Modemarken mit J – Jaquemus, Jack & Jones und Jimmy Choo

Wenn Simon Porte Jacquemus 2009 mit 19 Jahren sein Label gründet, hat er kein Geld, keinen Plan und keine Branchenkontakte — nur den Nachnamen seiner verstorbenen Mutter und ein Faible für minimalistische Schnitte. 14 Jahre später posiert Bella Hadid mit einer Jacquemus „Le Chiquito“ auf dem Cover der Vogue, und die Mini-Tasche, die kaum einen Lippenstift fasst, kostet 495 Euro. Der Buchstabe J steht in der Modewelt für Extreme: für junge französische Visionäre wie Jacquemus, für dänische Massenware wie Jack & Jones und für britische Couture-Schuhe à la Jimmy Choo. Wer einen Überblick über alle Modemarken von A bis Z sucht, findet beim J eine bemerkenswerte Bandbreite — vom 12-Euro-T-Shirt bis zum 1.200-Euro-Stiletto.

Jacquemus: Wie ein Provence-Junge Paris erobert hat

Simon Porte Jacquemus ist in der Mode der Außenseiter, der zum Insider wurde — ohne sich anzupassen. Aufgewachsen in Mallemort, einem 6.000-Seelen-Dorf in der Provence, brach er sein Modedesign-Studium an der ESMOD nach drei Monaten ab. Sein Konzept: Sonnenlicht, Lavendelfelder, weiße Hemden, die nach Sommerferien aussehen. Was zunächst wie eine Instagram-Ästhetik wirkt, ist tatsächlich eine durchkalkulierte Marketingstrategie. Die Show „L’Amour“ 2019 fand inmitten eines lila Lavendelfeldes statt — die Bilder gingen viral und wurden zur teuersten kostenlosen PR-Kampagne der Saison.

Der eigentliche Durchbruch kam mit der „Le Chiquito“ 2018 — einer absurd kleinen Tasche, die als Witz begann und zum Statussymbol wurde. Heute verkauft Jacquemus jährlich Produkte im Wert von rund 200 Millionen Euro, ohne einen einzigen Investor an Bord zu haben. Das macht ihn zur Anomalie in einer Branche, in der praktisch jedes erfolgreiche Label früher oder später bei LVMH oder Kering landet.

Jack & Jones: Dänisches Massengeschäft mit System

Während Jacquemus das Image kuratiert, bedient Jack & Jones das Volumen. Die Marke gehört zur dänischen Bestseller Group — demselben Familienunternehmen, das auch Vero Moda, Only und Selected Femme betreibt. Gegründet 1990 in Brande, Dänemark, ist Jack & Jones heute mit über 1.000 eigenen Stores und Präsenz in mehr als 38 Ländern eine der größten Männermode-Marken Europas. Wer in der Innenstadt einer beliebigen deutschen Großstadt unterwegs ist, läuft mit hoher Wahrscheinlichkeit an einer Jack-&-Jones-Filiale vorbei — meist im selben Gebäude wie eine Pimkie-Filiale, weil beide Ketten die gleiche Zielgruppe an Innenstadt-Lagen bedienen.

Die Stärke der Marke liegt im Jeans-Segment. Das „Intelligence“-Sortiment mit seinen Slim- und Tapered-Schnitten gehört zu den meistverkauften Männerjeans im DACH-Raum. Wer sich für die Konkurrenz interessiert, findet in unserem Artikel zu den wichtigsten Jeansmarken einen direkten Vergleich. Auch im Bereich der klassischen Herrenmode setzt Jack & Jones auf bezahlbare Basics — Sakko unter 100 Euro, Hemd für 30 Euro — und verzichtet bewusst auf Designerambitionen.

Jimmy Choo: Wenn ein Schuh zum Filmstar wird

Jimmy Choo ist eigentlich zwei Geschichten: die des malaysischen Schuhmachers Jimmy Choo Yeang Keat, der 1986 in East London ein kleines Atelier eröffnete, und die der britischen Vogue-Redakteurin Tamara Mellon, die 1996 einsah, dass aus dem Handwerk eine Marke werden musste. Ohne Mellon wäre Jimmy Choo wahrscheinlich nie aus der Bond-Street-Werkstatt herausgekommen.

