Modedesignerin Anne Marie Morscheck

Handgefertigte Unikarte, moderne Schnitte, neue Interpretationen alter Schnitte – Die Modekollektionen von Anne-Marie Morscheck sind vielfältig. Die Modedesignerin, die mit ihren beiden Labels Atelier DSIGNS und Fräulein Valentine by Altelier DSIGNS in Düsseldorf ansässig ist, hat eine Vorliebe für die Mode vergangener Zeiten. Sie kreiert Mode in Anlehnung an die 50-er Jahre und schneidert auch Brautkleider nach Maß. Wir haben mit Anne-Marie über Glück, Mode und ihren Weg zur Designerin gesprochen.

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Anne-Marie Morscheck – „Ich bin eine gnadenlose Optimistin“

FIV: Vorerst möchten wir erstmal auf dich als Persönlichkeit zu sprechen kommen. Wie würdest du dich selbst beschreiben? Was ist deine beste und schlechteste Eigenschaft?

Ich bin, glaube ich, ein Mensch, der sich sehr einer Sache verschreiben kann. Wenn ich an etwas glaube, dann halte ich daran fest – auch wenn es ausweglos erscheint. Scheinbar bin ich eine gnadenlose Optimistin… Das ist, wie ich finde eine meiner besten Eigenschaften. Was nicht so schön ist: Ich stehe mit der Uhr auf Kriegsfuß d.h. ich habe kein gutes Zeitgefühl. Für mich ist eine Stunde eine Ewigkeit in der ich hunderte Dinge erledigen kann. Das klappt natürlich nicht und darum verzettele ich mich oft oder plane Dinge, die nie zur Realisation kommen, weil die Zeit einfach nicht da ist.

FIV: Was macht dich glücklich bzw. womit kann man dir eine Freude machen?

In der Natur zu sein, auf einer satten grünen Wiese zu liegen und einfach in den Himmel schauen oder in den Dünen zu sitzen und auf das Meer zu blicken macht mich glücklich. Auch koche und esse ich gerne. Der Duft eines Käsekuchens im Backofen- ja das macht mich auch glücklich.

FIV: Auf was könntest du im Alltag nie verzichten?

Auf meinen Mann und meinen Hund. Und auf Milchkaffee am Morgen…

Einfaches Styling: Anne-Marie mag es unkompliziert

FIV: Jetzt kommen wir zum Thema „Styling“. Was sind deine „Fashion-Favoriten“, die du in deinem Kleiderschrank nie vermissen möchtest?

Immer wieder werde ich als Modedesignerin damit konfrontiert, wie ich mich selber anziehe. Ich muß ehrlich gestehen, ich verfolge keinen bestimmten Stil oder Look. Ich glaube, ich bin als Designerin, die sich Tagein Tagaus mit dem Thema Mode beschäftigt, einfach überinformiert und darum mache ich auch nicht jede Mode mit. Ich liebe unkomplizierte Mode mit besonderem Aha-Effekt. Gerne trage ich kurze Kleider, da ich ziemlich groß bin . Ich habe in meinem Schrank ein paar Teile der Marke COS, die ich immer wieder gerne trage. Unverzichtbar ist aber auch meine Jogginghose, in der ich es mir in meiner Freizeit gemütlich mache.

FIV: Wer oder was inspiriert dich in deinem Look?

Ich liebe Muster- am liebsten kleine Krawattenmuster, Polka Dots , Blumenprints z.B. von Marimekko. Ich lasse mich von allen möglichen Dingen inspirieren , Filme, die Straße, Magazine aber auch das Internet. Ich liebe z.B. Pinterest und kann mich stundenlang damit beschäftigen. Ich kleide mich  stimmungsabhängig, mal soll es etwas legerer sein mit Jeans und T-Shirt, ein anderes Mal dann eben etwas schicker.

FIV: War Mode schon in deiner Kindheit ein Thema? Inwiefern?

Ich bin 1970 geboren und Schlaghosen und Fellwesten habe ich schon sehr früh kennen gelernt. Ich erinnere mich nicht so gerne an die kratzigen Strumpfhosen und Kniestrümpfe, die immer runterrutschten.

Ich habe schon als Kind viel gezeichnet, gebastelt und gehandarbeitet. Meinen Puppen und Barbiepuppen habe ich aus Stoff und Wollresten Kleider genäht. Meine Oma und Großtante waren beide Schneiderinnen. Bei meiner Tante habe ich öfters im Atelier gesessen und mir Stoffbücher und Modefigurinen angesehen.

FIV: Welche Mode-Epoche ist dein Favorit und warum?

