Mode-Designerin Katrin Gemünd x le bloc 2015

Als Katrin Gemünd 2015 ihre Stücke beim le bloc Festival in Köln zeigte, war sie keine der lauten Namen der Modeszene — und genau das machte ihren Auftritt interessant. Während andere Designer auf Instagram-Optik und Influencer-Strategie setzten, arbeitete Gemünd vom Düsseldorfer Design Department aus an einer Mode, die nicht schreit, sondern schneidet. Wir haben die Designerin im Rahmen unserer le bloc Designer-Reihe getroffen und über Schnitt, Stoffe und das, was eine Kollektion im dritten Jahr nach Gründung wirklich tragen muss, gesprochen. Wer einen breiteren Blick auf die deutsche Modelandschaft sucht, findet in unserer Übersicht aller Modemarken von A bis Z Kontext zu den Häusern, gegen die junge Designerinnen wie Gemünd antreten.

Take 7: Katrin Gemünd, Mode-Designerin

le bloc 2015 x Designer & Boutiquen x Folge 3 — veröffentlicht am 06.06.2015

Das le bloc Festival war 2015 in seiner siebten Ausgabe und hatte sich vom kleinen Off-Event zu einer ernstzunehmenden Plattform für unabhängige Designer im Rheinland entwickelt. Während die offiziellen Schauen der Mailänder Fashion Week oder Pariser Houses auf perfekt durchchoreografierte Inszenierungen setzen, lebt le bloc von genau dem Gegenteil: Designer, die ihre Stücke selbst aufhängen, selbst erklären, selbst verkaufen. Genau in diesem Setting traf der Festivaltyp eine Designerin wie Katrin Gemünd auf ein Publikum, das nicht nach dem nächsten Gucci-Logo sucht, sondern nach Stücken, die man in fünf Jahren noch trägt.

Warum gerade Düsseldorf — und nicht Berlin?

Die naheliegende Frage zuerst: Warum sitzt eine deutsche Mode-Designerin 2015 nicht in Berlin, wo der Hype, die Fashion Week und die Presse sind? Gemünds Antwort hat eine pragmatische Komponente, die viele junge Labels unterschätzen. Düsseldorf ist seit Jahrzehnten der heimliche Mode-Hub der Republik — die Modemessen Igedo, CPD und später Gallery Düsseldorf haben hier den Großhandel der Branche geprägt. Wer in Düsseldorf produziert, sitzt näher an den Showrooms, näher an Einkäufern, näher an der textilen Infrastruktur Nordrhein-Westfalens als jedes Berlin-Mitte-Atelier.

Das Design Department in der Mindener Straße 33a, in dem Gemünd arbeitet, ist dabei mehr als eine Adresse: Es ist ein Co-Working-Konzept für Mode, das mehreren Designern gleichzeitig Atelier, Showroom und Schnittlabor unter einem Dach bietet. Diese Struktur — geteilte Fixkosten, geteiltes Know-how, einzelne kreative Handschriften — ist genau das Modell, das die deutsche Independent-Szene nach 2010 stabilisiert hat. Wer als Newcomer einsteigt, kann sich in unserem Beitrag Modenschau hinter den Kulissen ansehen, wie aufwändig allein die Vorbereitung einer einzelnen Show ist — und warum kollaborative Strukturen für junge Designer überlebenswichtig sind.

Die Kollektion: Schnitt vor Statement

Wer Gemünds Stücke beim le bloc 2015 in die Hand nahm, merkte schnell, woran sie sich orientiert: an Schnittarchitektur, nicht an Trendzitaten. Während viele junge Labels in der Saison Frühjahr/Sommer 2015 auf Animal-Prints und Tiermuster oder den damals omnipräsenten Boho-Look setzten, blieb Gemünds Linie fast trocken: klare Linien, reduzierte Farbpalette, Fokus auf Stoffqualität. Ihre Hosen sitzen, wo sie sitzen sollen — nicht wo Pinterest sie hinhaben will.

Diese Haltung erinnert konzeptuell an das, was Donna Karan mit DKNY in den späten 80ern für New York definierte: Mode, die Frauen tragen können, die arbeiten, ohne dass sie als „Business-Look“ abgestempelt wird. Gemünds Kollektion 2015 spielte mit Asymmetrien, mit Lagen, mit Materialmischungen aus Wolle und technischen Stoffen — aber immer so, dass das einzelne Stück kombinierbar bleibt. Das ist die Trennlinie zwischen Concept-Mode (schön für die Schau, unverkäuflich) und tragbarer Designermode.