Den weltweiten Durchbruch verdankt die Marke Sarah Jessica Parker. In „Sex and the City“ trägt Carrie Bradshaw 2002 ein Paar Jimmy Choos und stolpert. Die berühmte Szene — „I lost my Choo!“ — verkaufte mehr Schuhe als jede Anzeigenkampagne. Heute kostet ein klassischer Jimmy-Choo-Pump zwischen 650 und 1.200 Euro, kuriose Kristall-Editionen schießen in den vierstelligen Bereich. Der größte Konkurrent im roten Teppich-Segment? Christian Louboutin — den Unterschied zwischen den beiden Marken haben wir im Artikel über High Heels und rote Sohlen aufgeschlüsselt.

Die wichtigsten Modemarken mit J im Vergleich

Marke Gegründet Herkunft Preissegment Bekannt für
Jacquemus 2009 Frankreich Premium Mini-Bags, Provence-Ästhetik
Jack & Jones 1990 Dänemark Mass Market Herren-Jeans, Basics
Jimmy Choo 1996 UK Luxury Pumps, Red-Carpet-Schuhe
Jil Sander 1968 Deutschland Premium Minimalismus, Tailoring
Jean Paul Gaultier 1976 Frankreich Couture Konische BHs, Streifen
Joop 1986 Deutschland Premium Düfte, Anzüge
JW Anderson 2008 Nordirland Premium Avantgarde-Strick
Juicy Couture 1997 USA Mid-Range Velour-Tracksuits

Jil Sander: Die deutsche Antwort auf Minimalismus

Lange bevor „quiet luxury“ zum TikTok-Hashtag wurde, hat Heidemarie Jiline Sander aus Hamburg dieses Konzept lebendig gemacht. 1968 eröffnete sie ihre erste Boutique, 1975 zeigte sie ihre erste Kollektion in Paris. Jil Sander steht für unaufgeregte Schnitte, hochwertige Stoffe und eine bewusste Abwesenheit von Logos — das genaue Gegenteil dessen, was Gucci in den letzten Jahren gemacht hat.

Die Marke hat eine bewegte Eigentümergeschichte: 1999 verkaufte Sander an Prada, 2000 verließ sie das eigene Label im Streit mit Patrizio Bertelli, 2003 kam sie zurück, 2004 ging sie wieder. Heute gehört Jil Sander zur OTB-Gruppe, die auch Diesel besitzt. Stilistisch ist die Marke das Pendant zu Prada, nur ohne italienische Ironie.

Jean Paul Gaultier: Der Punk der französischen Mode

Wenn Jacquemus der höfliche Junge aus der Provence ist, dann ist Jean Paul Gaultier der unhöfliche Bruder aus dem Pariser Vorort. Berühmt wurde er 1990 mit dem konischen BH, den er für Madonnas „Blond Ambition Tour“ entwarf. Das Stück hängt heute im Victoria & Albert Museum in London. Gaultier hat in den 80ern und 90ern die Branche aufgemischt — mit Männern in Röcken, Modeln jenseits der Standard-Größe und einer Liebe für maritime Streifen, die zu seinem Markenzeichen wurde.

2020 ging Gaultier in den Ruhestand, sein Couture-Haus arbeitet seither mit wechselnden Gastdesignern. Glenn Martens, Olivier Rousteing und Haider Ackermann haben jeweils eine Saison kuratiert — ein Konzept, das bisher kein anderes Couture-Haus übernommen hat. Dass Gaultier die Branche bis heute prägt, zeigt sich auch in vielen Modezitaten, die seine Provokationen festhalten.

Vollständige Liste: Modemarken mit J

Von der Streetwear bis zur Haute Couture — hier ist die Übersicht aller relevanten Modemarken mit dem Anfangsbuchstaben J: