationen jener Nacht erzählen heute eine andere Geschichte als damals — denn viele der Locations existieren so nicht mehr.
Warum die Berliner VFNO das Ende einer Ära markierte
Die Vogue Fashion Night Out war ein Hybrid: halb Marketing-Coup, halb echtes Stadtfest. In Berlin verwandelte sie an einem einzigen Abend einen ganzen Boulevard in eine offene Modemesse — Boutiquen blieben bis Mitternacht offen, DJs spielten zwischen Schaufensterpuppen, Champagner floss zwischen Kassentresen. Das Konzept war international identisch, aber jede Stadt interpretierte es anders. New York setzte auf Prominenz, Mailand auf Eleganz, Paris auf Couture. Berlin? Auf einen ungewöhnlichen Mix aus Kaufhaus-Demokratie und Designer-Avantgarde.
Wer die Entwicklung der Modemetropolen vergleichen will, findet bei uns einen ausführlichen Blick auf New York Mode & Shopping sowie auf die Fashion Week Mailand. Beide Städte zeigen, wie unterschiedlich Modeöffentlichkeit inszeniert werden kann.
„Die VFNO war Anna Wintours kluge Wette darauf, dass Mode ein soziales Erlebnis bleibt — kein Klick im Warenkorb. Berlin hat das Format auf seine eigene, fast undogmatische Art umgesetzt: weniger Glamour, mehr Straße.“
Vom NYC-Original zum Berliner Endspiel
Sieben Jahre lang reiste das Format um die Welt, mit bis zu 20 teilnehmenden Städten gleichzeitig. Berlin profitierte vom internationalen Sog, lieferte aber auch eigene Akzente: lokale Designer wie Marina Hoermanseder, Live-Shootings mit Joachim Baldauf, Pop-up-Konzepte in Kaufhäusern. Wer sich für die Berliner Designer-Szene interessiert, sollte auch einen Blick auf das Designer-Duo holyGhost oder die Modenschau von Marcel Ostertag werfen — beide stehen für die kreative Spannweite der Hauptstadt.
Die fünf Locations, die den Abend definierten
Die Berliner VFNO konzentrierte sich auf einen klar abgesteckten Korridor: Kurfürstendamm, Tauentzien, Leipziger Platz. Innerhalb dieses Dreiecks lagen die fünf wichtigsten Hotspots, die das Event prägten — jeder mit eigener Handschrift.
| Location | Highlight | Status heute |
|---|---|---|
| KaDeWe | Drei Etagen Sale & Live-Acts | Aktiv, Umbau läuft |
| Bikini Berlin | Joachim Baldauf Live-Shooting, „Night Circus“ | Aktiv |
| Mall of Berlin | Modenschauen, Rolling Dinner | Aktiv |
| Hotel Zoo | Marina Hoermanseder x Hello Kitty | Aktiv (Boutique-Hotel) |
| Quartier 206 | Fotoausstellung, Designer-Pop-ups | Insolvent, geschlossen |
KaDeWe: Das Kaufhaus als Bühne
Das Kaufhaus des Westens ist seit jeher der Anker des westlichen Berlins. Während der VFNO öffneten drei Etagen mit kuratierten Sale-Aktionen — von Dior über Gucci bis Prada. Wer die Marken-Landschaft systematisch erkunden will, findet eine vollständige Modemarken Übersicht A-Z, sortiert auch nach Anfangsbuchstaben wie D, N oder P.
Bikini Berlin: Das Konzepthaus
Das Bikini Berlin gegenüber dem Zoologischen Garten verwandelte sich in einen „Night Circus“: DJs, Foto-Hotspots, Pop-up-Stores. Joachim Baldauf, einer der profiliertesten Modefotografen Deutschlands und langjähriger Vogue-Mitarbeiter, inszenierte ein Live-Shooting — die Bilder wanderten direkt in die Oktober-Ausgabe der Vogue.
Marina Hoermanseder x Hello Kitty: Die Sammlerstücke aus dem Hotel Zoo
Im Hotel Zoo am Kurfürstendamm präsentierte die österreichische Designerin Marina Hoermanseder ihre Hello-Kitty-Capsule — eine offizielle Kooperation mit Sanrio. Die Kollektion vereinte Hoermansenders Markenzeichen (Lederschnallen, strenge Silhouetten) mit der popkulturellen Kraft einer der bekanntesten japanischen Marken überhaupt.
Was damals als verspieltes Crossover wirkte, hat heute Sammlerwert. Limitierte Stücke aus der Capsule werden auf Resale-Plattformen mit deutlichen Aufschlägen gehandelt. Die Kooperation steht beispielhaft für einen Trend, der erst Jahre später zum Standard wurde: Designer-Häuser, die mit Pop-IPs arbeiten — von Dior x Sacai bis Gucci x Doraemon.
Warum die Capsule heute relevanter ist als damals
Hoermanseder zeigte 2016, wie deutsche Mode sich international anschlussfähig macht. Wer ihre Designsprache mag, sollte auch einen Blick auf die Berliner Schauen von Ewa Herzog und I’VR Isabel Vollrath werfen — beides Modenschauen, die die Hauptstadt als ernsthaften Mode-Standort etabliert haben. Wer sich grundsätzlich für die Vielfalt großer Häuser interessiert, findet bei uns Tiefenporträts zu Dior Taschen, Dior Beauty, Dolce & Gabbana, Diesel oder Donna Karan / DKNY.
- ✓ Hoermansenders Hello-Kitty-Capsule war eine offizielle Sanrio-Kooperation
- ✓ Präsentation im Hotel Zoo, einem Boutique-Hotel mit Filmgeschichte
- ✓ Limitierte Stücke gelten heute als Sammlerobjekte
- ✓ Die Capsule nahm den späteren Designer-x-Pop-IP-Trend vorweg
- ✓ Die Designerin gilt seither als feste Größe der deutschen Avantgarde-Mode
Was aus den VFNO-Hotspots wurde
Der vielleicht stärkste Hinweis darauf, dass die VFNO 2016 das Ende einer Ära markierte: das Schicksal des Quartier 206. Das einstige Luxus-Departmentstore in der Friedrichstraße — Schauplatz der VFNO-Fotoausstellung — meldete 2020 Insolvenz an. Es ist Symbol für den Niedergang des stationären Luxus-Retails in Deutschland, gerade in einem Moment, in dem Plattformen wie Zalando und Marken-Direktverkauf den Markt umwälzten.
Andere Locations entwickelten sich in die Gegenrichtung. Bikini Berlin etablierte sich als Konzept-Mall mit Fokus auf nachhaltige und unabhängige Marken. Die Mall of Berlin am Leipziger Platz wurde zum touristischen Anker. Das KaDeWe wird derzeit aufwendig umgebaut — ein architektonisches Bekenntnis zum stationären Luxus, in einer Zeit, in der viele Konkurrenten genau das aufgeben.
Die strukturelle Verschiebung im Berliner Retail
Die VFNO funktionierte, weil sie die Boutique zur Bühne machte. Heute findet diese Bühne online statt — auf TikTok-Livestreams, in Influencer-Hauls, auf NA-KD-Drops. Wer in Berlin shoppen will, kombiniert längst stationären Besuch mit Online-Recherche. Die Vogue Fashion Night Out war damit nicht das Ende einer Idee, sondern der Übergang in ein anderes Format. Wer sich für vergleichbare Großevents interessiert, sollte sich auch die Cologne Fashion Days oder die deutsche Bloggerinnen-Szene rund um Kim von Kiamisu, Ruth von Strawberry-Pie oder Vanessa Joleena ansehen — sie haben das Erbe der VFNO digital weitergetragen.
Die Lehren aus der letzten Berliner VFNO
Was bleibt von der Vogue Fashion Night Out Berlin? Erstens: ein Format, das zeigte, wie eine Stadt Mode öffentlich machen kann, ohne sich hinter Backstage-Türen zu verstecken. Zweitens: eine Reihe von Kooperationen — von Hoermanseder bis Baldauf — die die deutsche Modeszene international sichtbar gemacht haben. Drittens: ein Lehrstück über die Verletzlichkeit des stationären Luxus-Retails.
Wer sich für die ästhetischen Codes interessiert, die damals den Boulevard prägten — von High Heels mit roten Sohlen über Tiermuster bis zu klassischen Jeans-Marken — findet bei uns ausführliche Style-Guides. Auch der Rockabilly-Look oder klassische Mode-Zitate von Lagerfeld und Chanel liefern Kontext für eine Zeit, in der Mode noch im Schaufenster verhandelt wurde.
Für angehende Modemenschen
Die VFNO war auch ein Schaulaufen für junge Talente — Models, Fotografen, Designer. Wer selbst in die Branche möchte, sollte sich mit den Grundlagen befassen: Wie wird man Model, was passiert beim Casting, wie schreibt man eine Bewerbung, wo gibt es Model-Jobs und wie funktioniert das internationale Modeln in New York, London und Paris? Auch Germany’s Next Topmodel zeigt, wie sich Casting-Karrieren öffentlich entfalten.
Das Wichtigste auf einen Blick
- − Die VFNO entstand 2009 in New York als Anna Wintours Antwort auf die Finanzkrise
- − Berlin debütierte 2011, die Ausgabe 2016 war faktisch die letzte große deutsche VFNO
- − Hauptlocations: KaDeWe, Bikini Berlin, Mall of Berlin, Hotel Zoo, Quartier 206
- − Marina Hoermansenders Hello-Kitty-Capsule gilt heute als Sammlerstück
- − Joachim Baldaufs Live-Shooting im Bikini Berlin landete in der Vogue
- − Quartier 206 ging 2020 insolvent — Symbol für den Wandel im Luxus-Retail
- − Das Format wurde digital weitergeführt: Influencer, Livestreams, Drops
Die Vogue Fashion Night Out in Berlin war ein Format, das genau in seinem Moment funktionierte — zwischen Print-Hochglanz und früher Social-Media-Welt. Heute ist sie Geschichte, aber eine, aus der sich viel über die Mechanik moderner Modeöffentlichkeit lernen lässt. Wer Mode versteht, versteht auch, warum dieses Event nicht zufällig damals endete. Und warum die Locations, die damals leuchteten, heute so unterschiedliche Wege gegangen sind. Wer sich darüber hinaus für klassische Herrenmode, sportliche Marken wie Nike oder Puma, junge Labels wie Pimkie, Beauty-Tools von ZOEVA oder kuriose Sammler-Themen wie den Painit-Edelstein als Kapitalanlage interessiert, findet bei uns weiterführende Tiefen-Recherchen — und auch der Blick auf Luxus-Shopping in New York lohnt sich, um die Berliner VFNO international einzuordnen.












