Gold Link – Grammy, Top Hits und erfolgreichste Alben
21 Wochen in den US-Charts, Platz 45 in der Hot 100 und ein Feature mit Christina Aguilera, das ihn 2019 in der Kategorie „Best Rap/Sung Performance“ zu den Grammys brachte — D’Anthony Carlos, besser bekannt als GoldLink, ist einer dieser Artists, die Mainstream-Erfolg hatten, ohne je den Mainstream-Sound bedient zu haben. Sein Markenzeichen: ein nervöser, perkussiver Flow über Beats, die mehr nach Future Bounce, UK Funky und D.C. Go-Go klingen als nach klassischem Trap. Wer 2019 Hip-Hop hört, der mehr will als Auto-Tune und 808s, kommt an GoldLink nicht vorbei — und auch modisch ist er ein interessantes Beispiel dafür, wie sehr sich Rap-Style inzwischen von klassischer Herrenmode emanzipiert hat.
Vom anonymen SoundCloud-Mixtape zum Grammy-Kandidaten
GoldLink wurde 1993 in Washington D.C. geboren — ein Detail, das man kennen muss, um seine Musik zu verstehen. Die Hauptstadt ist nicht New York, nicht Atlanta, nicht L.A., sondern die Heimat von Go-Go: einem extrem perkussionslastigen Funk-Subgenre, das seit den 1970ern lokal dominiert. Diese DNA hört man in fast jedem GoldLink-Track. Sein Debüt-Mixtape „The God Complex“ erschien 2014 — komplett anonym, ohne Pressefoto, ohne Interviews. Erst nach dem Hype gab er sein Gesicht preis.
Was viele übersehen: GoldLink wurde vom legendären britischen DJ und Produzenten Rick Rubin sowie von Kaytranada gefördert, lange bevor er bei RCA unterschrieb. Sein zweites Projekt „And After That, We Didn’t Talk“ (2015) wurde von Pitchfork mit 8.0 bewertet — ein Wert, den Rapper selten bekommen, wenn sie nicht gerade Kendrick Lamar heißen. Damit war klar: Hier kommt jemand, der nicht in die übliche Schublade passt.
„At What Cost“ und der Crew-Effekt
Das Album, das GoldLink endgültig aus der Nische in die Charts katapultierte, ist „At What Cost“ (2017). Es ist ein Konzeptalbum über D.C. — über die Stadt, ihre Gentrifizierung, ihre Gewalt, ihre Soundkultur. Und es enthält „Crew“ feat. Brent Faiyaz und Shy Glizzy, den Song, der ihm Platinstatus bescherte und für den er 2018 zum ersten Mal für einen Grammy nominiert wurde (Best Rap/Sung Performance).
Der Refrain hat sich in die Köpfe einer ganzen Generation gefressen — auch deshalb, weil er trotz expliziter Sprache eine fast melancholische Melodie trägt:
I ain’t got no type (Nah)
Bad bitches is the only thing that I like
You ain’t got no life (Nah)
Cups with the ice and we do this every night
I ain’t check the price (I got it)
I make my own money so I spend it how I like
I’m just living life
And let my momma tell it nigga I ain’t living right (nope)
21 Wochen Chart-Präsenz mit einem Song, der im Kern ein zurückhaltender R&B-Track ist — das schafft kaum jemand. „Crew“ wurde zum Soundtrack des Sommers 2017 und ist bis heute der Track, an dem die meisten Hörer GoldLink zum ersten Mal entdecken.
Die wichtigsten Releases im Überblick
| Jahr | Release | Format | Highlight |
|---|---|---|---|
| 2014 | The God Complex | Mixtape | Anonymer Release, Future-Bounce-Sound |
| 2015 | And After That, We Didn’t Talk | Studioalbum | Pitchfork 8.0, Kaytranada-Produktion |
| 2016 | And After That, We Didn’t Talk – The Remixes | Remix-EP | Neuinterpretationen mit Top-Produzenten |
| 2017 | At What Cost | Studioalbum | Platin-Hit „Crew“, D.C.-Konzeptalbum |
| 2019 | Like I Do (mit Christina Aguilera) | Single | Grammy-Nominierung 2019 |
Die Top-Songs, die man kennen sollte
- Crew — der Mainstream-Durchbruch, Platin-zertifiziert
- Rough Soul ft. April George — der versteckte Geheimtipp aus „At What Cost“
- Same Girl — clubtauglich, mit klarer UK-Garage-Referenz
- Last Night — der nachdenkliche Track für späte Stunden
- Got Friends ft. Miguel — eine der musikalisch komplexesten Kollaborationen
Die Aguilera-Kollaboration: Pop trifft Rap auf Augenhöhe
„Like I Do“ mit Christina Aguilera und Goldie Boutilier erschien 2018 auf Aguileras Comeback-Album „Liberation“ — und es war für viele die Überraschung des Jahres. Aguilera, die seit „Stripped“ und „Back to Basics“ kaum noch Chart-Hits hatte, wählte ausgerechnet GoldLink für eine ihrer prominentesten Singles. Das Ergebnis: eine Grammy-Nominierung 2019 in der Kategorie „Best Rap/Sung Performance“ — die zweite für GoldLink in Folge.