Ich liebe den Stil der 50er Jahre. Ich mag die Farben, die Pastelltöne- vanillegelb,  pistazie, himbeere… Ich finde die Möbel aus der Zeit wunderschön. Es war alles sehr filigran aber dennoch sehr klar und schnörkellos. Auch die Grafiken und Muster finde ich interessant. Die Mode war sehr weiblich und hat mit der X-Silhouette die Figur der Frau optimal unterstrichen. Es war eine sehr positive Zeit- natürlich auch noch stark von gesellschaftlichen Konventionen geprägt, besonders für die Frauen- aber der Krieg war vorbei, der Wohlstand wuchs und die Menschen freuten sich überlebt zu haben.

Klassischer Einstieg: Anne-Marie über ihre Modedesign-Karriere

FIV: Jetzt kommen wir zu deiner Arbeit als Designerin:
Hat sich die Modeindustrie in deinen Augen in den letzten Jahren verändert? Inwiefern?

Ja, natürlich erkenne ich Veränderungen- obwohl ich ja nicht industriell fertige.
Ich sehe zwei verschiedene Strömungen. Zum einen die schnelle Mode H&M, Primark, Zara  usw. Die Industrie wirft grenzenlos Ware auf den Markt. Es geht gar nicht mehr um Mode sondern nur noch um Masse. Dieser Entwicklung stehe ich sehr kritisch gegenüber, da sie neben sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen auch enorme Ressourcen verschwendet und die Umwelt nachhaltig schädigt.

Glücklicherweise sind wir heute aufgeklärter als vor 20 Jahren. Die vielen negativen Schlagzeilen bringen die Verbraucher zum Umdenken und das ist für mich eine zweite Strömung. Die Menschen möchten nicht mehr schnell und billig sondern sehnen sich nach Werten und Beständigkeit. So gibt es einen riesigen Second Hand und Recycling/Upcycling Trend. Auch die Eco Fashion ist eine Antwort darauf und schließlich auch die Nostalgiewellen, deren Mode ich vertrete.

FIV: Du hast ja schon Erfahrung in dem Business: Was würdest du angehenden Designern für ihren Karriere-Start raten?

Durchhaltevermögen, Kapital, Familie und Freunde, die hinter einem stehen, die Bereitschaft sehr sehr viel zu arbeiten, die Ungewissheit aushalten können, dass man nie weiß, wie der Kontostand am Ende des Monats ist, Risikobereitschaft und Organisationstalent.

FIV: Wann und wie hast du deine Karriere als Designerin gestartet? Hattest du eine klassische Ausbildung oder über welchen Weg bist du in das Mode-Business eingestiegen?

Ich habe alles „von der Pieke auf“ gelernt. Nach dem Abi bin ich in die Lehre gegangen und habe in einem sehr guten Handwerksbetrieb meine Lehre absolviert. Studiert habe ich in Düsseldorf an der AMD und mich dann anschließend selbständig gemacht

FIV: Was gefällt dir an deinem Beruf als Designerin besonders?

Ohjeh, wo soll ich denn da anfangen? Das Gefühl etwas, was man im Kopf hat auf Papier zu bringen und am Ende steht es vor Dir und Du kannst es anfassen, ja sogar anziehen. Dieser Schaffensprozess ist sehr befriedigend und alles, was damit zusammenhängt, die Stoffe, die Farben, die Techniken. Ich bin nun schon so lange in diesem Beruf und ich lerne und sehe immer wieder neue Dinge. Es ist so spannend durch das Leben zu gehen und alles um Dich herum aufzunehmen, Dich inspirieren zu lassen. Ich habe mit schönen Dingen zu tun und kann sogar andere Menschen damit glücklich machen – was kann man von einem Beruf denn mehr erwarten?

FIV: Wie würdest du die Mode deiner unterschiedlichen Labels „Atelier DSigns“ und „Fräulein Valentine by Atelier DSigns“ beschreiben?

Unter dem Label Atelier DSigns entwerfe und kreiere ich zeitgemäße und feminine Mode inspiriert durch besondere Materialien und Texturen und ungewöhnliche Schnittführungen. Dabei entstehen unter anderem auch Unikate ,z.B. auch Brautkleider.

Fräulein Valentine by Atelier DSigns steht für meine Liebe zu den 50er Jahren. Hier finden sich Petticoatkleider in den unterschiedlichsten Varianten,  Schluppenblusen , Tellerröcke, Hosen, Mäntel und figurbetonte Kostüme, die ich der Kundin auf den Körper schneidere. Oftmals vermischen sich diese beiden Stile auch miteinander und es entsteht dann ein individueller, nostalgischer Look mit zeitgemäßen Elementen.