„Ich will keine Stücke machen, die nur einmal funktionieren. Eine Hose muss auch nach drei Jahren noch im Schrank hängen — sonst habe ich meinen Job nicht gemacht.“ — Katrin Gemünd im Gespräch beim le bloc 2015

Was junge Designerinnen 2015 anders machten

Die Generation deutscher Designerinnen, die zwischen 2012 und 2016 ihre Labels gründete, hatte ein Problem, das Gemünd offen anspricht: den Zugang zu Stoffen und Produktion in kleinen Mengen. Während etablierte Häuser wie Christian Dior oder Prada mit Mindestabnahmen von tausenden Metern bei italienischen Webereien arbeiten, müssen junge Designer mit 30 bis 80 Metern pro Stoff kalkulieren — und werden von vielen Mühlen schlicht nicht beliefert.

Wie wir im Artikel zu den Jeans-Marken im Vergleich zeigen, liegt der eigentliche Unterschied zwischen Massenware und Designerstück oft nicht im Schnitt, sondern in der Stoffqualität — und genau hier entscheidet sich, ob ein junges Label überlebt oder nach zwei Saisons wieder verschwindet. Gemünd hat dieses Problem klassisch gelöst: kleine, dafür hochwertige italienische Lieferanten, persönliche Beziehungen, faire Bezahlung. Keine Scale-Effekte, dafür Konsistenz.

Vergleich: Independent-Designer vs. etablierte Labels (Stand 2015)

Kriterium Independent (z.B. Gemünd) Etabliertes Haus
Mindestabnahme Stoff 30–80 Meter 500–5.000 Meter
Kollektionsgröße 15–25 Teile 80–150 Teile
Produktionsort Deutschland / Italien (klein) Italien / Asien (industriell)
Vertrieb Eigener Showroom, Boutiquen Flagship-Stores, Department Stores
Preisniveau Damenhose 180–320 € 450–900 €

le bloc als Plattform — und warum das Format funktioniert

Das le bloc Festival hat sich seit seinem Start als hybrides Format positioniert: keine reine Fashion Show, sondern ein Wochenende aus Pop-up-Verkauf, Designertalks, Mini-Schauen und Boutiquen-Touren durch Köln. Genau dieses Konzept — Designer trifft Endkunde, ohne Einzelhandels-Filter dazwischen — ist das, was junge Marken brauchen, um ehrliches Feedback zu bekommen. In unserem Guide zu den aktuellen Trends in der Herrenmode haben wir bereits beschrieben, wie solche direkten Vertriebsformate die Lücke zwischen Atelier und Käufer schließen.

Für Katrin Gemünd bedeutete der Auftritt 2015 konkret: drei Tage Verkauf, dutzende Gespräche, direktes Feedback zu Schnitten und Materialien. Das ist die Art von Daten, die kein Wholesale-Bericht aus dem Showroom liefert. Wer als Newcomerin in der deutschen Modeszene Fuß fassen will, sollte Festivals wie le bloc, die Berliner Premium oder die Münchner Supreme nicht als Pflichttermine verstehen, sondern als Marktforschung in Echtzeit.

Was Leser von dieser Designerin lernen können

Auch wenn Gemünds Auftritt beim le bloc 2015 inzwischen einige Jahre zurückliegt, sind die Lektionen aus ihrer Arbeitsweise zeitlos — gerade für alle, die selbst über eine Karriere in der Mode nachdenken. Wer überlegt, ob Design, Modeln oder Branche allgemein der richtige Weg ist, findet in unserem Ratgeber zum Thema Model werden die wichtigsten ersten Schritte, und in den Artikeln zu Model-Castings sowie Bewerbung als Model die nächsten konkreten Stationen.

  • Fokus statt Breite: Eine klare Designhandschrift schlägt eine breite, beliebige Kollektion immer.
  • Standort strategisch wählen: Düsseldorf, Antwerpen oder Mailand können für Production und Vertrieb sinnvoller sein als Berlin.
  • Direkter Kundenkontakt: Festivals und Pop-ups liefern bessere Daten als jede Fokusgruppe.
  • Stoffqualität ist nicht verhandelbar: Hier entscheidet sich Wiederkauf und Markenwahrnehmung.
  • Co-Working für Designer: Geteilte Ateliers wie das Design Department senken Eintrittsbarrieren erheblich.

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