Was diese Kollaboration besonders macht: Sie funktioniert nicht nach dem üblichen Schema „Pop-Diva bucht Rapper für Street-Credibility“. Stattdessen klingt der Track wie ein echtes Aufeinandertreffen zweier Welten — Aguileras klassische Belt-Stimme über einem typisch zerhackten GoldLink-Beat. Der Track positioniert ihn endgültig als Rapper, der pop-tauglich ist, ohne sich anzubiedern.
GoldLinks Style: Skater, Streetwear, ein bisschen Highfashion
Ästhetisch ist GoldLink ein interessanter Fall. Statt der klassischen Rap-Uniform aus Diamant-Grills und Designer-Logos trägt er meist überdimensionierte Skate-Hoodies, vintage Workwear, Carhartt, alte Nike-Modelle und gelegentlich Pieces von Off-White oder Heron Preston. Damit gehört er zu der Generation Rapper (Tyler, the Creator, Frank Ocean), die Mode nicht über Preisschilder definieren, sondern über Subkultur-Referenzen.
Wer seinen Look nachstellen will, kommt mit einer guten Jeans, einem Vintage-Tee und passenden Sneakern weiter als mit Logo-Bombing. Wie wir im Artikel zu Tiermustern in der Streetwear zeigen, ist die wirkliche Bewegung im männlichen Style aktuell sowieso bei Print-Mixen und Vintage-Pieces — genau das Feld, in dem sich auch GoldLink bewegt. Bei Gucci-Auftritten oder Prada-Events sieht man ihn dagegen selten — was seinen Status als Underground-Liebling eher zementiert.
Warum GoldLink für Hip-Hop-Hörer wichtig ist
Die ehrliche Einschätzung: GoldLink ist kein Drake. Er wird nie hundert Millionen Streams pro Single generieren, und seine Alben werden nicht jede Woche im Radio laufen. Aber er ist genau das, was eine Szene braucht — ein Artist, der den Mainstream gestreift hat, ohne ihn je zu wollen. Sein Sound ist das Bindeglied zwischen Tribe-Called-Quest-Tradition, britischer Bass-Music und zeitgenössischem R&B. Wer Anderson .Paak mag, wer Brockhampton hört, wer Frank Ocean liebt, wird auch mit GoldLink etwas anfangen können.
Sein Einfluss auf jüngere Rapper aus D.C. ist außerdem nicht zu unterschätzen. Er hat die Stadt zurück auf die Hip-Hop-Karte gebracht — eine Stadt, die zwischen den Polen New York, Atlanta und L.A. sonst kaum Beachtung findet. Von dort aus ist es nur ein kleiner Schritt nach Norden — und wer sich für die Szene interessiert, sollte sich auch unseren Guide zu Mode und Shopping in New York sowie das Pendant zu Luxus-Shopping in New York anschauen, denn dort spielt sich vieles ab, was Rap-Mode global prägt.
GoldLink – Rough Soul ft. April George
GoldLink – Got Friends (Official Video) ft. Miguel
Interview mit GoldLink
Wer GoldLink mag, sollte auch das hören (und lesen)
GoldLink ist ein Tor zu einer ganzen Welt von Künstlern, die zwischen den Genres operieren. Wer tiefer einsteigen will, kommt an Kaytranada, Anderson .Paak, Masego, Brent Faiyaz und Smino nicht vorbei. Auch Connections zur Modewelt sind interessant: Viele dieser Artists werden inzwischen zu Front Rows der Fashion Week Mailand eingeladen — Musik und Mode verschmelzen auf einem Niveau, das es so vor zehn Jahren nicht gab.
Für alle, die sich ohnehin für Pop- und




