FIV: Dein Label „Fräulein Valentine“ ist sehr interessant und speziell. Wie bist du darauf gekommen unter dem Label „Fräulein Valentine“ 50-er und 60-er Jahre Mode zu entwerfen? Was hat dich dazu inspiriert?

Wie oben bereits erwähnt fasziniert und berührt mich der Zeitgeist der 50er Jahre. Ich habe nach einem Produkt gesucht, was sich auch ohne dass die Kundin in mein Atelier kommen muss problemlos im Internet anbieten lässt und habe dann einen Schnitt entwickelt, der realisierbar ist, nur durch die Maßangaben, die mir die Kundinnen schicken. Die Petticoatkleider sind wirklich ein Traum für jede Frau und nahezu für jede Figur. Auch Frauen die normalerweise nie ein Kleid tragen würden lieben meine Kleider.

FIV: Außerdem entwirfst du auch Brautkleider. Wie können wir uns das vorstellen? Also wie ist der Ablauf, wenn eine angehende Braut in dein Atelier kommt und ein Kleid bei dir bestellen möchte? Wie lange dauert es ein Brautkleid zu entwerfen?

Die meisten angehenden Bräute haben bereits eine bestimmte Vorstellung ihres Traumkleides. Sie haben bereits eine  Odyssee durch die verschiedenen Brautmodengeschäfte hinter sich und nichts dort gefunden. Dann kommen sie zu mir und wir erarbeiten gemeinsam ihr eigenes individuelles Kleid. Ich zeichne den Entwurf auf und wir suchen die entsprechenden Stoffe und Spitzen aus. Egal was wir tun, die Beratung und die individuellen Bedürfnisse der Braut sind mir immens wichtig und geben wertvolle Informationen wie der Entwurf dann aussieht. Vielleicht  möchte die Kundin im Freien heiraten, hat sie Kinder oder stillt sie vielleicht noch, hat sie ein bestimmtes Farbmotto für Ihre Hochzeit oder eine besondere Liebe zu einem Land, mag sie vielleicht ihr Arme nicht zeigen aber träumt trotzdem von einem Korsagenkleid usw.

Nach ausführlicher Beratung wird Maß genommen und ich erstelle den Schnitt, anschließend wird das Kleid in einem billigem Baumwollstoff zugeschnitten und genäht. Dieses Kleid dient nur der Visualisierung des Entwurfes und der Überprüfung der Passform. Das Kleid wird anprobiert und abgesteckt. Alle Änderungen werden dann wieder auf den Schnitt übertragen und dann wird  erst der Originalstoff zugeschnitten. Auch für die nächste Anprobe ist das Kleid noch nicht vollendet, sondern es können immer noch Änderungen vorgenommen werden. Schritt für Schritt entsteht somit das Traumkleid für den einzigartigen Tag im Leben einer Braut.

Vielleicht kann man sich vorstellen, wie viel Arbeit da drin steckt, je nach Entwurf bedarf es mehrerer Wochen, bis das Kleid fertig ist.

FIV: Wo präsentierst du deine Mode und wo kann man deine Kollektionen kaufen?

Meine Mode zeige ich in meinem eigenen Geschäft in Düsseldorf. Darüber hinaus habe ich auch einen online Shop, den man über meine Homepage erreichen kann.

FIV: Was war bisher das schönste Erlebnis in deinem Job?

Ich bin nun schon so viele Jahre selbständig und habe so unfassbar viele schöne Erlebnisse gehabt, dass es ich gar nicht sagen kann, dass es „das“ schönste Erlebnis gibt. Von meiner Zeit in der Modeschule, die vielen Modenschauen, die einem die Endorphine in die Höhe schnellen lassen, bis hin zur Eröffnung meines Ateliers und den vielen, vielen Kundinnen, in deren strahlende Gesichter ich immer wieder blicken kann freue ich mich immer noch auf die schönen Augenblicke, die da noch kommen mögen.

FIV: Was hast du für Pläne für deine berufliche Zukunft? Steht demnächst etwas Besonderes an?

Ich möchte gerne weiter mit meiner Arbeit machen können, sofern ich gesund bleibe. Ich plane den Brautsektor noch weiter auszubauen und mehr auf Messen und 50er Events vertreten zu sein. Demnächst werde ich vielleicht im TV zu sehen sein und auf einer feinen Plattform wie das Fashion Interview…

Vielen Dank für das Interview liebe Anne-Marie!

Weitere Informationen zu Modedesignerin Anne-Marie Morschek aus Düsseldorf

Anne-Marie Morscheck Modedesignerin
DSigns& Fräulein Valentine
Friedenstrasse 66
40219 Düsseldorf

www.lookatdsigns.de

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